Kokain-Schmuggel aus Kolumbien nach Deutschland oder vorgetäuschter Banküberfall in Jungingen. Oberstaatsanwalt Karl-Heinz Beiter hat in seiner Justizkarriere spektakuläre Fälle begleitet. Nun verabschiedet er sich von den Hechinger Strafverfolgern.
Über drei Jahrzehnte prägte der Hechinger Oberstaatsanwalt Karl-Heinz Beiter die Geschicke der Staatsanwaltschaft Hechingen. Er war nicht nur verantwortlich für zahlreiche Strafverfahren, sondern brachte auch seine Ideen beim Bau des im April dieses Jahres bezogenen neuen Dienstgebäudes in der Fürstin-Eugenie-Straße ein, wie es in einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft heißt.
Beiter hat zum Monatsende Oktober die Hechinger Strafverfolger verlassen und geht im Alter von knapp 65 Jahren vorzeitig in den Ruhestand zu gehen. „Die Staatsanwaltschaft Hechingen verliert mit Oberstaatsanwalt Beiter einen erfahrenen, engagierten und zuverlässigen Kollegen und Vorgesetzten“, wird Leitender Oberstaatsanwalt Jens Gruhl in der Mitteilung zitiert.
Karl-Heinz Beiter ist ein Ur-Hechinger: Er wuchs in der Zollernstadt auf, absolvierte am Gymnasium in der Heiligkreuzstraße das Abitur. Nach einem erfolgreichen Studium der Rechtswissenschaften und dem Referendariat am Landgericht Hechingen begann er Ende der 80er-Jahre seine Laufbahn im Justizdienst des Landes Baden-Württemberg als Richter beim Landgericht Rottweil. Bei diesem und den Amtsgerichten Tuttlingen und Rottweil fungierte er als Richter vorwiegend in Zivilsachen.
Am Gymnasium Hechingen Abitur gemacht
Im Jahr 1991 wechselte er zur Staatsanwaltschaft Rottweil, wo er bereits in jungen Jahren mit hochkomplexen Fällen betraut wurde, die ihn unter anderem nach Atlanta in die USA und London führten.
Auf eigenen Wunsch zog es Beiter dann Ende 1994 zur Staatsanwaltschaft Hechingen, wo er einige Jahre für Drogen- und Bandenkriminalität sowie allgemeine Kriminalität zuständig war. Im Jahr 2000 stand der Wechsel nach Stuttgart an, wo er zunächst an die Generalstaatsanwaltschaft abgeordnet und danach mehrere Jahre bei der Abteilung Organisierte Kriminalität bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart tätig war. Dort reifte er zum Spezialisten für verdeckte Ermittlungen und war für komplexe Verfahren sowohl aus dem Drogenmilieu als auch dem Wirtschaftsstrafrecht verantwortlich.
Besonders hervorzuheben seien sowohl ein Verfahren mit über 50 Beschuldigten gegen einen Kokainhändlerring als auch ein Verfahren der Wirtschaftskriminalität mit 130 Stehordnern Ermittlungsakten.
Experte bei Auslieferung von Straftätern
Im Jahr 2006 kehrte er zur Staatsanwaltschaft Hechingen zurück, wo er fortan einige Jahre für organisierte Kriminalität, Banden- und Sexualdelikte verantwortlich war. Im Jahr 2009 wurde Karl-Heinz Beiter zum Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Hechingen ernannt. Neben den Führungsaufgaben und der Einarbeitung junger Kollegen, war Beiter neben der Organisierten- und Bandenkriminalität auch in den Bereichen der Drogenkriminalität, des Wirtschaftsstrafrechts, der Beamtendelikte und Hasskriminalität sowie dem gesamten Bereich der internationalen Zusammenarbeit in Strafsachen tätig. So fanden etwa sämtliche Auslieferungen von Straftätern aus dem Ausland nach Deutschland unter seiner Verantwortung statt.
Aus der Fülle der Strafverfahren seien beispielhaft erwähnt: der Schmuggel von 20 Kilogramm Kokain von Kolumbien nach Deutschland, ein Verfahren gegen circa 14 Beschuldigte wegen Landfriedensbruchs in der Landeserstaufnahme Meßstetten, mehrere Tötungsdelikte sowie ein Verfahren wegen eines vorgetäuschten Banküberfalls in Jungingen.
Prüfer an der Uni Tübingen
Neben der Dezernatsarbeit war Oberstaatsanwalt Beiter seit dem Jahr 2019 verantwortlich in den Bau des neuen Dienstgebäudes der Staatsanwaltschaft in der Fürstin-Eugenie-Straße eingebunden, das im April 2024 bezogen werden konnte. Dazuhin wirkte er mehr als 25 Jahre an der Universität Tübingen als Prüfer im ersten Staatsexamen.