Die Parkplätze dort werden rege genutzt, doch die Verwaltung sieht in ihnen keine Dauerlösung. Ideen wie der Kulturwaggon haben sich nicht bewährt.
So mancher ältere Lahrer, der den Rathausplatz jetzt betrachtet, wird sich in die Vergangenheit versetzt fühlen – denn bis vor 24 Jahren war es ganz normal, dass dort Autos abgestellt wurden. 2002 wurde er dann umgebaut, die Parkplätze kamen weg, dafür sollte eigentlich ein Solitärgebäude errichtet werden. Darüber gab es damals eine Riesendebatte in der Stadt samt Bürgerentscheid (siehe Infokasten).
Ironisch könnte man anmerken, dass die Stadt bei der Gestaltung des Rathausplatzes mittlerweile da angekommen ist, wo sie schon mal war – da dort nun wieder Autos parken dürfen. Das ist aber bekanntlich nur eine Übergangslösung, die mit dem Ausbau des Fernwärmenetzes zu tun hat: Weil wegen der Bauarbeiten Straßen gesperrt sind und so Parkplätze wegfallen, zum Beispiel in der Bismarckstraße, stellt die Stadt den Rathausplatz wieder den Autofahrern zur Verfügung.
Fahrzeuge dürfen für eine Stunde dort kostenlos abgestellt werden. Die Parkscheibenpflicht gilt montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr sowie samstags von 8 bis 12 Uhr. Dabei sind nur die Ecken der insgesamt 25 Stellplätze markiert worden – so soll der Belag des Platzes geschützt werden.
Autofahrer erzählt, dass er Tiefgaragen meidet
Das Angebot wird rege angenommen. Als unsere Redaktion dort am Montag der Vorwoche das Gespräch mit Autofahrern suchte, waren fast alle Stellplätze besetzt. Die Mitarbeiterin eines Pflegedienstes sagte, dass sie von da aus kurze Wege zu ihren Patienten in der Innenstadt habe. Ein Rentner meinte, dass er Tiefgaragen meide, außerdem sei das Parken auf dem Rathausplatz ja umsonst. Ein Mann von mittleren Jahren schimpfte erst mal über die Baustellen in der Nähe, gab dann aber ein differenziertes Statement ab: Parkplätze auf dem Rathausplatz seien gut für Autofahrer, aber schlecht für das Stadtbild.
Genau dieser Gedanke war einst der Ausgangspunkt aller verwaltungsinternen Überlegungen zu dem Platz. Der harrt nun aber auch nach Jahrzehnten immer noch einer endgültigen Lösung. Anders als etwa der nahe Schlossplatz, der vor 25 Jahren von einem Parkplatz in eine autofreie Fußgängerzone samt Wasserlauf umgewandelt wurde und heute ein Herzstück der Innenstadt ist.
Die Stadt hat immer wieder neue Anläufe unternommen, den Rathausplatz mit Leben zu füllen, sei es mit dem Kulturwaggon, mobilem Grün, Skulpturen oder einem kleinen Stausee. Auf Nachfrage zieht die Verwaltung heute eine gemischte Bilanz dieser Nutzungen: Der Waggon (der mittlerweile im Hof der Maria-Furtwängler-Schule steht), sei „bedauerlicherweise nicht angenommen“ worden. Dagegen habe sich das mobile Grün voll bewährt, „da es zur Kühlung und Beschattung beiträgt“, darüber hinaus auch Sitzgelegenheiten biete. Doch der Raum für das mobile Grün sei begrenzt, da der größte Teil des Rathausplatzes für Veranstaltungen frei bleiben müsse. Die Skulpturen dort seien ebenfalls kein Fehler gewesen, so die Stadt.
Der Stausee war wohl die originellste Nutzungsidee
Die originellste Idee, die für den Rathausplatz ausgetüftelt wurde, war wohl der Stausee. Zur Erinnerung: Im Sommer 2022 startete die Stadt ein Experiment und installierte auf dem Rathausplatz eine Einrichtung, die nach Regen eine kleine Wasserfläche entstehen ließ. Durch Verdunstung und Versickerung sollte sie das Mikroklima verbessern und den natürlichen Wasserkreislauf fördern – so der Plan. Heute bewertet die Stadt den Stausee als „von der Idee her sehr gut“. Doch das Zusammenspiel von Starkregen und heißen Sommertagen sei „ein nicht kalkulierbarer Zufall“.
Bleibt die Frage, wie es mit dem Rathausplatz langfristig weitergehen wird. Denn die Parkplätze werden dort nicht bleiben, bestätigt die Verwaltung. Sie seien Bestandteil des Verkehrskonzepts, das für den Fernwärmeausbau entwickelt worden ist, und somit „befristet bis zum Ende der Baumaßnahme“. Voraussichtlich bis kurz vor dem Start der Chrysanthema werden Autofahrer ihre Pkws dort abstellen können, danach nicht mehr.
Von unserer Redaktion nach den späteren Plänen für den Rathausplatz gefragt, teilt die Stadt mit, dass das mobile Grün dort wieder zurückkehren wird – aber so, dass auch der eigentliche Platz für Veranstaltungen genutzt werden könne. Vor allem aber verweist die Verwaltung auf das Sanierungsgebiet Innenstadt-Marktstraße. Das zielt darauf ab, den Stadtkern durch die Modernisierung der Bausubstanz aufzuwerten. In diesem Rahmen wolle man auch für den Rathausplatz, ebenso wie für den Marktplatz, „eine klimaangepasste Neugestaltung und verbesserte Aufenthaltsqualität“ erreichen, heißt es aus dem Rathaus. Voraussetzung ist freilich, dass das Land das Ganze fördert.
„Nachdem bislang bewusst die privaten Erneuerungsmaßnahmen im Vordergrund stehen, wird die Verwaltung 2026 erste Empfehlungen zu den öffentlichen Räumen im Sanierungsgebiet in die Diskussion und in die Gremien bringen“, äußert sich die Verwaltung. Zu der Frage, was auf dem Rathausplatz konkret geplant ist, hält die Stadt sich bedeckt.
Der Zwist um das Solitärgebäude
In früheren Jahrzehnten als Parkplatz genutzt, wurde der Rathausplatz 2002 umgebaut und sollte eigentlich um ein Solitärgebäude ergänzt werden. Wegen des Gebäudes, in dem ein Café und ein Badenova-Infocenter untergebracht werden sollten, entbrannte damals ein heftiger Streit: Die Befürworter hoben die städtebauliche Notwendigkeit des Gebäudes hervor, die Gegner plädierten für einen geräumigen Platz, der für Veranstaltungen zur Verfügung steht. Wegen dieser Frage gab es im Juli 2004 sogar einen Bürgerentscheid. Den Gegnern fehlten zwar mehr als 2000 Stimmen, um das Projekt „Solitärgebäude auf dem Rathausplatz“ zu Fall zu bringen, dennoch wurde es nicht verwirklicht: Der Investor, die Baufirma Eichner, zog sich wegen der Querelen zurück.