Seit 69 Jahren steht der Turm der Hohenberggruppe auf der Hochfläche des Kleinen Heubergs beim Waldhof. Doch für Fallschirmübungsflüge wäre er ein gefährliches Hindernis.
70 Jahre alt ist der Zweckverband Wasserversorgung Hohenberggruppe. Diesem gehört der Wasserturm Häsenbühl, der bereits im Jahr nach der Verbandsgründung, 1955, gebaut worden ist. 20 Meter misst der schlanke Zylinder vom Boden bis zur Spitze direkt unter dem Wetterhahn.
Warum der Turm gebaut worden ist: „Wassertürme werden im Allgemeinen dort erstellt, wo die Höhenlage der zu versorgenden Siedlungen den Bau von Erdhochbehältern ausschließt, da der natürliche Falldruck in den Leitungen vom Reservoir zum Ort nicht hoch genug sein würde, um eine sichere Versorgung mit Trink- und Nutzwasser zu gewährleisten“, führt ein Bericht des Verbands aus dem Jahr 1963 aus. „Der Wasserspeicher Häsenbühl musste im Hinblick auf den geringen Höhenunterschied zwischen ihm und den Gruppenorten der Wasserversorgung Kleiner Heuberg also als Wasserturm ausgeführt werden.“
Welchen Nutzen der Turm hatte: Mehr als drei Jahrzehnte lang hat der Zweckverband Wasser bis auf 685 Meter Höhe über dem Meer gepumpt. So hoch lag der Wasserspiegel im Inneren des Turms. Gerade noch 60 Zentimeter Platz weist eine Konstruktionszeichnung zwischen dem Wasserspeicher und der darüberliegenden Decke aus.
Der Hochbehälter im Obergeschoss des Turms fasst 100 Kubikmeter. Aus ihm wurde Wasser der Hohenberggruppe an die Gemeinden der Wasserversorgung Heuberg weitergegeben, damit auch in Zeiten hohen Verbrauchs niemand durstig oder ungewaschen bleiben musste. Außerdem wurden über Leitungen auch der Waldhof und der Häsenbühlhof ganz in der Nähe versorgt.
Wie der Turm heute genutzt wird: Seit Mitte der 1980er-Jahre eine neue Wasserleitung und ein moderner Hochbehälter am Häsenbühl gebaut wurden, wird der Turm nicht mehr als Wasserreservoir benötigt. Außer Betrieb ist er trotzdem nicht: In seinem Inneren stehen technische Geräte der Hohenberggruppe, vor allem eine Anlage, die den Druck in den Leitungen erhöht.
Warum er gefährdet ist: Sein 70-jähriges Bestehen 2025 wird der Wasserturm wohl erleben. Ob er aber auch zum Jubiläum von 75 Jahren noch steht, hängt davon ab, ob und wie schnell die Pläne vorankommen, das Waldhof-Gelände als Fallschirmübungsgelände zu nutzen. Denn damit die Soldaten des KSK und der US-Armee sicher auf dem Waldhof-Gelände landen können, müssten alle Bäume und Gebäude dort entfernt werden – auch der das Landschaftsbild prägende Wasserturm.
Bürger aus den umliegenden Gemeinden kommentieren das nach diesen Plänen drohende Verschwinden des markanten Turms mitunter gallig. Nach dem Ortstermin von Winfried Kretschmann Ende September auf dem Waldhof schrieb ein Leser: Während der Ministerpräsident wolle, dass Hohenzollern so berühmt werde wie Neuschwanstein, tue er nichts dagegen, dass mit dem Wasserturm am Häsenbühl ein Wahrzeichen verschwinde.
Geschichte des Zweckverbands
Um über die eigenen Quellen hinaus die Trinkwasserversorgung sicherzustellen, wurde am 9. September 1954 im Geislinger Gasthaus Harmonie
der Zweckverband gegründet. Beteiligt waren als Gründungsmitglieder 15 Gemeinden
aus drei Landkreisen und zwei Wasserversorgungsgruppen. Heute gehören der Hohenberggruppe 26 Städte und Gemeinden, ein Zweckverband und eine GmbH an.