Oberbürgermeister Jörg Lutz mit den Preisträgerinnen und Preisträgern der Lisa Rees-Medaille 2026 der Stadt Lörrach: Jörg Lievert, Dirk Furtwängler, Förderverein Seniorenzentrum St. Fridolin Lörrach-Stetten, mit den Laudatoren Oliver Bohn, Philipp Bohner, Norbert Uttner. Foto: Lucia Hofmaier

Die Stadt Lörrach ehrte Dirk Furtwängler, Jörg Lievert sowie den Förderverein Seniorenzentrum St. Fridolin Lörrach-Stetten für außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement.

Die Stadt Lörrach würdigt mit der Lisa Rees-Medaille das vielseitige, engagierte und oftmals über viele Jahre gewachsene Wirken von Bürgern sowie von Organisationen und Initiativen, die sich in besonderer Weise für das Gemeinwohl und den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft einsetzen. Die feierliche Verleihung der Lisa Rees-Medaille fand am Donnerstagabend im Rahmen des Neujahrsempfangs der Stadt im Burghof Lörrach statt.

 

Oberbürgermeister Jörg Lutz überreichte die Auszeichnung und unterstreicht damit den Dank der Stadt an ihre ehrenamtlich tätigen Bürger. In diesem Jahr werden Dirk Furtwängler, Jörg Lievert sowie der Förderverein Seniorenzentrum St. Fridolin Lörrach-Stetten mit seinem Quartierscafé ausgezeichnet.

Engagierte Stimme für Inklusion und Teilhabe

Dirk Furtwängler steht seit vielen Jahren für einen beharrlichen, sachlichen und zugleich menschlichen Einsatz für Menschen mit Behinderung in der Stadt Lörrach, schreibt die Verwaltung. Sein Name ist untrennbar mit dem Behindertenbeirat der Stadt verbunden, den er seit dessen Gründung maßgeblich geprägt hat. Über drei Wahlperioden hinweg führte er das Gremium insgesamt 15 Jahre bis 2022 als erster Vorsitzender und setzte dabei konsequent auf Zusammenarbeit als Team auf Augenhöhe. Mit großem Gespür für die unterschiedlichen Perspektiven körperlicher, seelischer und kognitiver Beeinträchtigungen habe Furtwängler die vielfältigen Stärken der Beiratsmitglieder zusammengebracht. Zu den zentralen Erfolgen seiner Amtszeit zählen die Erstellung und kontinuierliche Weiterentwicklung eines Stadtplans für Menschen mit Behinderung, die fachliche Begleitung zahlreicher Bauprojekte im öffentlichen Raum sowie eine nachhaltige Sensibilisierung für die Belange von Menschen mit Behinderung in Verwaltung und Stadtgesellschaft. Seine persönliche Erfahrung als Mensch mit Sehbehinderung sei dabei stets konstruktiv eingeflossen, ohne je im Vordergrund zu stehen. Mit der bewussten Entscheidung, 2022 nicht erneut für den Vorsitz zu kandidieren, schuf er Raum für neue Impulse, blieb dem Behindertenbeirat jedoch als zweiter Vorsitzender erhalten und sichert seither Kontinuität. Darüber hinaus engagiert er sich seit 2024 auch als Bezirksgruppenleiter beim Blinden- und Sehbehindertenverein Südbaden.

Ein Leben für Gemeinschaft und Zusammenhalt

Jörg Lievert steht beispielhaft für ein Engagement, das nicht laut auftritt, sondern über Jahrzehnte hinweg trägt. Geboren 1944, kam er bereits als Kind nach Lörrach und fand hier seine Heimat. Beruflich war er Maurer aus Überzeugung und führte mehr als 33 Jahre ein eigenes Handwerksunternehmen – ein Beruf und ein Lebensweg, geprägt von Verantwortung, Verlässlichkeit und dem Willen, aufzubauen. Diese Haltung spiegelt sich auch in seinem ehrenamtlichen Wirken wider.

Besonders prägend ist sein jahrzehntelanges Engagement im Verband Wohneigentum, dem er insgesamt 45 Jahre als erster Vorsitzender vorstand. Für ihn ging es dabei nie um Formalien, sondern um Menschen: um Beratung, Sicherheit und ein gutes Miteinander. Ebenso intensiv habe er sich in der Siedlergemeinschaft engagiert, wo er Räume für Begegnung schuf und mit Festen, Ausflügen und offenen Angeboten Gemeinschaft lebendig machte – stets mittendrin, stets anpackend, heißt es.

Auch im Sport zeigte sich seine Haltung: Als Trainer beim FV Lörrach sprang er ein, weil er gebraucht wurde, und vermittelte jungen Menschen Werte wie Teamgeist, Fairness und Durchhaltevermögen.

Besonders eindrucksvoll ist sein persönliches Engagement innerhalb der Familie. Nach der schweren Erkrankung seines Sohnes Markus fand er gemeinsam mit ihm neue Wege, begleitete ihn als Trainer im Sportschießen und ermöglichte außergewöhnliche sportliche Erfolge – getragen von Mut und Ausdauer.

Gelebte Menschlichkeit und Fürsorge

Der Förderverein Seniorenzentrum St. Fridolin Lörrach-Stetten steht beispielhaft für ein Engagement, das dort ansetzt, wo Technik und Konzepte an ihre Grenzen stoßen: bei echter Nähe, persönlicher Zuwendung und gelebter Gemeinschaft. Seit seiner Gründung im Jahr 2014 ist der Verein zu einer festen Institution im Stadtteil geworden. Getragen von engagierten Bürgern verfolgt er das Ziel, ältere Menschen vor Vereinsamung zu schützen und ihnen zusätzliche soziale, pflegerische und kulturelle Angebote zu ermöglichen.

Aus einer Idee, angestoßen durch den damaligen Heimleiter des Seniorenzentrums und die spätere städtische Seniorenbeauftragte, entwickelte sich unter dem Vorsitz engagierter Ehrenamtlicher ein lebendiges Netzwerk. Herzstück ist das Quartierscafé, das seit nunmehr zehn Jahren immer mittwochs am Markttag stattfindet und weit mehr als ein Café ist: ein offener, generationsübergreifender Mittagstisch, Treffpunkt für alte Freunde und Ort des Austauschs. Begleitetes Einkaufen, Gymnastikangebote und enge Kooperationen mit Akteuren im Stadtteil stärken die Teilhabe älterer Menschen am gesellschaftlichen Leben.

Mit großem Einsatz – vom ehrenamtlichen Küchenteam bis zu den Fahrern des barrierefreien Busses – hat der Förderverein seine Angebote stetig ausgebaut. Heute zählen mehr als 300 Mitglieder dazu, deren Beiträge und Engagement Investitionen und eine Vielzahl weiterer Aktivitäten ermöglichen: Tanzcafés, Vorträge, Lesungen, Ausstellungen, Fahrdienste, ein eigener Adventsmarkt und vieles mehr. Dabei steht stets der Mensch im Mittelpunkt – mit all seinen Eigenheiten, Bedürfnissen und Stärken.

Hintergrund zur Lisa-Rees-Medaille

Die Lisa Rees-Medaille wird von der Stadt Lörrach für herausragendes ehrenamtliches Engagement oder vorbildliche Projekte von Bürgern verliehen, die in Lörrach wohnen und wirken, sowie an Organisationen und Initiativen, die sich für die Stadtgesellschaft einsetzen. Gewürdigt wird langjähriges oder besonderes Engagement in den Bereichen Kultur, Soziales, Sport, Jugend, Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft. Über die Vergabe entscheidet eine zehnköpfige Jury auf Grundlage von Vorschlägen aus der Bürgerschaft.

Namensgeberin der Auszeichnung ist Elisabetha Beate Rees, geborene Stier, eine Vorkämpferin der Frauenemanzipation, die während und nach dem Ersten Weltkrieg große soziale Verantwortung übernahm.