Auf Suche nach Lösungen / Junge Leute zieht es in Ballungszentren und Universitätsstädte

St. Georgen (dvs). Da es keine "Studie St. Georgen" gab, konnte Stefan Siedentop, Professor an der Universität Stuttgart, bei der Diskussion im Gemeinderat nicht auf Details eingehen.

"Es gibt auch eine Wanderung der Älteren", wusste Oliver Freischlader (SPD). Ältere wandern nach landschaftlichen Gesichtspunkten, wusste Siedentop. Ganz anders verhalten sich dagegen junge Familien.

Gerhard Mengesdorf wollte wissen, warum die Menschen abwandern? Der Wissenschaftler hatte dafür keine umfassende Erklärung. Sicher ist, je mehr Abiturienten am Ort sind, um so größer ist die Abwanderung. Universitätsstädte verzeichnen dagegen einen deutlichen Zuwachs. Ländliche wissenschaftliche Standorte können dagegen halten, alle anderen nicht. Die Frage ist, wie die Kommunen ihre jungen Leute nach der Ausbildung zurückholen können. Diese schätzen auch nach dem Studium "die städtische Qualität", so Siedentop.

Reicht nicht tief ins Land hinein

Manfred Scherer (CDU) sah die Bergstadt "bestraft", weil diese alle Schularten bis zum Abitur anbiete. Ihn interessierte, ob die Nachbarländer von den deutschen Abwanderern profitierten. Bei manchen Grenzorten ist dies der Fall, versicherte Siedentop. Das reiche aber nicht tief ins Land hinein.

Gabi Elsäßer sprach die Einpendler an. Täglich sind es rund 2500, die in die Bergstadt zur Arbeit kommen. Laut Siedentop steigt die Bereitschaft zur weiteren Anfahrt trotz hoher Spritpreise nach wie vor. Nur wenn sie aus der näheren Umgebung kommen, erkennt er eine Chance, sie als Bürger zu gewinnen.

"Wir haben viel und müssen ausbauen".

Für Bürgermeister Michael Rieger ist St. Georgen ein wichtiger Wirtschaftsstandort. Er sieht bei den Einpendlern ein großes Potenzial: "Wir haben viel und müssen weiter ausbauen".

Peter Fichter (SPD) klagte: "Wir fühlen uns als Kommunen allein gelassen". Viele würden herziehen, wenn die Infrastruktur so gut wie in den Metropolregionen wäre, zeigte er sich sicher. Siedentop sieht einen Trend, die Kommunen mehr zu unterstützen. Ein Beispiel sei die Breitbandverkabelung.

Manfred Scherer setzte auf die allgemein steigenden ­Preise in den Ballungszentren. Der Professor hielt dagegen, Städte mit den höchsten ­Preisen hätten auch die höchsten Zuwanderungsraten. Deren Attraktivität sei so groß, dass die Leute sogar Abstriche in der Wohnqualität in Kauf nehmen.

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