Foto: Schwarzwälder Bote

An vielen Stellen im Stadtgebiet stimmt es nach Ansicht unseres Lesers Adrian Hermus nicht mehr.

Eine verlässliche Räumung oder Streuung findet weiterhin nicht statt. Dieses Schweigen steht sinnbildlich für ein größeres Problem, das sich derzeit an vielen Stellen im Stadtgebiet zeigt – insbesondere in der Innenstadt.

 

Dort bietet sich regelmäßig ein erschreckendes Bild: Öffentliche Mülleimer sind überfüllt, Müllsäcke stapeln sich teils mannshoch daneben, viele davon aufgerissen. In unmittelbarer Nähe befinden sich Rattenfallen – ein deutliches Zeichen dafür, dass die Situation bekannt ist, aber offenbar nicht nachhaltig gelöst wird. Die Müllentsorgung wirkt unkoordiniert, überfordert und dem Anspruch einer Kreisstadt nicht angemessen.

Ganze Straßenzüge verlieren an Attraktivität

Gleichzeitig verfallen alte Gebäude sichtbar, Fassaden sind verwahrlost, ganze Straßenzüge verlieren an Attraktivität. Immer mehr Geschäfte stehen leer. Wo früher Vielfalt und Leben herrschten, dominieren heute Leerstände und kurzfristige Nutzungen.

Unter Besuchern wird Rottweil zunehmend nicht mehr als historische Stadt mit Charakter wahrgenommen, sondern als monotone Ansammlung weniger immer gleicher Angebote.

Besonders kritisch wird von vielen die Situation nach Einbruch der Dunkelheit gesehen. Das subjektive Sicherheitsgefühl in der Innenstadt hat spürbar abgenommen. Vor allem Frauen berichten, dass sie sich abends nicht mehr wohl oder sicher fühlen, da es vermehrt zu Anpöbeleien, Bedrängungen oder aggressivem Auftreten kommt. Unabhängig von der Herkunft der Beteiligten ist klar: Wenn öffentliche Räume gemieden werden, ist dies ein ernstzunehmendes Alarmsignal.

Umso unverständlicher erscheint die Prioritätensetzung der Stadt. Während grundlegende Aufgaben offensichtlich nicht zuverlässig erfüllt werden, fließen erhebliche Mittel in Projekte wie eine Landesgartenschau oder ein innenstadtnahes Parkhaus, dessen Lage und Gestaltung vielfach kritisch gesehen werden. Es drängt sich die Frage auf, warum es offenbar möglich ist, Millionenbeträge für Prestigeprojekte bereitzustellen, während gleichzeitig das Stadtbild verkommt und Anliegen unbeantwortet bleiben.

Rottweil hat enormes Potenzial, doch dieses Potenzial wird derzeit nicht genutzt, sondern durch fehlende Kommunikation, mangelhafte Organisation und eine aus Sicht vieler Bürger falsche Schwerpunktsetzung verspielt. Was fehlt, ist keine weitere Vision auf dem Papier, sondern eine konsequente Rückbesinnung auf die Grundlagen: Sauberkeit, Sicherheit, Erreichbarkeit, Verlässlichkeit – und der respektvolle Dialog mit den Menschen, die hier leben.

Adrian Hermus, Rottweil

Schreiben Sie uns: leserbriefe@schwarzwaelder-bote.de. Mit der Übersendung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihr Leserbrief in der Printausgabe, im E-Paper sowie im Onlinedienst des Schwarzwälder Boten veröffentlicht wird. Wir behalten uns Kürzungen vor. Leserbriefe entsprechen nicht notwendig der Meinung der Redaktion.