Wer sind eigentlich die größten Energiefresser in Nagold? Das Ergebnis der neuesten Energie- und CO2-Bilanz überrascht.
Die Zahlen, die Jörg Scholtes von der Netze BW GmbH den Nagolder Gemeinderäten präsentierte, sind zwar zum Teil nicht ganz aktuell. Aber es sind jeweils die aktuellsten verfügbaren Daten.
So präsentierte Scholtes den Räten eine ernüchternde Energie-Bilanz – großteils mit den Werten aus dem Jahr 2022.
Demnach ist der Endenergieverbrauch in Nagold von 476 860 MWh im Jahr 2013 auf 487 123 MWh im Jahr 2022 gestiegen. Im selben Zeitraum ging allerdings auch die Einwohnerzahl um gut 1700 nach oben, also lohnt ein Blick auf den Verbrauch pro Person. Der ist von 22 450 kWh im Jahr 2013 auf 21 193 KWh 2022 zurückgegangen. Im Jahr 2019 lag er noch bei 21 806 kWh.
Keine signifikanten Veränderungen Auch die Treibhausemissionen sind gesunken - von 175 057 Tonnen auf 163 909 Tonnen und damit um rund 11 000 Tonnen oder 6,4 Prozent. Für die Emissionen je Einwohner entspricht dies einem Rückgang von 8,2 auf 7,1 Tonnen (13,4 Prozent).
Der Wermutstropfen: Drei Jahre zuvor – im Jahr 2019 – betrugen die Emissionen ebenfalls 7,1 Tonnen je Einwohner. Die Treibhausgasemissionen waren 2019 insgesamt mit 160 843 Tonnen sogar schon etwas niedriger. „Damit gibt es in den letzten drei Jahren keine signifikanten Veränderungen“, machte Jörg Scholtes deutlich.
So verteilt sich der Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen Der Energieverbrauch 2022 teilte sich wie folgt auf: 36 Prozent fallen in privaten Haushalten an, 20 Prozent sind es bei Gewerbe und Sonstiges, ebenfalls 20 Prozent der Energie benötigt in Nagold das verarbeitende Gewerbe. Und der Verkehr wird mit 22 Prozent berechnet. Die Stadt selbst mit ihren kommunalen Liegenschaften verbraucht nur zwei Prozent der Nagolder Energie.
Kommen wir zu den Treibhausgasemissionen. Auch hier liegen die privaten Haushalte mit 32 Prozent vorne, gefolgt von Gewerbe und Sonstiges, dem verarbeitenden Gewerbe sowie dem Verkehr mit jeweils 22 Prozent. Die kommunalen Liegenschaften bleiben bei zwei Prozent.
Der Anteil der regenerativen Energien 2024 hatte die lokale regenerative Energie-Erzeugung in Nagold einen Anteil von 11,4 Prozent am Stromverbrauch. Das entspricht ungefähr dem Wert von 2022. Scholtes schreibt dazu in seinem Bericht: „Es steht zu erwarten, dass der Strombedarf in den nächsten Jahren durch den Einsatz von Wärmepumpen und durch die elektrischen Antriebe im Verkehrsbereich erheblich steigen wird.“
Nach Studien werde der Bedarf bei einem elektrisch zentrierten Versorgungssystem auf etwa das Dreifache des derzeitigen Wertes steigen. Für Scholtes ist damit klar: „Um diesen Bedarf lokal decken zu können, wäre eine umfangreiche Erschließung der lokalen Potenziale erforderlich.“
Die Erneuerbaren im Vergleich Wie steht Nagold bei den erneuerbaren Energiequellen im Vergleich da? Der Anteil am Endenergieverbrauch lag in Nagold 2013 bei 10,2 Prozent, 2022 sind es 10,9 Prozent. Damit liegt Nagold deutlich unter dem Landesschnitt von 27,3 Prozent. Ähnlich sieht es beim Anteil der Erneuerbaren am Bruttostromverbrauch aus: 9,6 Prozent beträgt der Wert in Nagold im Jahr 2022, im Land sind es 27,3 Prozent.
Und dann lohnt noch eine Betrachtung des Anteils am Wärmeverbrauch: Nagold kommt auf 11,5 Prozent, im gesamten Land ist der Anteil der Erneuerbaren hier bei 25,5 Prozent.
So steht’s um Photovoltaikanlangen Bis Ende 2024 waren in Nagold 1464 Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 22 693 kWp gemeldet. Im Wesentlichen geht es um Dachanlagen. Bis Juli dieses Jahres stiegen die Zahlen auf 1597 und 23 782 kWp. Auch in diesem Bereich liegt Nagold unter dem Landes- und dem Bundesdurchschnitt.
Der Blick auf die Verwaltung Nur zwei Prozent des Nagolder Energieverbrauchs fällt auf die Verwaltung und zum Beispiel alle städtischen Gebäude zurück. Doch auch die Stadt tut sich schwer damit, das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen. 2024 lag der berechnete Wert der Treibhausemissionen der Stadtverwaltung bei 3157 Tonnen. Dieser Wert veränderte sich kaum in den vergangenen vier Jahren, ging zum Teil sogar nach oben. Für die Klimaneutraliät müsste er sich laut Berechnung der Fachleute aber jährlich um 9,8 Prozent verringern.
Die Einschätzung von Jörg Scholtes war deutlich: „Um das Ziel der Klimaneutralität 2040 zu erreichen, müsste das mit ganz verschärften Maßnahmen einhergehen.“
Die Debatte im Gemeinderat „Sie sind da in Nagold nicht alleine“, sagte Jörg Scholtes. Für manche aber war das nur ein schwacher Trost. Martin Stottele (Grüne/FDP) jedenfalls zeigte sich enttäuscht. „Das ist ganz schön ernüchternd.“ Dass Nagold hinter dem Landesschnitt liege, sei wirklich nur erschreckend.
Carl Christian Hirsch (CDU) verwies darauf, dass in Nagold als Mittelzentrum auch Aufgaben für andere Kommunen mit übernommen werden. Als Beispiel nannte er den Schwimmbadbetrieb. „Wir müssen das relativ betrachten. Da ist das Bild dann nicht ganz so düster.“
Nagolds OB sprach von einer „gesamtgesellschaftlichen Aufgabe“. Alle Akteure in der Stadt müssten dazu beitragen. Denn: „Wir als Stadt werden das mit unseren zwei Prozent nicht signifikant ändern können.“ Zudem verwies er auf Projekte, die angelaufen seien. „Wir verbauen bei den Stadtwerken gerade Millionen.“