Foto: Hans-Jürgen Kommert

Auf und Ab der Gefühle: Rund 150 Fußballfans verfolgen im Brigachhaus das Spiel Deutschland gegen Ghana.

St. Georgen-Brigach - Es würde zwar jeden Engländer erstaunt die Augenbrauen hochziehen lassen, das "Denglische" Wort "Public Viewing", doch in Deutschland hat es sich durchgesetzt für das gemeinsame Fernsehen bestimmter Ereignisse auf Großleinwand.

Was in England eine "Öffentliche Aufbahrung" von Verstorbenen ist, wird eben in Deutschland speziell bei großen Sportspektakeln eingesetzt, die man einfach lieber kollektiv anschaut, wie derzeit die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. In Brigach hat der Ortschaftsrat beschlossen, eine seiner bekannten Gemeinschaftsaktionen anzubieten. Eine geplante Sonnwendfeier wurde kurzerhand zu einem "Public Viewing" mit Verpflegung umgewandelt.

Vor dem Brigachhaus hatten die Ortschaftsratsmitglieder Stände mit Grillwurst, gekühlten nichtalkoholischen Getränken, Bier vom Fass sowie "Vanilletraum" aufgebaut. Verkauft wurde vor dem Spiel der Deutschen Nationalmannschaft, in der Pause und selbstredend auch danach. Wer mittendrin Durst bekam, wurde nicht sitzen gelassen. Ein kleiner Fernseher war draußen extra aufgebaut.

Zum Deutschlandspiel strömen die Besucher

Zwar waren die Ortschaftsräte bereits ab 18 Uhr, beim Spiel Argentinien gegen den Irak zur Stelle, doch Besucher trudelten in dieser Zeit nur wenige ein. Das änderte sich langsam zwischen 20 und 21 Uhr. Da fielen sie regelrecht aus allen Richtungen ein.

Rund 150 Besucher durchlebten dann im Brigachhaus kollektiv alle Gefühlslagen. Von der Begeisterung über das 1:0, dem Schock über den Ausgleich bis hin zum Entsetzen über die Führung der Ghanaer und deren anschließendem Drängen auf die Entscheidung durch ein drittes Tor. Am Rande der Niederlage keimte dann wieder Hoffnung auf. Unbeschreiblicher Jubel brandete auf über den Ausgleich durch Miro Kloses unvergleichliches Tor. Und dann erlebten sie in den letzten Minuten das vergebliche Aufbäumen der eigenen Nationalmannschaft.

Es sei schon etwas anderes, solche Erlebnisse zu teilen und nicht allein im stillen Kämmerlein zu verharren, hörte man von vielen Besuchern. Und ein Lob bekamen auch die Männer und Frauen des Ortschaftsrats, die solche Feste einfach gut auf die Beine stellen können.