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St. Georgen Kaum entdeckt, schon wieder weg

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Auf dem Schulhof finden derzeit Ausgrabungen statt. Fotos: Klossek Foto: Schwarzwälder Bote

Vom Können der Bauherren über die Länge von Transportwegen bis hin zu Entwässerungsplänen: Die Ausgrabungen auf dem Robert-Gerwig-Schulhof geben interessante Einblicke in das Mittelalter. Allerdings ist es ein Anblick, der nicht lange währt.

St. Georgen. Es ist ein trüber Herbsttag, dicke Wolken am grauen Himmel kündigen Regen an. Doch trotz des durchwachsenen Wetters versammeln sich zahlreiche Interessierte am Montagnachmittag rund um die große Baugrube im Hof der Robert-Gerwig-Schule. Sie alle wollen aus erster Hand hören, wie aus einer einfachen Baustelle eine echte Ausgrabungsstätte wurde.

Dass es sich hier um einen Fund handelt, den keiner erwartet hat –­ mit diesem Vorurteil räumt Bertram Jenisch vom Landesamt für Denkmalpflege gleich zu Beginn auf. Es sei klar gewesen, dass man in einen "historisch relevanten" Bereich eingreife. "Für mich war es keine besondere Überraschung", sagt er über die Funde im Allgemeinen.

Doch er räumt gleichzeitig ein: die Qualität der Ausgrabungsstücke, deren Massivität und wie schnell sie zu tage gefördert wurden, seien erstaunlich gewesen. "Das ging aus den früheren Dokumentationen nicht hervor, wir wussten über die Höhenverhältnisse reichlich wenig."

In Fällen wie diesen müsse man immer abwägen, wie man weiter vorgeht, sowohl die Baumaßnahme an sich als auch den Denkmalschutz in die Überlegungen miteinbeziehen. So sei an einer der Fundstellen beispielsweise eine Zisterne für Regenwasser geplant gewesen, die man daraufhin um zwei Meter verschieben musste. "Das sind die Kompromisse, die wir suchen", erklärte Jenisch.

Der Experte ging auf die einzelnen Funde ein, darunter ein gut erhaltenes Fenstergewände, das er als "absolutes Meisterstück" bezeichnete. Das könne auf die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts datiert werden. Auch kleinere Funde waren unter den Ausgrabungsschätzen, darunter eine Ofenkachel und eine Bodenfliese. Selbst Letztere gab aufgrund des Verlegemusters Aufschlüsse über das Aussehen der Klosterböden.

"Von wegen finsteres Mittelalter", kommentierte Jenisch das Können der Baumeister. Das Kloster liege demnach auf gleicher Höhe wie die Schule, man habe also schon früher gewusst, wo man am besten das Fundament legt und – auch das beweisen die Funde – wo Durchgänge für Wasser nötig sind.

So spannend die Überreste auch sind, so schnell verschwinden sie allerdings wieder in der Erde. Denn wer nun gehofft hat, dass rund um den Schulhof eine Ausgrabungsstätte entsteht, den muss Jenisch enttäuschen. "Wir hätten eine Kraterlandschaft, die für die Schule nicht nutzbar wäre", so der Experte. "Und wir können auch nicht einfach eine Glasplatte darüberlegen."

Neben Kondenswasser, das die Sicht schnell nehmen würde, würde die Erddurchfeuchtung für Veralgungen sorgen. "Es ist konsequenter, es abzudecken, um es zu erhalten. Und auch wirtschaftlicher." Lediglich die nicht im Untergrund befestigten Stücke wie das Fenstergewände kehren nach den Untersuchungen nach St. Georgen zurück.

Die besonderen Schätze sind also nicht mehr lange in Gänze zu sehen, die Dokumentationen sind in den letzten Zügen. Wenn die Vermessungen fertig sind, auch das letzte Steinchen fotografiert ist, wird im Computer ein 3D-Modell erstellt. Was sich noch für Funde unter der Erde verbergen, bleibt offen. "Alles, was über die Maßnahme hinausgeht, werden wir nicht machen", erklärt Jenisch.

Es gelte, zu differenzieren. Denn es geht in St. Georgen nicht um eine Forschungsgrabung, sondern um die Begleitung von Bauarbeiten. Und auch Sascha Schmidt, Geschäftsführer des Büros für Archäologie und Grabungstechnik Fodilus, bestätigt: "Die Baubegleitung öffnet eben nur ein Fenster an einer Stelle, die sich ein Archäologe nicht ausgesucht hat."

Doch ganz in Vergessenheit sollen die Gemäuer nicht geraten, wenn sie wieder im Erdboden verschwinden. Derzeitige Pläne der Stadt sehen vor, dass man das Kloster eines Tages irgendwie auf dem Schulhof wiederfindet – sei es durch Nachbauten oder Zeichnungen auf dem Boden. Dann wird die Geschichte auch oberhalb des Bodens erlebbar, während unten die archäologischen Funde konserviert und vor grauen Herbsttagen geschützt sind.

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