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St. Georgen Vom Mehrwert der Nachhaltigkeit überzeugt

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Foto: © jittawit.21 – stock.adobe.com Foto: Schwarzwälder Bote

Es hat schon eine gewisse Tradition, das Aschermittwochsgespräch des "Forum pro Schwarzwaldbauern", das seit vielen Jahren regelmäßig am Aschermittwoch im Brigachhaus stattfindet.

St. Georgen-Brigach. Stets hat das Forum auf Einladung seines Vorsitzenden Siegfried ­Jäckle einen besonderen Gast, der die bäuerliche Landwirtschaft auf besondere Art beleuchtet. Diesmal war es Christian Hiß von der Regionalwert AG, der den Landwirten zeigen wollte, wie man richtig rechnet.

Denn während immer mehr von regional, fair und ökologisch geredet wird, erforscht Christian Hiß den ökonomischen Wandel hin zum ökologischen und regionalen Wirtschaften.

Als Gärtnermeister konnte er erfahren, wie wenig umwelt- und sozialverträgliches Wirtschaften durch die Europäische Union unterstützt wird. Das war einer der Gründe, weshalb er Ökonom wurde. Dabei sei ihm klar geworden, dass die Ursache in der ökonomischen Buchhaltung liege, die im regionalen und ökologischen Wirtschaften nur die Kosten sieht, aber die Leistungen ignoriert. Diese Erkenntnisse hat er in seinem Buch "Richtig Rechnen" dargelegt. Nun stellte er aus der ersten Erprobung in der Praxis dem Forum weitere Erkenntnisse vor.

Vom gelernten Gärtnermeister zum Master of Social Banking and Social Finance – das ist der Weg des Christian Hiß. Er verkörpert die konkrete Utopie einer Wirtschaft, die den Kapitalismus von seiner derzeitigen "Rumpfform" zu einer entwickelten und nachhaltigen Form führen soll, indem er Dinge, die bereits jetzt in der Buchführung berücksichtigt werden, weiter führt – vom Kostenfaktor zum nachhaltigen Mehrwert.

Er selbst habe erlebt, dass die Anzucht eigener Samen in seiner Gärtnerei von Banken und den Ämtern stets als reine Kosten angesehen würden, weshalb sein Betrieb zu hohe Kosten erzeugte – dass er aber dadurch unabhängig von unsicheren Lieferanten sei, habe keiner berücksichtigt.

Seine Idee: Richtig rechnen mit dem Mehrwert der Nachhaltigkeit. Nachdem sein Buch erschienen war, arbeite er nun sogar mit dem Branchenriesen SAP zusammen, erzählte er den (aufgrund unsicherer Wetterverhältnisse) recht wenigen Besuchern im Brigachhaus.

Gewinne würden auch in einer nachhaltigen Wirtschaft gemacht, betonte er bereits bei der Berliner Buchpräsentation von "Richtig rechnen". "Aber diese Gewinne kommen erst zustande, wenn durch unser Wirtschaften Natur per Saldo nicht verbraucht, sondern erhalten wird, und auch das Sozialkapital beispielsweise durch Investitionen in Ausbildung und Qualifizierung gestiegen ist."

Aus der Sicht eines landwirtschaftlichen Betriebs konkretisiert Hiß seine Ideen: Was tut ein Betrieb für die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit? Bislang werden Aufwendungen dafür nur als Kosten verbucht. Investitionen in die Qualität von Produkten oder in die Mitarbeiterqualifikation müssten jedoch auch ertragsseitig verbuchbar sein, fordert Hiß.

Erstaunlich ist, dass Hiß feststellt: Nur Landwirtschaft sei letztlich produktive Wirtschaft. Denn nur sie könne aus Sonnenenergie energiereiche pflanzliche Substanz hervorbringen und eben den "energetischen Überschuss" produzieren, auf dem alle danach folgenden wirtschaftlichen Tätigkeiten aufbauen.

Eine darauf fußende Gesamtbilanz müsse künftig die Grundlage der Wirtschaft auf unserem Planeten sein. Natürlich gestand Hiß ein, dass der allergrößte Teil der heutigen landwirtschaftlichen Praxis keinesfalls eine positive, sondern durch den Einsatz fossiler Energien eine eher schlechte Bilanz aufweise. Eigentlich müsste seine Branche aus dem Einsatz einer Kalorie zwei machen, tatsächlich verbraucht sie aber derzeit weit mehr als sie erzeugt.

Schon als Kind habe er darunter gelitten, dass seine Eltern 1951 zu den allerersten Pionieren der Bio-Landwirtschaft zählten.

"Ich will keine Ideen von Regionalität verbreiten", warnte Hiß. Was ihm als geschäftsführendem Vorstand der Bürgeraktiengesellschaft Regionalwert AG vorschwebe, sei eine Skalierung des sozioökonomischen Modells der bäuerlichen Versorgungsgemeinschaft. Hiß kann sich durchaus vorstellen, landwirtschaftliche Massenproduktion und nachhaltiges Wirtschaften unter einen Hut zu bringen. Falls die Landwirte lernen, "richtig zu rechnen", will heißen, dass auch alle nicht-monetären Produktionsfaktoren in der kapitalgeprägten Finanzbuchhaltung unterzubringen.

Zur Überprüfung der Frage, ob sein aus der Landwirtschaft hervorgegangenes Konzept auch auf andere wirtschaftliche Sektoren übertragbar sei und welcher staatlichen Regulierungen es dazu bedürfe, wird er sein Konzept nun, nach einem Probelauf mit vier Betrieben aus unterschiedlichen Zuordnungen nun einen breiter angelegten Feldversuch starten.

Bei der anschließenden Fragerunde zeigte sich, dass wohl der Großteil der anwesenden Landwirte das Konzept verstanden hatte. Das Konzept sei so anders, dass man sich kaum traue, darüber nachzudenken, stellte einer der Anwesenden fest. Es klinge sehr positiv, allerdings befürchte er, dass es rein wirtschaftlichen Interessen zum Opfer falle.

"Die erste Frage muss sein, wo hoch das Risiko einzuschätzen ist, wenn beispielsweise in einem Betrieb mit Ackerbau Hybrid-Saatgut eingesetzt wird, das nicht selbst nachgezogen werden kann. Dafür müssen Zahlen auf den Tisch, konkrete Leistungsfaktoren. Viele ökologisch wichtige Dinge haben keinen wirtschaftlichen Wert", machte Hiß deutlich, da viele nachhaltige Dinge derzeit noch auf Null stünden.

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