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St. Georgen Kunst erklingt auf ungewohnte Weise

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Besondere Klanginstallationen können derzeit im Ausstellungsraum von Global Forest besichtigt werden. Die Installationen kamen bei einem Konzert zum Einsatz.Foto: Global Forest Foto: Schwarzwälder Bote

Ein besonderes Konzert gab es im Ausstellungsraum von Global Forest in der Friedrichstraße 5a. Dabei entpuppten sich Kunstwerke als Instrumente.

St. Georgen (rtr). In einem Doppelkonzert zusammen mit Karen Geyer, ebenfalls Kurzzeit-Residentin bei Global Forest, bespielten Christian Faubel und Ralf Schreiber ihre Installation "Schwarzwald Tonal".

Coronabedingt haben lediglich sieben Besucher die Darbietungen live vor Ort erlebt, über einen Online-Live–stream haben weitere 17 Besucher den Abend mitverfolgt.

Gebilde aus Ästen

Zum Abschluss ihres Aufenthaltes in der Künstlerresidenz hatten Christian Faubel und Ralf Schreiber ein aus gefundenen Ästen und mit Gummibändern zusammengefügtes Gebilde im Ausstellungsraum inszeniert. An dem Gebilde hingen Kabel, Dioden und kleine Motoren an denen natürliche und artifizielle Gegenstände befestigt waren. Durch die Rotation der Motoren bewegt rutschten, scharrten und klopften diese an die Äste. Die zum Klingen gebrachten Gegenstände wurden verstärkt, manipuliert und von den Künstlern zu einer eigenwilligen Komposition zusammengefügt.

Alltägliches arrangiert

Nach der gut 40-minütigen Vorführung machte sich Karen Geyer an ihr Soundpiece. Auf einem Arbeitstisch waren verschiedene technische, alltägliche und alchemistisch anmutende Dinge arrangiert. Auch diese wurden abgenommen, verstärkt und sensibel zu einem repetitiv-intuitiven Track komponiert. Die 30-minütige Performance war erst der Auftakt zu Geyers Aufenthalt während der kommenden Wochen in St. Georgen.

Spontanes Trio

Spontan haben sich am Ende des Abends die Künstler zu einem Trio zusammengetan und eine Zugabe dargeboten. Ihre überschneidende Arbeitsweise durch das zum Klingen bringen von Gegenständen durch Piezos hat eine weitere ungewöhnliche Komposition hervorgezaubert. Mitschnitte des Abends waren am Sonntag im Züricher Radio zu hören. Die Ast-Installation von Faubel und Schreiber kann noch bis Anfang November nach Absprache in der Friedrichstraße 5a besichtigt werden.

Zu den Künstlern

Karen Geyer ist in Konstanz geboren und als Klangkünstlerin zwischen Zürich und New York tätig. Unter dem Namen Grauton erfindet sie selbstgebaute, mechanische Objekte, deren Klänge sie mit Kontaktmikrofonen abnimmt, verstärkt und von ihrem Mischpult aus wie ein Orchester dirigiert. Die Instrumente bestehen meist aus zweckentfremdeten Alltagsgegenständen, wie Fahrrädern, Ventilatoren, Wasserkocher, Hocker oder Elektromotoren, die Geyer durch einfache Materialien wie Holz, Draht, Gummi, Schnur oder Kreppband manipuliert. Die Objekte werden so konzipiert, dass sie sich durch in der Konstruktion angelegte Bewegungsmomente selbst spielen. Zufällige Einflüsse von außen verleihen diesem automatisierten Spiel dabei zusätzliche Varianz.

Christian Faubel ist interdisziplinärer Wissenschaftler und Künstler, der an den Schnittstellen von Robotik, Neurowissenschaften, Psychologie, Medienkunst und Design forscht. Er ist Professor für Smart Connected Products an der Technischen Hochschule Köln und lehrt dort im Studiengang Code & Context. In seiner künstlerischen Arbeit interessiert ihn, was autonomes Verhalten ermöglicht und wie komplexes Verhalten aus dem Zusammenspiel und den Interaktionsdynamiken einfacher Elemente entstehen kann. Mit seinen Installationen, Workshops und Performances macht er theoretische Konzepte wie Selbstorganisation, Emergenz und Embodiment ästhetisch erfahrbar und sieht seine Arbeiten in der Tradition philosophischer Spielzeuge.

Ralf Schreiber arbeitet mit Elektronik, mit Motoren, Mikrofonen und Kleinstlautsprechern. Damit entstehen kinetische Klang- und Lichtinstallationen sowie elektronische Musik. Seine Arbeiten haben einen spielerischen und experimentellen Ansatz. Es geht um minimale Robotik, um zufällige Prozesse und selbsterhaltende Systeme. Für die Stromversorgung kommen häufig kleine Solarzellen zum Einsatz, mit denen er niederenergetische Umwandlungsprozesse von Licht in Bewegung und Klang erforscht. Der Output seiner Installationen ist meist minimal, das heißt, die Klänge sind sehr leise, die Bewegungen bisweilen an der Grenze der Wahrnehmung.

Weitere Informationen: Die Klanginstallation im Ausstellungsraum von Global Forest, Friedrichstraße 5a, kann bis 1. November auf Anfrage an info@global-forest.com besichtigt werden.

Der Kunstverein Global Forest aus St. Georgen erhält 20 150 Euro Projektförderung aus dem Impulsprogramm "Kunst trotz Abstand" des Landes Baden-Württemberg, wie Landtagsabgeordneter Karl Rombach (CDU) mitteilt. "Trotz Corona sollen Kunst und Kultur weitergehen", erklärt Rombach. "Das Land fördert daher in der dritten Förderrunde des Impulsprogramms ›Kunst trotz Abstand‹ mit 1,7 Millionen Euro 66 Projekte aus den Bereichen Clubkultur, Musik, Performance, Bildende Kunst, Literatur, Soziokultur, Theater und Breitenkultur." Eine vierte Förderrunde sei schon in Planung, rund eine Million Euro stünden dafür zur Verfügung.

Jessica Twitchell von Global Forest freut sich über die Förderung: "Wir haben uns mit einem Programm beworben, das vorsieht, im Zeitraum Ende Dezember bis Ende Juli insgesamt sieben künstlerische Positionen in der Friedrichstraße 5a zu beherbergen und deren verschiedene Formate in der Abschlusspräsentation auszustellen." Es seien ganz unterschiedliche nationale und internationale Künstler aus den Feldern Klang, Performance, Malerei, Zeichnung, Kunst und Technik eingeladen.

Die Veranstaltungen werden mit begrenzter Teilnehmerzahl vor Ort oder über Livestreams von überall aus zu sehen sein. Außerdem wird es im kommenden Jahr eine Reihe von Workshops sowie das alljährliche Vogelklang-Fest geben, blickt Twitchell voraus. "Wir freuen uns besonders darüber, dass wir durch das Ministerium die Anschlussförderung bekommen, welche unserem Kunstverein ein nahtloses Weitermachen garantiert."

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