Theater: Deutsch-kolumbianische Aufführung feiert Premiere / Kritik an menschlichem Verhalten
Das deutsch-kolumbianische Musiktheater lockte bei seiner Premiere in der Stadthalle zahlreiche Zuschauer an. Das Thema – ein heiler Planet – scheint den Nerv der Zeit zu treffen. Der narzisstischen Gesellschaft hebt es einen Spiegel vor.
S t. Georgen. Man stelle sich vor, die Welt bekäme noch eine Chance. Einfach auf einem heilen Planeten neu anfangen. In einer undatierten Zukunft nimmt man diese Chance liebend gerne an, hat der Mensch die Erde doch in seinem Zerstörungswahn zugrunde gerichtet. Angesichts von Hunger und Ausweglosigkeit kommt das Angebot des unbescholtenen Planeten Tambora mehr als recht. Doch kann man einem so friedvollen Planeten trauen?
Die Regierung beschließt, erst einmal die Kinder als Versuchskaninchen hinzuschicken. Damit beginnt auf dem paradiesischen Fleckchen irgendwo im Universum ein bitterböses Spiel, in dem es so einige Opfer geben soll – denn gelernt hat der Mensch nichts aus seinen Fehlern.
Viele Zuschauer lockte die Premiere des deutsch-kolumbianischen Musiktheaters, einer Kooperation des Thomas-Strittmatter-Gymnasiums und der Escuela Normal Superior María Auxiliadora Copacabana aus Kolumbien, in die Stadthalle. Das gesellschaftskritische Stück trifft mit seiner Thematik den Nerv der Zeit – direkte Lösungen für das Klimadebakel präsentiert es dabei keine. Vielmehr zeigt es die Abgründe der menschlichen Psyche auf und hält der zum Herdentrieb neigenden, narzisstischen Ego-Gesellschaft gekonnt einen Spiegel vor.
Sehenswert ist das Stück vor allem aufgrund des brillanten Spiels der Jungschauspieler aus Deutschland und Kolumbien, die es vermögen, die inhaltliche Dramatik überzeugend auf die Bühne zu bringen. Bereichert wurde die Aufführung darüber hinaus durch das Profilorchester und die Jazzcrew des Gymnasiums, die aus dem eigentlichen Theaterstück schließlich ein Musiktheater machten.
Gutes, lohnendes Stück, das zum Nachdenken anregen soll
Von einem "guten, lohnenden Stück, das zum Nachdenken anregen soll", sprach Lehrerin Michaela Conzelmann. Dessen Aufführung waren 18 Monate Probezeit vorausgegangen. "Eine sehr intensive Zeit", so die Lehrerin. Der erste Kontakt mit der kolumbianischen Schule war zunächst ein virtueller: 2016 kamen die Schüler über den "Chat der Welten" in Kontakt.
Durch gegenseitige Besuche sei die Zusammenarbeit immer enger geworden. Das Ergebnis der interkulturellen Kooperation kann sich sehen lassen: Als eines von 16 Projekten ist sie für den Lotto-Musiktheaterpreis nominiert.
Wer das Theaterstück sehen möchte, hat hierzu am Donnerstag, 12. März, sowie am Freitag, 13. März, die Gelegenheit. Jeweils um 19 Uhr wird "Tambora – New World" noch einmal in der Stadthalle aufgeführt. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.