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St. Georgen/VS Schwarzwald-Baar-Klinikum: Operationstermin von 92-Jähriger immer wieder verschoben

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Nachdem der 94-Jährige Kontakt mit der Presse aufgenommen hat, habe nun auch das Klinik-Management bei ihm angerufen – und sich entschuldigt. Foto: m. letschert – stock.adobe.com

St. Georgen/Villingen-Schwenningen - Eine 92-jährige Frau bricht sich den Oberarm. Ihr Operationstermin wird eineinhalb Wochen lang immer wieder verschoben. Zu Essen erhält sie an manchen Tagen kaum etwas. Die Familie entschließt sich, die Vorwürfe an das Klinikum öffentlich zu machen.

Er findet es skandalös, was seiner Frau im Krankenhaus Villingen-Schwenningen widerfahren ist. Deshalb wendet sich der 94-jährige St. Georgener, der anonym bleiben möchte, an die Presse. Er will, dass "die Herrschaften da oben mal wach werden".

An einem Sonntagabend im August betritt seine 92-jährige Ehefrau die Terrasse. Sie will nach dem Kater schauen. Seit einiger Zeit ist sie wacklig auf den Beinen und auf einen Rollator angewiesen. An der Terrassentür passiert es: Sie stolpert und schlägt auf die Steinfliesen auf. Ehemann und Tochter bringen die Seniorin gegen 21 Uhr in die Notaufnahme des Schwarzwald-Baar-Klinikums. Dort stellt sich heraus: Der Oberarm der 92-Jährigen ist gebrochen, eine Operation wird für den nächsten Tag in Aussicht gestellt. Doch am Montag wird die Frau vertröstet, die Blutwerte seien nicht im optimalen Bereich. Das sei ja noch zu verstehen, sagt ihr Ehemann. "Doch dann wurde der Termin jeden Tag aufs Neue verschoben." Am Dienstag hieß es, es sei kein Intensivbett frei und auch an den folgenden Tagen wird die Operation der Frau immer wieder kurzfristig verschoben. "Einmal wurde sie sogar vorbereitet und war schon im OP-Saal." Doch auch diese Operation wird abgesagt.

Die hoch betagte Frau leidet unter der Situation und der Ungewissheit, vor allem aber auch unter dem Essensmangel. Um am Folgetag unter Narkose operiert werden zu können, darf der Patient am Tag zuvor nichts zu sich nehmen. Die 92-Jährige habe demnach auf Frühstück und Mittagessen verzichten müssen, habe dann jedoch die OP-Absage erhalten und dennoch keine warme Mahlzeit, sondern lediglich ein Käsebrot am Abend bekommen – und das über mehrere Tage hinweg.

Ehepaar und Tochter fühlten sich angesichts der ständigen Vertröstungen hilflos und hatten nicht das Gefühl, dass ihnen jemand zuhört. Das Pflegepersonal sei von der Kritik explizit ausgenommen, sagt das Ehepaar. Es sei auch absolut verständlich, "dass schlimmere Fälle vorgeschoben werden". Doch die "ständige Vertrösterei", die ungenügende Kommunikation und der Nahrungsmangel der Frau, die ohnehin nicht die stabilste und fitteste sei, empfanden sie als immense Belastung.

Pressesprecherin hält sich in Stellungnahme bedeckt

Nach acht Tagen schreibt die Tochter einen Brandbrief an die Klinik. "Es kann und darf doch nicht sein, dass solch eine große und moderne Klinik ein so schlechtes Management, zu wenig Personal und sogar zu wenig Betten hat und die Patienten wochenlang hingehalten werden", schreibt sie. Sie fürchte eine weitere Gewichtsabnahme der ohnehin schon fragilen Frau und kritisiert, dass kein Physiotherapeut die in ihrer Mobilität sehr eingeschränkte Dame besucht habe und diese daher nicht einmal ihr Zimmer habe verlassen können. Eine Antwort auf ihre E-Mail habe sie nicht bekommen. Erst nach zehn Tagen wird die Mutter schließlich operiert.

Auf Anfrage unserer Zeitung möchte sich das Klinikum nicht zu den Vorwürfen der Familie äußern: "Wir unterliegen der Schweigepflicht." Man habe für die stationäre Versorgung ein Einzugsgebiet von rund 500.000 Einwohnern, so Sandra Adams, Pressesprecherin des Klinikums. Es habe in besagter Woche verhältnismäßig viele Notfälle gegeben, daher erfolge die Behandlungs- und Operationsplanung nach Dringlichkeit. Es könne vorkommen, dass bereits geplante Operationstermine aufgrund von weiteren Notfällen verschoben werden müssten. "Wir bedauern, dass sich das leider nicht immer vermeiden lässt."

Zu Fragen nach Personalsituation will sich Klinikum nicht äußern

Doch das Ehepaar kritisiert gar nicht, dass Notfälle selbstverständlich vorgehen. Zu Fragen nach der Personalsituation allerdings möchte sich das Klinikum nicht äußern. Auch nicht inwieweit es verhältnismäßig oder sinnvoll ist, eine schwache 92-Jährige zu vertrösten und ihr keine Zusatz- oder Aufbaunahrung zu geben, wie es die Tochter kritisiert. Was also können Patienten tun, wenn sie das Gefühl haben, ohnmächtig zu sein und im riesigen Krankenhausbetrieb kein offenes Ohr finden?

Durch Zufall entdeckt das Ehepaar einen Flyer der Patientenfürsprecher am Schwarzwald-Baar-Klinikum und findet Antworten auf genau diese Fragen. Renate Bohrer ist eine von vier Patientenfürsprechern. "Wir sind ehrenamtlich tätig und haben eine Vermittlerrolle. Wir laufen los und versuchen eine Lösung zu finden", erklärt sie. Man wolle direkter Gesprächspartner zur "Lösung von ›kleinen‹ und ›großen‹ Problemen" sein.

Die Fürsprecher gibt es seit zehn Jahren, es habe damals Bedarf bestanden. Doch auch heute wissen nicht alle Patienten, dass es dieses Angebot gibt. Und es sei leider oft der Fall, dass Patienten das Gefühl haben, dass man ihnen nicht zuhört, so Bohrer, die in der Vergangenheit als Pflegedirektorin im Klinikum Goldenbühl gearbeitet hat. Es gebe zu wenig Fachpersonal und häufig überall zu wenig Zeit. Manche Menschen hätten Angst, seien verunsichert oder hätten viele unbeantwortete Fragen. In diesen Fällen helfen die Patientenfürsprecher. Und das "im Prinzip täglich, in irgendeiner Form."

Auch das Ehepaar hatte sich an eine Patientenfürsprecherin gewendet. Erst dann kam Bewegung in den Fall. Und plötzlich konnte operiert werden. Nachdem der 94-Jährige Kontakt mit der Presse aufgenommen hat, habe nun auch das Klinik-Management bei ihm angerufen – und sich entschuldigt.

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