Harald Dörflinger an seinem Schreibtisch im St. Georgener Pfarramt – auch hier verbringt der Pfarrer viel Zeit. Foto: Helen Moser

Es ist ein Beruf, der das Leben prägt wie kaum ein anderer: Seit 25 Jahren ist Harald Dörflinger katholischer Priester, seit 2020 in St. Georgen. So blickt er zurück.

25 Jahre ist es her, das Harald Dörflinger, heute katholischer Pfarrer in St. Georgen, in Freiburg zum Priester geweiht wurde – 25 Jahre, in denen sich viel verändert hat. Im Gespräch mit unserer Redaktion blickt er zurück. Und er erklärt, wieso das Leben als Priester nicht immer einfach ist, er sich aber immer wieder so entscheiden würde.

 

Dörflingers beruflicher Werdegang beginnt jedoch nicht erst vor 25 Jahren, sondern schon deutlich früher. Wobei der Weg zu seiner heutigen Tätigkeit als Pfarrer nicht unbedingt vorgezeichnet war. Ob er schon immer Pfarrer werden wollte? „Jein“, sagt er im Gespräch. Nach seinem Realschulabschluss machte Dörflinger zuerst eine Ausbildung zum Industriekaufmann und arbeitete einige Jahre lang in dem Beruf.

Auf dem zweiten Bildungsweg macht er das Abitur – an einer christlichen Schule mit Internat, welches er nutzte. Und so kristallisierte sich mit der Zeit ein Wunsch heraus – nämlich jener, einen sozialen Beruf zu ergreifen. Und vielleicht, keimte damals die Erkenntnis in Dörflinger, könnte er sogar Priester werden.

Gesagt, getan. Nach dem Abitur ging es für Dörflinger ans Priesterseminar. In sechs Jahren Studium und Ausbildung in den speziellen Aufgaben eines Priesters habe sich der Berufswunsch verfestigt, blickt er heute zurück. Nach der Diakonweihe arbeitete er etwa ein Jahr als Diakon in Engen, bevor anderthalb Jahre nach der Weihe zum Diakon jene zum Priester anstand. Am 13. Mai 2001 war es so weit: Im Freiburger Münster weihte Erzbischof Oskar Saier ihn zum Priester.

25 Jahre – viele Veränderungen

Danach arbeitete Dörflinger etwa drei Jahre lang als Vikar in Hüfingen, danach rund zwei weitere in Tauberbischofsheim. Ab September 2006 war er schließlich rund 14 Jahre als Pfarrer in Tengen im Hegau tätig, bevor sein Weg Dörflinger im Jahr 2020 nach St. Georgen – in die katholische Seelsorgeeinheit St. Georgen/Tennenbronn – führte.

In 25 Jahren hat Dörflinger einiges erlebt – auch zahlreiche Veränderungen und viel Wandel. Heute liegt der Anteil der christlichen Bevölkerung in Deutschland unter 50 Prozent. Vor 25 Jahren war er noch deutlich höher. „Der Glaube schwindet“, fasst Dörflinger zusammen – mit ganz konkreten Auswirkungen: Der sonntägliche Gottesdienstbesuch gehöre für die meisten nicht mehr zum Standard, Erstkommunionen und Firmungen würden nicht mehr selbstverständlich gefeiert und die katholische Kirche in der Region strukturiert sich neu, zählt der Pfarrer auf.

Nun feiert Dörflinger sein silbernes Priesterjubiläum – und erinnert sich auch an seinen Primizspruch: „Die Freude am Herrn ist eure Stärke“ lautet dieser. Es sei ein Satz aus dem Alten Testament, der ihn – einmal gelesen – nicht mehr losgelassen habe, blickt Dörflinger zurück. Und ein Satz, der dem Pfarrer Halt gab. Denn es sei ebendiese Freude, die Kraft gebe.

Neun neue Priester auf einmal

Am Mittwoch, dem Jahrestag seiner Priesterweihe, hat Dörflinger das Jubiläum bereits gefeiert – zusammen mit den Priestern, welche die Weihe am selben Tag empfingen wie er. Neun waren es damals, erinnert er sich. „Das war ein ziemlich kleiner Jahrgang“, sagt er – zumindest nach den Maßgaben vor 25 Jahren. Denn inzwischen ist die Zahl jener, die sich zum Priester weihen lassen, deutlich niedriger. „Heute sind Diözesen froh, wenn es überhaupt noch eine Weihe gibt“, erklärt Dörflinger. Am vergangenen Wochenende wurden in Freiburg zwei Männer zu Priestern geweiht.

Gleichzeitig, sagt Dörflinger, sterben jedes Jahr etwa 30 Priester. Die meisten von ihnen sind schon im Ruhestand, waren vor ihrem Tod aber trotzdem noch tätig und spendeten beispielsweise Sakramente. Und so sinkt die Zahl der katholischen Priester – die Kirche hat ein Nachwuchsproblem.

Ein Entschluss, der das Leben prägt

Wer sich vorstellen könnte, Priester zu werden, dem rät Dörflinger, es zu versuchen, Erfahrungen zu machen – und am Ende eine ehrliche und überlegte Entscheidung zu treffen. Denn – auch daraus macht er kein Geheimnis – das Leben als Priester sei „natürlich nicht immer leicht“. Zölibat, keine Möglichkeit, eine eigene Familie zu gründen – es ist ein Beruf, der das ganze Leben prägt.

„Natürlich fragt man sich – gerade wenn man älter wird – schon, was wäre, wenn man einen anderen Weg gegangen wäre, vielleicht eine Familie gegründet hätte“, sagt Dörflinger. Doch Sehnsucht danach empfinde er keine. Familie habe er ja dennoch – auch ohne eigene Kinder. Zudem habe man innerhalb der Diözese eine gute Gemeinschaft der Priester. Dennoch: Privat lebe man als katholischer Pfarrer eher zurückgezogen. „Aber einsam bin ich nie“, betont Dörflinger.

„Für mich war es die richtige Entscheidung“

Er sagt: Jeder Lebens- und Berufsweg habe seine eigenen Herausforderungen – so eben auch der seine. Für Dörflinger ist ein Vierteljahrhundert nach der Priesterweihe klar: „Für mich war es die richtige Entscheidung.“

Das liegt auch an den Aufgaben, die man als Pfarrer habe. Man begleite Menschen in allen Stadien und Bereichen ihres Lebens – von der Taufe über (Erst-)Kommunion, Firmung und Ehe bis hin zu Beichte und Krankensalbung. Das mache den Beruf besonders, sagt Dörflinger.

Besonderer Gottesdienst

Priesterjubiläum
Zusammen mit der katholischen Kirchengemeinde feiert Pfarrer Harald Dörflinger sein silbernes Priesterjubiläum am kommenden Sonntag, 17. Mai. Der Festgottesdienst in der Kirche St. Georg beginnt eine halbe Stunde früher als üblich bereits um 10 Uhr. Er wird vom Kirchenchor musikalisch mitgestaltet. Im Anschluss findet auf dem Kirchplatz ein Empfang statt mit Gelegenheit zum geselligen Beisammensein und zu Gratulationen für den Jubilar.