Er hat recht – und ist doch nicht im Recht. Galileo Galilei (Mitte) muss vor dem Tribunal seine "ketzerischen" Ansichten widerrufen. Foto: Kienzler Foto: Schwarzwälder-Bote

Schüler führen im Deutschen Haus das Stück "Leben des Galilei" auf

Von Nicolas Kienzler

St. Georgen. "Nicht nur viel Vergnügen – vor allem viel Konzentration und Lernbereitschaft wünsche ich ihnen", waren die Begrüßungsworte von Götz Knieß, regieführender Leiters der Theatergruppe der Zinzendorfschulen,

Damit fasste er Bertold Brechts Idee des "Epischen Theaters" zusammen: Das "Leben des Galilei", das eindrucksvolle Schauspiel rund um die Entdeckungen, Ansichten und Überzeugungen des berühmten Wissenschaftlers, ließ im Theater im Deutschen Haus keinen Besucher kalt und so mancher wird wohl noch auf dem Nachhauseweg darüber nachgedacht haben.

Kein Wunder, stellen sowohl Stoff und Inhalt als auch die schauspielerische Leistung der Schüler genügend Gründe für ein eindrucksvolles, prägendes Theaterstück dar: Der italienische Astronom und Naturwissenschaftler Galileo Galilei (gespielt von Sarah Fritschi) lebt mit seinem Schüler Andrea Sarti (Lena Scharfenberg), dessen Mutter und Haushälterin (Diana Ockenfuß) sowie seiner eigenen Tochter (Sandrine de Vries) in gesicherten, weder reich noch armen Verhältnisse. Im Zuge seiner Forschungen gelangt Galilei mit seinem Freund Sagredo (gespielt von Maike Fünfschilling) zu der Erkenntnis, die inzwischen jedem bekannt ist, damals jedoch für Entrüstung und Repressalien gegenüber Galilei und den Anhänger seiner Thesen sorgte: Die Erde ist nicht das Zentrum des Universums, sie dreht sich vielmehr mit den anderen Planeten um die Sonne.

Galilei spricht von der "sanften Gewalt der Vernunft der Menschen", glaubt, dass man Wissen verbreiten muss und handelt im Sinne der Aufklärung, als er diese Erkenntnisse verbreitet. Dies steht im Konflikt zur Bibel in ihrer wort-wörtlichen Form, nach der der Mensch als Krone der Schöpfung selbstverständlich auch im Zentrum des Universums stehen müsse, aber im für die damalige Zeit unsäkularen Staat sind nicht nur die Geistlichen gegen Galilei: Auch die weltliche Macht, die Herzöge und Könige, verstoßen ihn, nicht einmal andere Gelehrte nehmen ihn ernst und so schwört er schließlich seinen Erkenntnissen ab, um Folter und Tod zu entgehen.

Ein Stück mit einem zeitlosem Inhalt

Als "sehr anspruchsvoll, intellektuell und textlastig" bezeichnet Götz Knieß Brechts modernen Klassiker, wobei er betont, die knapp 25 Schüler hätten sich selbst für die komplizierte Gattung des epischen Theaters nach einigen Vorschlägen entschieden.

Seit dem vergangenen Schuljahr existiert an den Königsfelder Zinzendorfschulen der Kurs "Literatur und Theater" (LuT). "Die Hälfte der jungen Schauspieler stammt hierbei vom beruflichen Gymnasium, ihnen will ich besonders danken, denn sie waren nur zu einer einjährigen Kursteilnahme verpflichtet", so der Theaterpädagoge. Unterstützung erhielt er von Deutschlehrer Bernhard Hering.

Die Motive Macht, Wahrheit und Verantwortlichkeit sind allgegenwärtig und zeitlos, durch das Stilmittel der Verfremdung wurde dies hervorgehoben: Die Hauptperson wird von Sarah Fritschi gespielt, viele andere Rollen erhielten ebenfalls einen Geschlechtertausch. Eine besondere Rolle fiel hierbei Sarah van Ruiswijk zu, die als Ansagerin und Sängerin jedes Bühnenbild durch kurze Verse einleitete. Das Stück in der überarbeiteten Fassung wirft am Ende die Frage auf, in wie weit ein wissenschaftlicher Fortschritt noch vom Menschen kontrolliert werden kann – oder er außer Kontrolle gerät und Zerstörung statt Vorteile bringt. Ein allzu zeitloses Motiv.

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