Als „halbherzigen Umgang mit dem Verkehrsproblem“ hat Friedrich Rau im Gemeinderat die „Oberflächenneugestaltung – barrierefreier Ausbau Landgraben/Verkehrsführung Hufeisen“ bezeichnet und dennoch zugestimmt: Es sei besser als nichts.
Die 533 060 Euro an Kosten sind im Haushalt nicht eingeplant. Dennoch haben alle Gemeinderäte in der jüngsten Sitzung zugestimmt, den Weg vom Parkplatz Langwatte ins Hufeisen-Viertel und weiter in die Marktstraße barrierefrei zu gestalten und im westlichen Hufeisen einen Ringverkehr einzurichten.
Der Status quo: Fußgänger vom Parkplatz Langwatte gehen meist via Landgraben zur Marktstraße. Der „Hof“ mit seinem gastronomischen Angebot bleibt links liegen. Auswärtige entdecken ihn nicht – so sei es auch Citymanager Ulrich Daum kurz nach seinem Zuzug nach Albstadt ergangen, war zu hören.
Gefährlich und nicht barrierefrei ist der Landgraben wegen des vielen Begegnungsverkehrs, der unterschiedlichen und kaputten Beläge, der schmalen Gehwege und der beidseitigen Parkflächen zwischen dem Gerberplatz am südlichen Eingang zum Hof und der Kapellstraße. Zudem ist die Kreuzung Grüngrabenstraße-Landgraben-Schütte unübersichtlich und vielbefahren.
Der künftige Fußweg vom Parkplatz Langwatte soll – auf diesem farbig markiert – östlich des Hauses Grüngrabenstraße 64, genannt „Schlössle“, über den Hof und den Gerberplatz führen und dort in den Landgraben einschleifen. Die Grüngrabenstraße wird durch einen Baum auf der Südseite beim Fußgängerüberweg verengt, der Bordstein zum Weg in den Hof abgesenkt und das Kopfsteinpflaster flach gefräst. LED-Leuchten sollen den Weg beleuchten und das Sicherheitsgefühl der Nutzer verbessern. Die Mastleuchten im westlichen Hof, die oft von Anlieferungsfahrzeugen beschädigt werden, werden in die dortigen Pflanzflächen versetzt. Am Gerberplatz sind Bäume und Sitzgelegenheiten vorgesehen, und der frühere Mühlbach soll an dieser Stelle durch blaues Pflaster „zitiert“ werden, wie Axel Mayer, Leiter des Stadtplanungsamtes, erklärte.
Im Landgraben wird die Fahrbahn auf 3,50 Meter reduziert. Die Parkplätze auf der Ostseite fallen weg, der Gehweg wird auf 2,80 Meter verbreitert. Zwischen Fahrbahn und östlichem Gehweg ist eine 1,80 Meter breite Zone mit drei Bäumen und Sitzgelegenheiten geplant, wo Fahrräder oder E-Scooter und Ähnliches abgestellt werden können. Auch für die Gastronomie soll die Zone nutzbar sein.
Für den Ringverkehr stellte Axel Mayer zwei Varianten vor: durch den Landgraben, die westliche Kapellstraße hinauf und über den Spitalhof zurück zum Landgraben – oder über den Spitalhof hinauf bis zur Kapellstraße und zurück in den Landgraben; die Stadträte, die sich zu den Varianten äußerten, befürworteten Letztere. Die Wendemanöver vor den Pollern zur Fußgängerzone Marktstraße entfielen somit.
Wegfallenden Parkplätze im Landgraben sollen durch fünf weitere in der westlichen Kapellstraße, einen weiteren vor der Alten Kanzlei und sechs neue im Spitalhof ersetzt werden.
Einen Pferdefuß identifizierte Martin Frohme (SPD) in der Tatsache, dass „Fußgänger normalerweise den kürzesten Weg nehmen“, womit er jenen von der Langwatte über den Landgraben meinte. Besser sei es, den „Fußweg im Landgraben durchgehend zu verbreitern und den motorisierten Verkehr etwas auszubremsen“ – Axel Mayer hingegen ist sicher, dass die Fußgänger sich schnell umstellen werden.
Die Einbindung der Bewohner des Hufeisens forderte Friedrich Rau (Bündnis ’90/Die Grünen), zumal die Gesamtmaßnahme auch dem Klimaschutz dienen solle. Die Fußwegführung sei eine Bereicherung, das Gesamtkonzept aber ein „halbherziger Umgang mit der Verkehrsbelastung“.
Eine „Lawine“ ins Rollen zu bringen erhofft sich Oberbürgermeister Roland Tralmer durch die Neugestaltung und Aufwertung im Hinblick auf private Investitionen ins Hufeisen. Er räumte ein, dass die Planung nicht die große Lösung sei, aber eine Alternative, für die es Fördergeld aus dem Investitionsprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ gebe.
Den Fußweg vom Spitalhof zum Hof sehen Evi Conzelmann (WSA) und Peter Landenberger (Freie Wähler) als Problem: Er sei nicht barrierefrei, und die roten Pflastersteine seien im Winter und bei Regen sehr glatt – Axel Mayer nahm das als Auftrag mit, die abschüssige Fläche rutschfest zu gestalten.
Mehr Grün im Spitalhof hatte sich Martin Braun, Fraktionschef der WSA, erhofft, wie er sagte. Wie Evi Conzelmann, die im Hof ein Lokal betreibt und oft beobachtet, wie Fahrzeuge die Lampenmasten anfahren, begrüßte er deren Versetzung weiter zur Hof-Mitte.