Trotz Kritik aus dem Umland: In Lahr führt kein Weg an einer Geschwindigkeitsreduzierung auf der B 415 vorbei.
„Moser sorgt sich vor Tempo 30 auf B 415“, lautete die Überschrift des Artikels in der Samstagsausgabe der LZ. Per Pressemitteilung hatte der Bundestagsabgeordnete Johannes Fechner (SPD) über seinen Antrittsbesuch im Seelbacher Rathaus informiert. Dabei übte Bürgermeister Michael Moser deutliche Kritik an der Temporeduzierung von 40 auf 30 Stundenkilometer zwischen Friedrich-Ebert-Platz in der Kernstadt und den Lahrer Ortsteilen Kuhbach und Reichenbach, „welche sich nach neuesten Informationen andeutet“ (wir berichteten).
Mit Tempo 30, echauffierte sich Moser, würde sich für viele Seelbacher, die auswärts arbeiteten, die Fahrt zum Job weiter in die Länge ziehen, gleiches gelte für jene, die Tag für Tag in den Ort einpendelten. „Wir haben ohnehin schon einen Standortnachteil im Schuttertal“, erklärte Moser, der durch den Tritt auf die Bremse zudem Ausweichverkehre fürchtet.
Guido Schöneboom kontert Michael Moser
Worte, die in Lahr gar nicht gut ankommen, wie der zuständige Bürgermeister Guido Schöneboom Moser am Wochenende wissen ließ. In einer E-Mail, bei der auch die LZ im Verteiler war, kontert der Erste Beigeordnete harsch die Seelbacher Äußerungen. „Nachher werden viele Leser sehr wohlfeil von Ihrer Haltung lesen, dass Sie sich sorgen und bei Ihnen eine avisierte Geschwindigkeitsreduzierung auf der B 415 auf Lahrer Gemarkung nicht gut ankommt. ,Prima gebrüllt, Löwe!’ Und, wie weiter?“, fragt Schöneboom süffisant, um Moser sogleich auf einen aus seiner Sicht entscheidenden Mangel bei dessen Kritik hinzuweisen: Sie lasse den Grund für das Handeln der Stadt Lahr außer Acht.
Bürgermeister: Lahr will niemanden ärgern
Dieser liege nicht etwa darin, „die Menschen im Schuttertal zu erzürnen“, so Schöneboom. Vielmehr sei man „angesichts vorliegender Gutachten gehalten, dem Gesundheitsschutz – im Übrigen ein Grundrecht – Vorrang einzuräumen“. Was der Bürgermeister meint: Werden die Anwohner einer Straße über einen gesetzlich festgelegten Grenzwert beschallt, ist die verantwortliche Behörde verpflichtet, Lärmschutzmaßnahmen zu ergreifen. Dazu zählen auch und vor allem Geschwindigkeitsreduzierungen. So schreibt Schöneboom denn auch: „Die Verwaltung hat kein Ermessen (mehr)“.
Mit seiner Replik an Moser bestätigt der Erste Lahrer Beigeordnete also, was viele bereits vermutet hatten, offiziell aber erst bei einer Bürgerinfo Anfang Juli (siehe Info) offiziell werden sollte: Tempo 30 auf der B 415 kommt.
Andere Gemeinden haben längst Tempo 30
Schöneboom betont in seiner Mail, dass Lahr damit alles andere als alleine ist. In umliegenden Gemeinden wie Friesenheim, Kippenheim, Kappel-Grafenhausen und im Ried gelte schon länger Tempo 30 aus Lärmschutzgründen. Und, so der Lahrer Bürgermeister, auch Seelbach habe mit Verweis auf seinen Status als Kurzone bereits 2009 in der Ortsmitte 30 Stundenkilometer als Höchstgeschwindigkeit eingeführt. „Sind die Lahrerinnen/Lahrer in der Kernstadt, die Kuhbacher und Reichenbacher an der B 415 weniger empfindlich gegen Lärm als die Bürgerinnen/Bürger in den vorgenannten Kommunen?“, so Schönebooms rhetorische Frage.
Infoveranstaltung am 3. Juli
Die Lahrer Stadtverwaltung will am Mittwoch, 3. Juli, bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung „die Ergebnisse umfassender Untersuchungen zum Thema Geschwindigkeitsregelung aus Lärmschutzgründen entlang der Ortsdurchfahrten der Bundesstraße 415 in der Kernstadt sowie in den Ortsteilen Kuhbach und Reichenbach“ präsentieren. Dabei sollen neben einem Verkehrsgutachten auch die Expertise eines Verwaltungsrechtlers vorgestellt werden. Im Anschluss könnten Bürger sowohl an die Fachleute als auch an die Rathausspitze Fragen stellen. Die Veranstaltung im Max-Planck-Gymnasium beginnt um 18 Uhr.