Auf dem Tribünendach will der SC Lahr eine Photovoltaikanlage installieren. Bis zur Umsetzung wird es wohl noch etwas dauern. Foto: Schabel

Der SC Lahr übt sich in Geduld: Im Rahmen der Solarinitiative der Volksbank wollte der Verein Module auf dem Stadiondach installieren lassen. Doch die Stadt blockiert diesen Weg.

Eine Luftaufnahme zeigt das Stadion an der Dammenmühle, dann Schnitt zur Tribüne und dem Schriftzug „Volksbank Lahr Stadion“, wieder Schnitt zum Dach aus der Vogelperspektive: In einem Werbevideo aus dem vergangenen Jahr der Volksbank Lahr für die Solarinitiative (siehe Info) spielt das Gelände des SC Lahr eine zentrale Rolle.

 

Warum, wird schnell klar: „Auf den leerstehenden Dächern unserer Vereine bauen wir eine Photovoltaikanlage auf“, erläutert Vorstandsvorsitzender Peter Rottenecker das Konzept. Auf einigen Dächern in der Region hat das schon geklappt. Doch ausgerechnet an der Dammenmühle ist noch nichts passiert. Warum?

Aufschlüsse gibt eine Vorlage für die Sitzung des Haupt- und Personalausschusses am Montag. Dort informiert die Verwaltung über das Verfahren für den Aufbau von Photovoltaik-Anlagen auf städtischen Gebäuden.

Konkret geht aus der Vorlage hervor, dass Vereine diese Anlagen nicht eigenständig installieren dürfen, wenn die Gebäude, wie im Fall des SC Lahr, der Stadt gehören. „Vereine nutzen die Gebäude, tragen aber keine umfassende Verantwortung für Bauunterhalt, Sicherheit und Haftung“, lautet die Begründung. Eine Installation berge demnach Risiken, ohne dass die Stadt von der Stromerzeugung profitiere.

Flutlichtanlage ist ein Stromfresser

Das Aus für die Photovoltaik-Anlage? Nein, beruhigt Frank Müller, Vorsitzender des SC Lahr. „Die Anlage wird kommen, es dauert aber noch.“ Müller erklärt, dass der SC nun eben die Stadt Lahr mit ins Boot geholt hat, um die Anlage doch noch zu verwirklichen. Bislang sei man allerdings vertröstet worden. Der Vorsitzende hegt keinen Groll gegen die Stadt, betont aber ausdrücklich die Bedeutung einer eigenen PV-Anlage für den Verein: „Mit dem warmen Wasser für die Duschen gibt es immer wieder Probleme und wir haben eine teure Flutlichtanlage“. Den auf dem Tribünendach erzeugten Strom würde der SC Lahr entsprechend gerne für sich selbst nutzen.

Die Volksbank unterstützt den SC Lahr seit seiner Gründung im Jahr 2015 als Hauptsponsor – und warb auch schon auf den Trikots des Vorgängervereins Lahrer FV. Entsprechend „schade“ findet es Vorstandsvorsitzender Peter Rottenecker, dass es mit der PV-Anlage an der Dammenmühle nicht klappt. „Das Konzept ist sehr gut und kommt sehr gut an. Außer eben bei Immobilien der Stadt Lahr“, kommentiert er im Gespräch mit der LZ. Auch wenn mit dem SCL ein wichtiger Partner der Volksbank gezwungenermaßen aus dem Projekt aussteigen musste, sei dies kein Beinbruch für die Solarinitiative. „Wir kriegen unsere Tranche auch ohne den SC Lahr hin“, so Rottenecker. Er betont allerdings, dass einige Vereine, die noch auf der Warteliste stehen, früher zum Zug gekommen wären, hätte die Volksbank gewusst, dass sich die Stadt bei ihren Gebäuden querstellt und die Anlagen dadurch nicht realisierbar sind.

Prioritätenliste muss noch erstellt werden

In der Sitzungsvorlage beschreibt die Stadtverwaltung einen alternativen Weg, den sie in solchen Fällen gehen möchte: „PV-Anlagen auf stadteigenen Gebäuden werden ausschließlich durch die Stadt beziehungsweise die EWWG installiert und betrieben.“ Die EWWG ist die Energie- und Wärmewendegesellschaft von Stadt, E-Werk und Badenova. Das Problem: Sie ist noch gar nicht gegründet. Im August 2024 wurde die Absicht öffentlich, damals war von einer Gründung bis Ende 2024 die Rede. Woran hakt’s? „Die Partner loten aktuell das beste Geschäftsmodell aus“, heißt es dazu auf Anfrage unserer Redaktion aus dem Rathaus. Jede mögliche Gesellschaftsform müsse gewissenhaft abgewogen werden, das benötige Zeit. Zudem brauche es dann noch die Zustimmung des Gemeinderats und der Aufsichtsräte beider Energiedienstleister.

Einen Zeitplan, wann die EWWG gegründet wird und vor allem wann der SC Lahr eine PV-Anlage bekommt, nennt die Stadt nicht. Nur so viel: „Das Stadiondach könnte grundsätzlich mit einer PV-Anlage bestückt werden.“ Mit der EWWG soll anhand einer vorliegenden Potenzialanalyse zunächst festgelegt werden, welche Dächer in welcher Reihenfolge bestückt werden. Erst dann sei eine konkrete Aussage möglich, wann das Stadiondach an der Reihe ist.

Info – Die Solarinitiative

Die Volksbank Lahr bietet Vereinen aus der Region die Möglichkeit, ihre Dachflächen kostenfrei mit einer PV-Anlage ausstatten zu lassen. Das E-Werk als Partner prüft die Installation und nimmt diese dann vor. Die Vereine erhalten eine Dachpacht, der Strom wird ins Netz gespeist oder selbst genutzt. Finanziert werden die Projekte durch Anleger über die „Blackvrst Capital Management GmbH“. Kunden können sich mit einem Betrag zwischen 500 und 5000 Euro beteiligen und erhalten, so die Volksbank, einen Zins über Marktniveau. Laut Homepage wurden bereits sechs Anlagen installiert, unter anderem beim TV Dinglingen und dem Reitverein Lahr. Rottenecker berichtet unserer Redaktion stolz, dass das Projekt bundesweit nachgeahmt wird. Zudem sei die Solarinitiative für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert.