Künstliche Intelligenz ist überall auf dem Vormarsch. Auch in den Verwaltungen. Seit Kurzem gibt es in Meßstetten einen KI-basierten Bürgerlotsen. Was kann der?
Wer auf der Homepage der Stadt Meßstetten surft, der stellt schnell fest, dass es einen neuen Helfer gibt. Wie einst die berühmte hilfsbereite Büroklammer in gewissen Textverarbeitungsprogrammen, die fröhlich blinzelnd aus der Ecke hervorgeschossen kam und allerlei Fragen zu Zeilenschaltung, Formatierung oder Rechtschreibung beantworten konnte respektive wollte. Jetzt ist das im Fall von Meßstetten keine Büroklammer, sondern ein sogenannter KI-Bürgerlotse. Der wird als „als digitaler Helfer beim Verweilen auf der städtischen Webseite“ angepriesen.
In bis zu 80 Sprachen kann sich der KI-Bürgerlotse unterhalten. Eigenen Angaben zufolge nicht nur auf Deutsch und Englisch, sondern der KI-Bot ist auch anderen Sprachen mächtig, etwa Polnisch, Französisch, Spanisch oder Arabisch. Sogar den asiatischen Raum deckt der Bot ab, kann sowohl auf Chinesisch als auch Tagalog, der Sprache der Philippinen, Rede und Antwort stehen, wie er selbst auf Anfrage unserer Redaktion erzählt. Der Bürgerlotse solle konkret dabei helfen, sich im bürokratischen Dschungel zurechtzufinden, erklärt Dienstleistungen, verweist direkt auf die entsprechenden Seiten, nennt die passenden Kontakte und führt durch Verwaltungsprozesse.
Technisch ein Roboter
Rein technisch gesehen sei der Meßstetter KI-Bürgerlotse nichts anderes als ein Bot, erklärt die Stadt auf der zugehörigen Seite ihres Internetauftritts. „Das steht abgekürzt für Roboter und ist ein automatisiertes Computerprogramm, das vordefinierte, sich wiederholende Aufgaben über das Internet selbstständig ausführt, ohne direkte menschliche Steuerung. Es bedient sich Algorithmen und macht sich dabei die Künstliche Intelligenz zu Nutze“, heißt es weiter.
Der neue Bürgerlotse ist zunächst ein Testballon, den die ohnehin auf digitalem Vormarsch befindliche Heuberg-Metropole in die Luft steigen lässt. Es gehe darum zu sehen, wie stark dieses Web-Tool von den Bürgern angenommen wird und vor allem, wie hilfreich es bei den Anliegen aus der Bevölkerung wirklich ist.
Stadt auf Feedback angewiesen
Deshalb ist die Stadt auf Feedback aus der Bevölkerung angewiesen. Doch hier sehe es bisher eher mau aus, bedauert Pressesprecher Volker Bitzer auf Anfrage unserer Redaktion: „Rückmeldungen aus der Bürgerschaft sind bis dato keine bei uns eingegangen“, schreibt er. Immerhin auf anderem Wege gab es nun belastbare Daten.
Über den Dienstleister, der den Bot anbietet, nämlich: „615 Nachrichten in 161 Konversationen wurden über den digitalen Assistenten bearbeitet. Diese hohe Zahl hat uns überrascht“, erklärt Volker Bitzer weiter. Ob es sich hierbei um wirkliche Interaktionen handle oder nur kurze Tests, das sei noch unklar. „Gezieltere Auskünfte vermag in den nächsten Wochen womöglich eine sogenannte semantische Analyse ergeben“, heißt es aus dem Meßstetter Rathaus weiter. Wie es nach dem Testlauf weitergeht? Da muss die Meßstetter Stadtverwaltung erst noch die detailliertere Analyse abwarten.
Auf digitalem Vormarsch
Klar ist: „Die Testphase ist auf ein Jahr ausgelegt. Je nach Nutzung und Mehrwert werden wir danach über das weitere Vorgehen entscheiden“, schreibt Bitzer abschließend, stellt aber in Aussicht: „Wenn seine Dienste auch in einem halben Jahr noch häufig genutzt werden, hat er sich wohl gelohnt.“
Der KI-Bot reiht sich aber ein in eine lange Reihe von digitalen Projekten, die die Stadt Meßstetten anschiebt. Erst 2024 hatte man die Digitalstrategie verabschiedet und agiert seither recht umtriebig auf diesem Spielfeld. Von der elektronischen Akte bis zum digitalen Posteingang ist vieles im Gange, wie Diana Härter als Leiterin der Stabsstelle Digitalisierung bereits im Vorjahr im Rahmen ihres Berichtes dem Gemeinderat erklärte. Im Bericht von 2026, so viel dürfte schon jetzt klar sei, wird mit Sicherheit auch der KI-Bürgerlotse seine Erwähnung finden.