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St. Georgen Schwimmen lernen in zwölf Tagen

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Sichtlich stolz: Alle Kinder haben erfolgreich das "Seepferdchen" absolviert. Angela Racke (rechts) leitet den Kurs. Fotos: Stiegler Foto: Schwarzwälder Bote

Immer weniger Kinder können ausreichend gut schwimmen, kritisiert die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Im Klosterweiher haben zehn Kinder zwölf Tage lang intensiv Schwimmen gelernt: bei Wind, Regen und Sonnenschein.

St. Georgen. Ein letztes Mal hüpfen die Kinder in den Klosterweiher, schwimmen mutig bis zur Rutsche oder dem Trampolin in der Mitte des Sees. Zwölf Tage lang haben sie sich jeden Morgen zum Intensiv-Schwimmunterricht mit dem Team der Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) getroffen – ob es regnet, stürmt oder die Sonne scheint.

"Nur die Harten kommen in den Garten", scherzt Angela Racke, technische Leiterin Ausbildung bei der DLRG-Ortsgruppe St. Georgen. Und gibt zu: "Für den August war’s kalt." Teilweise sanken die Temperaturen in den vergangenen zwölf Tagen nachts auf unter zehn Grad. "Die Mädchen sind härter im Nehmen, aber die Jungs frieren." Der Weiher habe momentan eine Wassertemperatur von 19 Grad. Spätestens ab einer Temperatur von unter 18 Grad ist für die Schwimmschüler ein Kälteschutz in Form eines Neoprenanzugs vorgeschrieben. Die zehn am Intensiv-Kurs teilnehmenden Kinder zwischen fünf und zehn Jahren durften jedoch über den gesamten Kurs-Zeitraum ihren wärmenden Anzug tragen. Erst jüngst wurden neue Anzüge für die Kinder angeschafft – ermöglich auch dank der großzügigen Spende eines St. Georgener Bürgers. Die Witterung tat dem Badespaß daher keinen Abbruch. Ohnehin folgt auf die halbstündige Schwimmphase eine warme Dusche.

"Alles andere ist sehr gefährlich"

Das tägliche Üben über einen Zeitraum von nahezu zwei Wochen – zumal in einem Naturschwimmbad anstatt in einem Hallenbad – bringe unheimlich viel, sagt Racke. Die Kinder lernen sehr schnell, gewöhnen sich an das Baden im See und haben zudem je einen eigenen Ausbilder an der Seite. Letzteres ist schon allein wegen des undurchsichtigen Wassers und der im Vergleich zum Hallenschwimmen unübersichtlicheren Situation notwendig. "Wer hier im Weiher Schwimmen lernt, der kann es dann auch."

Jeden Morgen beginnen die Kinder mit Trockenübungen und Gymnastik auf der Wiese. Danach geht es in den Nichtschwimmerbereich des Weihers: Hier gewöhnen sich die Kinder langsam ans Wasser, schauen wie weit sie laufen können, paddeln ein wenig. Wer es schafft, bis zum Rande des Nichtschwimmerbereichs zu schwimmen, der darf sich mit seinem Ausbilder weiter hinaus in den See wagen. Immer mit dabei: die Schwimmnudel aus Schaumstoff. Auf ihr können die Kinder verschnaufen. Sie dabei zu haben, bringe auch Sicherheit im Kopf, so Racke.

Es ist jedem Menschen theoretisch freigestellt, ob er Schwimmen lernen möchte oder nicht. Es gebe da keine gesetzliche Vorgabe, sagt Racke. "Aber ich persönlich denke: Man muss genauso schwimmen können wie lesen und schreiben. Alles andere ist sehr gefährlich." Doch die tatsächliche Situation ist eine andere: Jüngst kritisierte die Bundesgeschäftsstelle des DLRG öffentlich die immer schlechteren Schwimmfähigkeiten, gerade bei Kindern. Nur knapp über 40 Prozent der Kinder könnten nach der Grundschule schwimmen. In den 1990er Jahren seien das noch nahezu 90 Prozent gewesen.

Ludwig Schulz, Leiter des DLRG-Landesverbands Baden, sieht bei Eltern den Trend, die Verantwortlichkeit hierfür an Schulen und Vereine auszulagern. Theoretisch könne man seinem Kind ja auch selbst das Schwimmen beibringen: "Ich hab’s bei meinem Vater gelernt." Doch Vereine und Schulen hätten in manchen Regionen große Schwierigkeiten Unterricht anzubieten, teils wegen Lehrkräftemangel, aber verstärkt auch aufgrund von Bäderschließungen. Viele Hallenbäder würden zudem in Freizeitbäder mit Rutschen und Wasserattraktionen umgebaut, sodass kein "richtiges Schwimmbecken" vorhanden sei und dadurch dort kein Unterricht stattfinden könne. Die Bäderzeiten seien daher in den noch vorhandenen Einrichtungen stark umkämpft.

"Die haben das toll gemacht, die Schatzis"

Es sei auch Aufgabe der Eltern, das Kind bereits früh an das Wasser zu gewöhnen, so Schulz weiter. Das sei prinzipiell mit Drei- bis Vierjährigen, aber auch schon mit Babys in den Nichtwimmerbereichen möglich. "Je mehr ich ein Kind an das Wasser heranführe, umso schneller lernt es schwimmen."

Auch Angela Racke kennt das Problem, dass immer weniger Kinder ausreichend gut schwimmen können. Doch in der Bergstadt sei man sehr gut aufgestellt. Die Einrichtungen seien sehr kooperativ, was die Vermittlung von Bäderzeiten angehe. Sie selbst bildet seit rund 30 Jahren aus. Manche der Eltern, die ihre Kinder zum Kurs anmelden, habe sie schon damals unterrichtet. Neben dem Intensiv-Kurs bietet der DLRG auch das reguläre Training im Hallenbad an. Man habe auch Zusatzqualifikationen um Kinder mit Beeinträchtigung wie beispielsweise Down-Syndrom zu unterrichten. Zudem gebe es für einkommensschwache Eltern die Möglichkeit, die Schwimmkurse über das Bildungspaket des Jobcenters abrechnen zu lassen.

Alle zehn Kinder des aktuellen Kurses haben nach zwölf Tagen das "Seepferdchen" bestanden. Glücklich nehmen sie das Abzeichen entgegen. Sie sollten nun fleißig und regelmäßig üben, sonst verlernen sie ihre neu gewonnene Fähigkeit wieder und verlieren die Sicherheit im Wasser. "Wir Ausbilder sind auch ein bisschen stolz", so das Fazit von Angela Racke. Man sieht es ihr an. "Und die Kinder sind auch stolz. Die haben das toll gemacht, die Schatzis."

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