Weniger Gewerbesteuer, mehr Personalkosten: Die Rottenburger Stadtkämmerei muss voraussichtlich mehr Kredite aufnehmen als geplant. Die Mai-Steuerschätzung verschärft die Lage weiter.
Die städtische Kassenlage verschlechtert sich weiter. Das zeigt der Quartalsbericht (Januar bis März 2026), den Stadtkämmerer Berthold Meßmer vor kurzem dem Rottenburger Gemeinderat vorlegte. Im Vergleich zum (sowieso schon pessimistischen) Haushaltsplan für 2026 wächst das Defizit noch mal um 1,5 Millionen Euro (von minus 2,9 auf 4,4 Millionen Euro).
Die Stadt muss dafür im Laufe des Jahres voraussichtlich noch mehr Kredite aufnehmen als geplant. „Das muss dann mein Nachfolger machen“, sagte Meßmer, der demnächst in Ruhestand geht.
Vom Bund ist wenig Hilfe zu erwarten. Im Gegenteil: Denn im Quartalsbericht ist die bundesweite Mai-Steuerschätzung noch gar nicht enthalten. Auch sie fiel schlechter aus als noch vor einem halben Jahr erwartet. Daher werden die Zuweisungen von Bund und Land an die Kommunen eher noch sinken. Das könnte das Rottenburger Defizit weiter erhöhen.
Steuereinnahmen werden sinken
Im bundesweiten Trend liegt Rottenburg bei den Gewerbesteuereinnahmen. Auf der Grundlage der ersten drei Monate schätzt Meßmer, dass sie um 1,6 Millionen Euro sinken werden. Im vergangenen Dezember hatte er für 2026 noch 20 Millionen Euro veranschlagt, nun rechnet er noch mit 18,4 Millionen Euro. Die Gewerbesteuer wird auf die Gewinne der örtlichen Unternehmen erhoben, meist etwa zwei Jahre später. Das heißt: Die aktuelle Wirtschaftskrise schlägt da noch gar nicht durch.
Gleichzeitig steigen die Personalausgaben. Der Haushaltsplan 2026 hält dafür 34,5 Millionen Euro bereit, tatsächlich benötigt wird wohl eine Million mehr. Der Quartalsbericht listet auf: höhere Pensionszahlungen und zusätzliche Einstellungen wegen Langzeit-Erkrankungen, Mutterschutz oder Elternzeit. Warum diese nach den ersten drei Monaten unerwartet hoch ausfallen, wird nicht erwähnt.
Keine neue „Haushaltsoffensive“ im Jahr 2026
Vor einem Jahr hatte Oberbürgermeister Stephan Neher eine „Haushaltsoffensive 2025“ angeordnet, mit einer großen Gemeinderatsklausur im Mai und mit Sparvorgaben quer über alle Ämter und Abteilungen hinweg. Damit gelang es tatsächlich, mehrere Millionen Euro aus den Budgets „herauszuschwitzen“. Manche Projekte wurden auch einfach in die Folgejahre verschoben.
Trotz der schlechteren Haushaltslage sei in diesem Jahr keine weitere „Offensive“ geplant, teilte die städtische Pressestelle auf Anfrage mit. Viele Sparvorschläge aus dem vergangenen Jahr ließen sich damals auch nicht sofort umsetzen, sondern werden erst im Laufe der Zeit wirksam. Im kommenden Herbst werde „sich der Gemeinderat im Rahmen einer halbtägigen Klausur erneut intensiv mit Sparmaßnahmen beschäftigen“, rechtzeitig vor den Haushaltsberatungen für 2027.