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St. Georgen Schimmel-Alarm an Robert-Gerwig-Schule

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Die Fundamente, Fallrohre und Kanäle der Robert-Gerwig-Schule müssen aufwendig saniert werden. Foto: Vaas

St. Georgen - "Das ganze Gebäude wird abgesägt", sagt Architekt Jörg Haas und will damit die Feuchtigkeit und den Schimmel aus dem Altbau der Robert-Gerwig-Schule vertreiben. Über 1,1 Millionen Euro sind dafür erforderlich. Die Arbeiten dauern voraussichtlich zwischen einen halben und einem dreiviertel Jahr. Die Weichen hierfür stellte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung.

Im Frühjahr gab es Schimmelalarm im Untergeschoss des über Hundert Jahre alten Gebäudes. Dort befand sich auch der Werkraum. Unterricht war hier nicht mehr möglich. Dieser wurde für eine Übergangszeit ins Bildungszentrum verlegt. Das Stadtbauamt begann nach den Ursachen der Feuchtigkeit zu suchen und zog Architekt Jörg Haas aus St. Georgen zu Rate. Untersuchungen ergaben, dass der Schimmel entsteht, weil die Innenwände feucht sind.

Unabhängig von der künftigen Nutzung muss eine Sanierung erfolgen, war sich der Gemeinderat einig. Erste Kostenschätzungen gingen von rund 300 000 Euro aus. Für die Haushaltsberatungen reichte es nicht mehr ganz. Im Haushalt für dieses Jahr wurde deshalb nur knapp die Hälfte eingestellt.

Bürgermeister Rieger: ein erhaltenswertes Gebäude

Bürgermeister Michael Rieger räumte jetzt im Gemeinderat ein, vom Umfang der Maßnahme und den neuen Zahlen überrascht worden zu sein. Es handle sich aber um ein sehr schönes, erhaltenswertes Gebäude. Stadtbaumeister Alexander Tröndle unterstrich, eine vernünftige Sanierung sei erforderlich. Um ganz sicher zu gehen, sei ein Sachverständiger eingeschaltet worden. Dieser empfahl dringend, neben einer vertikalen auch eine horizontale Sperre einzubauen. Ein Problem sei dabei aber das 80 Zentimeter dicke Mauerwerk.

Jörg Haas berichtete über seine umfassende Bestandsaufnahme. Alle Regenwasserfallrohre, teilweise noch aus Beton, sind gebrochen, Abläufe verstopft oder gar nicht mehr vorhanden. Das Wasser versickert im Erdreich. Desolat sind auch die Kanäle. Das Wasser läuft ins Mauerwerk. Der Boden hat sich um zehn Zentimeter gewölbt. Früher befanden sich im Gebäude auch öffentliche Wannenbäder. Deshalb sei nicht sicher, ob alle Kanäle heute noch benötigt werden. Möglicherweise gehörte ein entdecktes Rohr mit 25 Zentimeter Durchmesser zum früheren öffentlichen Kanal, der heute entlang der Schulstraße verlaufe. Regen- und Abwasser sollen jetzt getrennt und neu geführt werden.

Da es sich um ein Bruchsteinmauerwerk handelt, ist eine vertikale Absperrung der Mauer und gleichzeitig eine statische Ertüchtigung des Fundaments vorgesehen. Dafür wird eine Vorschale eines wasserdichten Betons notwendig.

Für die horizontale Absperrung muss das Mauerwerk durchgesägt werden. Eine Betonsäge hört bei 60 Zentimeter auf. Die Mauern sind aber 80 Zentimeter dick und können teilweise auch einen Meter erreichen. Die Lösung bringt eine Seilsäge, allerdings ist es das teuerste Verfahren. Ein Meter Sägen kostet 370 Euro.

Die Außenwand ist 160 Meter lang. In den Hohlraum wird Stahlblech oder glasfaserverstärkte Folie eingepasst. Alle Böden müssen raus. Das ist nur mit einem kleinen Bagger möglich, was ebenfalls nicht ganz billig ist, so Jörg Haas. Über Tausend Quadratmeter Putz müssen abgeschlagen und später wieder aufgebracht werden. "Viele Teilsachen bringen die Mehrkosten", lautete sein Fazit.

Der Sachverständige Erik Fischer vom Ingenieurbüro Kurz und Fischer bestätigte die Bilanz des Architekten. Das Gebäude habe keine Abdichtung. Es gebe nur nicht funktionsfähige Versuche. Der Werkraum hatte seiner Ansicht nach früher nur eine untergeordnete Funktion. Die Innenwände wurden schön gestrichen, die Feuchtigkeit dringt aber ein. In einem auch als PC-Raum genutzten Bereich dringt gar Wasser über eine Fensterbank ein.

Bohrungen haben gezeigt, dass es von unten nach oben trockener, aber nicht ganz trocken wird. Der Sachverständige unterstrich, ohne eine Sperre steigt die Feuchtigkeit, beim Sandstein bis zu 15 Meter hoch.

Bestandsaufnahme ist Voraussetzung

Der Bürgermeister betonte, vor dem Sägen muss eine Bestandsaufnahme erfolgen. Damit kann dokumentiert werden, wenn durch die Arbeiten Risse entstehen.

Gerhard Jäckle (Freie Wähler) hat "Bauchweh" bei den geplanten Dichtungen. Jörg Haas hat bereits zwei, drei Projekte erfolgreich in der Bergstadt realisiert. "In der Hebelstraße hat es funktioniert", versicherte er.

Georg Wentz (FDP) meldete beim Umfang der Maßnahme Bedenken an. In dieser Lage gibt es seiner Meinung nach kein Grundwasser. "Das hätte man in über Hundert Jahren merken müssen", unterstrich er und sieht in den gebrochenen Fallrohren die eigentliche Ursache.

Erik Fischer hielt dagegen, Bodenfeuchtigkeit sei immer vorhanden, der Regen die Ursache, dass jetzt alles sichtbar wird.

Der Schulbetrieb wird durch die Sägegeräusche nicht beeinträchtigt, erfuhr Manfred Scherer (CDU) auf Nachfrage.

Joachim Kleiner (Freie Wähler) sprach von einem schönen, erhaltenswerten Gebäude, das nicht nur 20 Jahre, sondern für sehr lange Zeit halten muss.

Oliver Freischlader (SPD) versicherte, der Gemeinderat wolle das Stadtbild verbessern, aber Gutes erhalten, auch wenn es etwas koste.

Manfred Scherer (CDU) befürwortete die Pläne, "wenn‘s nicht anders geht". Bäsch (FDP) wollte sich auf den Rat der Fachleute verlassen.

Bürgermeister Michael Rieger wollte vom Fachmann wissen, was im schlimmsten Fall passiert, wenn nicht bald mit der Sanierung begonnen wird.

Erik Fischer wusste: "Wenn Schimmel im Haus ist, hält der Gemeinderat den Druck der Eltern nicht lange aus".

Komplettmaßnahme auf den Weg gebracht

Bei zwei Enthaltungen (Georg Wentz und André Müller) sprach sich der Gemeinderat für die Komplettmaßnahme aus. Die Abdichtung vertikal soll 263 000 Euro, die Abdichtung horizontal 230 000 Euro, die Sanierung der Bodenfläche und Wände 430 000 Euro kosten. Die Honorare für Architekten- und Ingenieurleistungen liegen bei 185 000 Euro. Demnach sind nach derzeitigem Stand rund 1,11 Millionen Euro erforderlich.

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