Von St. Georgen aus hatte Ralph-Thomas K. das führende Neonazi-Forum „Altermedia“ geleitet. In einem Staatsschutzverfahren ist er dafür zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Nun hat es noch den letzten Kompagnon von ihm erwischt.
Öffentlich und völlig schamlos wurde gegen Ausländer, Flüchtlinge, Muslime oder Juden gehetzt, User setzten sie gleich mit Schädlingen, Schmarotzern, Unrat oder Krankheiten.
Und die Leugnung des Holocaust gehörte im Forum zum guten Ton – so lange, bis die Bundesanwaltschaft der Plattform „Altermedia“ im Januar 2016 den Stecker zog.
Am gleichen Tag verbot der damalige Innenminister Thomas de Maizière das Internetportal und in St. Georgen klickten bei Ralph-Thomas K. die Handschellen. Der Informatiker hatte gemeinsam mit Jutta V. Altermedia federführend betrieben.
Seit Juni 2012 Plattform betrieben
Die beiden Köpfe sowie drei weitere Angeklagte mussten sich schließlich in einem Staatsschutzverfahren wegen der Hetze und der systematischen Verbreitung rechtsextremistischen und nationalsozialistischen Gedankenguts verantworten.
So sollen sich die Angeklagten nach Überzeugung des Oberlandesgerichts Stuttgart zu einer kriminellen Vereinigung zusammengeschlossen haben, die spätestens seit Juni 2012 die Internetplattform „Altermedia Deutschland“ betrieb – eine der führenden Neonazi-Plattform in der Bundesrepublik.
K. ein führender Kopf in der Region
In dem Mittelpunkt geriet dabei K. aus St. Georgen. Denn er war einer der führenden Köpfe des Forum, das zum Ziel hatte, dem sogenannten „Nationalen Widerstand“ dauerhaft eine Internetseite zur Verfügung zu stellen. In der regionalen Neonazi-Szene spielte der 35-Jährige eine große Rolle.
Für Treffen von Rechtsextremen soll er in St. Georgen Lokalitäten zur Verfügung gestellt haben, auch für die rechtsextreme Deutsche Liga für Volk und Heimat (DLVH) stellte er sich in der Bergstadt auf. Bei Kundgebungen des Pegida-Ablegers Sbh-Gida in VS engagierte er sich als Ordner.
Auch heute Kontakte in rechte Szene
Ralph-Thomas K. ist im Rahmen des Staatsschutzverfahrens wegen Rädelsführerschaft in einer kriminellen Vereinigung im Februar 2018 zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Der Altermedia-Kopf ging zwar gegen das Urteil vor, die Revision wurde allerdings im Sommer 2019 vom Bundesgerichtshof verworfen – er musste daraufhin die Haftstrafe antreten.
K. ist mittlerweile wieder aus der Haft entlassen worden und ist beruflich wieder in der IT-Branche aktiv. Auch heute pflegt K. wohl noch beste Kontakte in die rechte Szene. So soll er im vergangenen Herbst im Raum VS einen Stammtisch organisiert haben, an dem der Rechtsterrorist Robin Schmiemann und Rechtsanwältin Nicole Schneiders, die in die rechte Szene verstrickt sein soll, teilgenommen haben sollen.
62-Jähriger von Spanien ausgeliefert
Und das Kapitel Altermedia? Das ist mittlerweile endgültig abgeschlossen. Denn acht Jahre nach der Abschaltung der Plattform ist nun der letzte Beteiligte des Staatsschutzverfahrens verurteilt worden. Dabei handelt es sich um einen 62-Jährigen, der in Lloret de Mar in Spanien wohnhaft war und sich in der Zeit von 2013 bis 2016 in mehrfacher Hinsicht am Betrieb einer rechtsradikalen Internetseite beteiligt hatte.
Er war dem Auftakt der Hauptverhandlung des Staatsschutzverfahrens im Jahr 2017 aus „gesundheitlichen Gründen“ fern geblieben, er gab an weder reise- noch verhandlungsfähig zu sein. Dies war Ermittlungen zufolge jedoch offenbar vorgeschoben – gegen den Angeklagten erging laut Oberlandesgericht in der Folge Haftbefehl. Er wurde im März 2024 von Spanien ausgeliefert.
Anfang April saß er in Stuttgart beim 5. Strafsenat schließlich auf der Anklagebank und zeigte sich geständig. Nach drei Verhandlungstagen wurde er wegen mitgliedschaftlicher Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung und Volksverhetzung in mehreren Fällen zu der Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt – allerdings auf Bewährung. Er kam deshalb wieder auf freien Fuß.