Oliver Wolf gehen künstlerische Ideen nie aus. Über sein Haarbürsten-Projekt (rechts im Bild) und die Bewegung von Objekten hat er sogar eine Doktorarbeit in Großbritannien geschrieben und verteidigt. Foto: Zelenjuk Foto: Schwarzwälder Bote

Kultur: Tag der offenen Tür in der Residenz / Viele kuriose Objekte / Verein "Global Forest" in Gründung

Es ist ein Paradies für Klangkünstler, Tonmeister und Robotik-Ingenieure. Die Künstlerresidenz in der Friedrichstraße ist ein Atelier, eine Werkstatt und ein Hotel zugleich ­– alles unter einem Dach. Am Sonntag, 16. September, öffnet die Residenz ihre Türen und bietet spannende Einblicke in die Welt der modernen Kunst.

St. Georgen. Eine grüne Haarbürste, die sich Richtung Osten bewegt, um sich den Sonnenaufgang anzuschauen; ein Bürosessel, der sich ununterbrochen im Kreis dreht; sechs mit Sensoren ausgestattete Roboter, die auf einem Lufttisch aufeinander zufahren: All das sind Kunstobjekte, die im Atelier in der Friedrichstraße 5a Platz finden. Hier verschwimmt die Grenze zwischen Technik und Kunst – und jede, sogar die verrückteste Idee wird umgesetzt.

Vor zwei Jahren haben in diesen Räumen elf leidenschaftliche Künstler, Tüftler und Experimentierer in Kooperation mit dem Phonomuseum eine Ausstellung rund um die Vinyl-Kultur auf die Beine gestellt. "Wir wollten dann auch nach der Ausstellung den Raum bespielen", erinnert sich Oliver Wolf, der den Künstlernamen Olsen trägt.

Die Themen Klang und Sound stehen nach wie vor im Vordergrund, die Räume werden von Schallplatten, alten Lautsprechern und Musikinstrumenten dominiert. Doch inzwischen ist jede Menge Neues dazugekommen. "Wir gehen immer mehr in Richtung bildende Kunst", erklärt Wolf.

Nun wollen die elf Künstler noch mehr in der Region bewegen –­ und sind aktuell mit der Gründung ihres Kunst- und Kulturvereins "Global Forest" beschäftigt. "Der Verein ist noch nicht eingetragen, aber die Gemeinnützigkeit ist schon geprüft und bestätigt", sagt Wolf. Und die Künstlerresidenz wird eine Art Vereinsheim sein.

Regelmäßige Events bieten die Global Forester schon jetzt an: Einmal im Monat kommen 15 bis 20 Gäste zu ihren Klangspielen in die Künstlerresidenz. Im Mai gibt es ein Vogelklang-Event. Und viele andere spannende Formate sollen folgen.

Die Ausstellung widmet sich dem Thema Platten

"Ideen haben wir genug", versichert Wolf. Das glaubt man ihm sofort. Auf seinem Arbeitstisch herrscht künstlerisches Chaos, Hunderte von kleinen Schrauben, Batterien, Magneten liegen herum, man sieht, wie faszinierende Kunstobjekte entstehen. Aktuell baut Wolf an einem Perpetuum Mobile – angetrieben durch eine goldene Glückskatzenpfote. "Mir ist bei meinen Objekten auch die Poesie wichtig", sagt Wolf.

Die Künstlerresidenz bietet auch internationalen Gastkünstlern den Raum und den Rahmen, frei zu experimentieren und ihre Projekte – die meisten im Bereich der experimentellen Musik – voranzutreiben. "Mit einem Exposé können sich die Residenten bewerben. Vier Personen können hier gleichzeitig untergebracht werden", sagt Wolf.

Wenn die Künstlerresidenz am Sonntag, 16. September, ab 11 Uhr ihre Türen öffnet, können die Gäste in die Welt der zeitgenössischen Kunst eintauchen. Im Foyer wird dann die Ausstellung laufen, die sich dem Thema Platten widmet: Dafür haben die Künstler Sascha Brosamer, Lisa Schlenker und Abi Tariq den Müll in alte Platten eingearbeitet. Ergänzt wird die Ausstellung durch eine Performance und eine Video-Installation.

Auch im Atelier sind dann viele kuriose Kunstobjekte zu entdecken. Und der Blick in den Keller lohnt sich ganz bestimmt: Dort ist ein Performance-Raum eingerichtet, in dem es ein Dunkelkonzert geben wird und die Geschichte vom Vogelfest mit Bildern und Klängen erzählt wird.

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