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St. Georgen Roter Teppich im Eingang ausgerollt

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Die Siebtklässler beschriften ein T-Shirt mit Schimpfwörtern aus ihrer Schülersprache. Foto: Rösch-Isak Foto: Schwarzwälder Bote

In den meisten katholischen Kirchen finden sich entlang der Seitenwände von Künstlern gestaltete Bilder des Leidenswegs Jesu mit 14 Stationen. Einen solchen Kreuzweg gibt es auch in Form von 14 wunderschön leuchtenden Glasfenstern in der St. Georgskirche.

St. Georgen (cri). Seit Neuestem gibt es an verschiedenen religiösen Orten sogenannte Osterwege. Die katholische Religionslehrerin Christine Rösch-Isak hat einen davon beim Erstkommunionausflug im Kloster Gengenbach kennengelernt. Die Franziskanerinnen hatten in ihrem Exerzitienhaus La Verna Außenanlagen und verschiedene Räume gestaltet, wo Kinder die Leidensgeschichte Jesu bis hin zu seiner Auferstehung nachvollziehen konnten.

Begeistert von dieser Idee wollte die Religionslehrerin solch einen Osterweg in diesem Jahr auch in St Georgen gestalten. Ziel für sie war, dass möglichst viele Kinder diesen Osterweg miterleben können, Kinder, von denen viele nicht mehr in eine Kirche kommen. So streifte sie durch die Robert-Gerwig-Schule und fand diese hierfür sehr geeignet. Es war für sie ein reizvoller Gedanke, den Glauben mitten im Alltag einer Schule verorten und ausdrücken zu können. Sie fand für ihre Idee volle Unterstützung bei Rektor Jörg Westermann und dem gesamten Lehrerkollegium.

Mit ihrer "Einsatztruppe", den Siebtklässlern aus dem katholischen Religionsunterricht, fing sie an, sechs Stationen in der Schule zu gestalten. Da wurde im Eingangsbereich der rote Teppich ausgerollt und das Treppengeländer mit Blumen geschmückt. Beim Treppenaufgang ist nicht aus der Bibel, sondern aus dem Grundgesetz zu lesen: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Alle Schüler sollen sich morgens beim Betreten der Schule ihrer königlichen Würde gewahr werden, die jedem Menschen zusteht. Eine Würde, die sich auch Jesus beim Einzug in Jerusalem bis zu seinem Tod am Kreuz trotz aller Entwürdigungen bewahrt hat.

Auf dem Chefsessel spüren sie die Macht

Wer dem Osterweg weiter folgt, gelangt in die Mensa. Dort ist ein Tisch mit 13 Stühlen aufgestellt. Es lassen sich schnell beliebig viele Stühle aus der Mensa dazustellen, sodass je nach Klassengröße alle ihren Platz an diesem Tisch haben. Der Abendmahlstisch Jesu kann so auch als Symbol für den Tisch der Welt stehen, wo Menschen aller Nationen und Religionen sitzen und miteinander das Brot in Frieden teilen.

Danach führt die Treppe abwärts in die dunklen Niederungen des Menschseins. Da steht ein schwarzer Chefsessel mit der Frage: "Wen verurteilst du?". Die jungen Leute finden es äußerst verlockend, einmal auf solch einem Sessel als "Boss" zu sitzen und die Macht zu spüren, die man da fühlen kann.

Mit Schimpfwörtern aus der Schülersprache

Nicht weit davon hängt auf einem Kleiderbügel, an einem Kartenständer befestigt, ein rotes T-Shirt, das die Siebtklässler mit Schimpfwörtern aus ihrer Schülersprache beschriftet haben. Es sind auch anderssprachige Wörter zu finden. Schnell wird den Schülern klar: "Auch wir beleidigen andere tagtäglich". Stecknadeln, die man in das mit Schaumstoff ausfütterte T-Shirt stecken darf, drücken die Stiche aus, die wir anderen immer wieder zusetzen.

Jetzt geht es den langen Gang nach hinten. Dieser wurde einst von Schülern farbenfroh bemalt. Ganz hinten liegt ein großes Kreuz auf dem Boden mit der Frage: "Wann schlägst du zu?". Die Schüler stehen betroffen da. Sie werden aufgefordert, selbst Hammer und Nägel zu nehmen und symbolisch für die Gewalttaten auf der Welt einmal tatkräftig zuzuschlagen.

Nachdem dies "vollbracht ist", führt der Osterweg die Schüler hinauf in das allerhöchste Zimmer der Robert-Gerwig-Schule. Es ist der Vorraum vor dem Musiksaal. Hier besteht eine ganz große Aussicht in die Weite und in den Himmel. Dort steht die große Osterkerze, die die Siebtklässler von Johannes Hilser, dem Mesner der katholischen Kirche, eigens für den Osterweg geschenkt bekommen haben.

Die jungen Leute nehmen nach dem faszinierenden Blick aus dem Fenster Platz im aufgestellten Stuhlkreis. Jeder bekommt aus dem Medienkoffer der Lehrerin einen gelben und einen schwarzen Streifen. Nachdenklich legt nun jeder der Reihe nach strahlenförmig rund um die entzündete Kerze ausgesprochen oder unausgesprochen seine Sorgen, Ängste und Traurigkeiten nieder, dazwischen aber auch die frohen, hellen und himmlischen Gedanken. Unter den älteren Schülern kommen da auch ernsthafte Gespräche über die Frage auf, ob es eine Auferstehung und damit ein Leben nach dem Tod gibt.

Die österliche Verheißung des Liedverses "Der Himmel geht über allen auf, auf alle über, über allen auf," soll alle hoffnungsvoll begleiten, wenn sie nun wieder in den Schulalltag hinuntersteigen, um ihren Unterricht fortzusetzen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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