Mehr Geld, neue Wege: Staatssekretär Patrick Rapp kann sich höhere Förderdeckel und eine abschnittsweise Finanzierung für den 60-Millionen-Neubau des Solemar vorstellen.
In der Kurstadt geben sich derzeit die Politiker die Klinke in die Hand. Und das hat gleich mehrere Gründe – es ist Wahlkampfzeit und in Bad Dürrheim steht ein Thema auf der Agenda, das über die Grenzen der Stadt hinaus strahlt: der gewünschte Neubau des Solemar.
Jetzt kam Patrick Rapp, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus des Landes Baden-Württemberg und damit jenes Ministeriums, in dem es maßgeblich um die erhofften Mittel für das 60-Millionen-Euro-Projekt gehen dürfte.
Die 2,5-Millionen-Euro-Grenze
Die Augen waren also besonders erwartungsvoll auf den 56-Jährigen gerichtet. Denn obwohl Bürgermeister Jonathan Berggötz lobend erwähnte, wie viele Millionen Euro schon in die Therme geflossen sind mit wohlwollender Unterstützung aus Stuttgart, verhehlte er nicht, dass sich hinsichtlich der neuesten Pläne noch einiges bewegen muss aus Bad Dürrheimer Sicht: „2,5 Millionen Euro sind zwar viel Geld“ – bei einem 60-Millionen-Euro-Projekt aber natürlich nicht ausreichend. Aktuell jedoch sind die in Frage kommenden Zuschüsse auf diese Summe gedeckelt, soll heißen: Es muss sich etwas verändern, damit Bad Dürrheim eine höhere Förderung einstreichen kann.
Dass das Projekt es wert ist, wurden Berggötz und Kur- und Bäder-Geschäftsführer Markus Spettel nicht müde zu betonen. Auch der CDU-Landtagskandidat Andreas Braun hatte sich das Thema auf die Fahnen geschrieben und war gekommen – und Königsfelds Bürgermeister Fritz Link wirbelt angesichts seines Postens als Präsident des Verbandes der Heilbäder und Kurorte Baden-Württembergs ohnehin schon kräftig fürs Solemar. Für ihn gilt Bad Dürrheim in der Szene geradezu als „Trendsetter“, habe man doch hier beispielsweise mit modernstem Biohacking die fünf Säulen der Kneippschen Gesundheitslehre neu interpretiert.
Landrat betont Stellenwert für Region
Andreas Braun outete sich nicht nur als „Fan“ der Einrichtung, sondern auch als aktiver Nutzer – so aktiv, dass der Unterkirnacher Bürgermeister das Solemar sogar als Fotokulisse für seinen Wahlkampf auserkoren hat. Vor Ort in Bad Dürrheim hegte er mit Blick auf das geplante Großprojekt sogar den Gedanken, man müsse überlegen, „ob der Landkreis sich einbringen kann“ – eine Idee, deren Realisierung Landrat Sven Hinterseh jedoch Minuten später nur wenige Chancen einräumte: „Das ist wahrscheinlich schwierig, da muss man sich ehrlich machen.“
An der großen Bedeutung des Solemars für die Region aber gibt es auch für den Landrat nichts zu rütteln: Trotz industrieller Power sei der Schwarzwald-Baar-Kreis auch sehr touristisch geprägt – und Bad Dürrheim sei gewissermaßen „die Herzkammer des Tourismus“ in der Region. Die Zahlen der Kur- und Bäder GmbH spiegelten das eindrucksvoll wider. „Natürlich haben wir ein vitales Interesse daran, dass Bad Dürrheim die Lokomotive im Tourismus bleibt“, sagte er mit Blick auf den geplanten Neubau.
Das könnte die Lösung sein
Und obgleich der Landrat kein Geld zu verteilen hatte: Bad Dürrheim darf sich offenbar trotzdem Hoffnung machen. Der Staatssekretär jedenfalls skizzierte mögliche Lösungswege: Man könnte die Vorhaben der Bäderwelt beispielsweise priorisieren und die Deckelung bei den Förderprogrammen erhöhen – aktuell liegt der Deckel bei 2,5 Millionen Euro, „möglicherweise“, so Rapp, könne man diese Summe verdoppeln – und abschnittsweise fördern. „Mit Anhebung des Deckels können wir enorm viel machen, da bin ich überzeugt“, glaubt Rapp. Und würden Kommunen dann auch abschnittsweise planen und die Maßnahmen zeitlich etwas „strecken“, sei das doch ein gangbarer Kompromiss.
Drum ist’s auch Standortpolitik
Sorgen, dass das Solemar trotz seiner weit überdurchschnittlichen 39 Betriebsjahre noch „zu gut“ in Schuss ist und deshalb bei der Fördermittelverteilung das Nachsehen gegenüber der Konkurrenz haben könnte, wischte Rapp übrigens beiseite. „In den letzten Jahren sind alle Förderanträge aus diesem Bereich zu hundert Prozent erfüllt worden“, betonte er. Vier bis fünf weitere Bäder im Land hätten aktuell Bedarf – der Bedarf von Bad Rappenau und Bad Krozingen hingegen sei zwischenzeitlich gestillt worden.
Und auch Baden-Württemberg profitiere schließlich nachhaltig von einem solchen Engagement: Tourismuspolitik sei immer auch Standortpolitik, denn längst habe sich beim Blick auf den aktuellen Fachkräftemangel gezeigt: Die attraktivsten Wohn- und Arbeitsorte auf dem Land seien jene, die auch Tourismusstandorte seien. Und: 20 bis 22 Prozent aller Übernachtungen im Land gingen auf Kur- und Heilbäder zurück.