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Digital zusammengebaut, im Schwarzwald gefertigt: Abnehmer aus aller Welt kaufen Zeitmesser schon längst nicht mehr nur vor Ort: Das beweist die jüngste Veranstaltung von Imsimity

Traditionell trifft sich das Unternehmen Imsimity im Showroom, um Kunden Ideen zur virtuellen Realität zu erläutern. Dies ist derzeit nicht möglich. Das Technologieunternehmen reagiert mit dem ersten Online-Meet-up.

St. Georgen. Erstmalig in seiner Geschichte hat das Technologieunternehmen Imsimity dieser Tage ein sogenanntes Online-Meet-up abgehalten. Und das, obwohl das Unternehmen eigentlich lieber Partner und Kunden vor Ort zu sich in den Showroom einlädt. Denn dort lässt sich gut veranschaulichen, wie virtuelle Ideen in einer realen Umgebung umgesetzt werden können.

Die Idee eines digitalen Zusammenkommens ist Corona geschuldet. Imsimity Geschäftsführer Martin Zimmermann erzählt, wie das erste Online-Meet-up gelaufen ist und welche Vor- und Nachteile er dabei wahrnahm. Seine markanteste Feststellung hierbei: Ein "original Schwarzwälder Speckversper" ist im Digitalen so nicht möglich.

Jeder kann zu Hause am Bildschirm alles mitverfolgen

Das besondere bei dem neu geschaffenen Online-Angebot ist: Jeder kann sich von zu Hause aus in die Treffen einklinken. Imsimity öffnet damit seinen Showroom für ein breiteres Publikum. Die digitalen Angebote stehen nun allen Interessierten kostenlos im Web zur Verfügung.

Das Thema des jüngsten Online-Meet-ups: Digitalisierung im Handel. Wie man in der Zukunft einkaufen geht, könnte dann so aussehen: Ein Kunde steht vor Ort im Verkaufsraum eines Elektronikgeschäfts. Soweit handelt es sich um eine reale Einkaufssituation. Der Unterschied zum gewohnten Bild: Auf dem Kopf trägt der Kunde eine spezielle Brille. Mit dieser Applikation taucht er in eine Welt ein, die Fachleute als "mixed reality" bezeichnen.

Zur realen Wahrnehmung – der Kunde bewegt sich wie gewohnt im Ladengeschäft – tritt eine virtuelle Dimension hinzu. Die Brille vermittelt Zusatzinformationen: berät in Sachen Preis-Leistung, hilft bei der Suche nach der passenden Produktart oder -größe, zeigt an, wann eine Ware voraussichtlich wieder verfügbar ist. Kurzum: Die Applikation ersetzt den Verkaufsberater im Laden oder steht zur Verfügung, wenn dieser mal nicht da ist.

Hintergrund der Meet-ups ist es schon immer, Menschen die Anwendungsmöglichkeiten solcher Technologien, wie Extended Reality (XR), zu zeigen. Dazu treffen sich regelmäßig Unternehmen, Wirtschaftsverbände, Wissenschaftler und andere Beteiligte. Beim jüngsten Online-Meeting waren unter anderem auch Vertreter des Bundestagsbüro anwesend.

Das Webinar sei gut angenommen worden, insgesamt 60 Teilnehmer habe es gegeben, teilt der Geschäftsführer des Unternehmens mit. Dies könnte auch am Thema der Sitzung gelegen haben.

Kunden fertigen Produkt selbst nach deren Wunsch

"Digitalisierung im Handel ist für die angesprochene Zielgruppe sehr wichtig", folgert Zimmermann. Speziell auch in Corona-Zeiten. Zimmermann nennt das Unternehmen Haus der 1000 Uhren in Triberg, das ebenfalls beim digitalen Meet-up dabei war.

Die meisten ausländischen Kunden bleiben fern, aber dies trifft das Unternehmen nicht ganz so hart. Mittlerweile können die Kunden aus Asien und der ganzen Welt einfach virtuell die Uhrenwerkstatt besuchen. Mit aufgezogener Brille, oder einfach auf dem Computerbildschirm, bauen die Kunden selbst ihre Wunschuhr zusammen.

Das Ergebnis wird digital festgehalten, dann wird individuell nach Kundenwunsch produziert. "Die Rede ist hier von einem Unternehmen mit 30 Mitarbeitern", betont Zimmermann. "Innovationen im Einzelhandel müssen nicht in München oder Berlin stattfinden, sondern können auch im tiefen Schwarzwald geschehen."

"Brauchen wir nun die Digitalisierung oder brauchen wir sie nicht?", fragt Digital-Pionier Zimmermann schon fast rhetorisch. Hier wünsche sich Zimmermann eine objektivere Diskussion in der Gesellschaft. Schließlich habe sie jetzt jeder selbst erlebt.

Meet-ups im Web ergänzen die realen Treffen

Doch auch einige Nachteile gebe es bei den digitalen Treffen, stellt Zimmermann fest. Durch die reine Videokonferenz bleibe eine "immersive Erfahrung" aus, das wirkliche Eintauchen in die virtuelle Welt sei dabei nicht unbedingt gegeben. Lediglich die Brillenansicht wurde auf die Bildschirme der Teilnehmer wiedergegeben.

Als großen Vorteil in den Webinaren sieht Geschäftsführer Zimmermann die Möglichkeit, schlichtweg "mehr Leute zu erreichen". Dies wolle man beibehalten. Jetzt da man die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen habe. Die Webinare bleiben also in Zukunft für die breite Masse offen.

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