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St. Georgen "In der Schule lerne ich Hochdeutsch, bei der Arbeit Dialekt"

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Florije Sula, Geschäftsführerin der evangelischen Altenhilfe, betreut das Modellprojekt, im Rahmen dessen Sanneh Yahya (von links), Aboubacar Fofana, Sainey Kanyi, Jabesa Aweke und Ali Heidari verschiedene Ausbildungen bei der evangelischen Altenhilfe absolvieren. Foto: Klossek

St. Georgen - Im Oktober 2017 begannen im Rahmen eines Modellprojekts fünf Flüchtlinge bei der evangelischen Altenhilfe in St. Georgen eine Ausbildung. Die Bilanz nach einem Jahr: Vieles läuft gut, doch es gibt auch Probleme.

Als Sanneh Yahya beim Mittagessen von einer älteren Frau gefragt wird, ob sie noch ein "Weckle" haben könne, steht der junge Gambier vor einem Rätsel. "Ich habe sie wirklich nicht verstanden", erzählt Yahya. Erst eine Nachfrage bei einem Kollegen bringt Licht ins Dunkel. "Brötchen habe ich in der Schule gelernt, ›Weckle‹ nicht", meint er und lacht.

Projekt startet 2017

Verständigungsschwierigkeiten wie diese waren für Yahya früher keine Seltenheit. Mal sagt der ältere Herr "Ade" statt Tschüss, mal will die Seniorin eine "Weste" haben, obwohl Yahya dieses Kleidungsstück bislang nur als Jacke kannte. "In der Schule lerne ich Hochdeutsch, bei der Arbeit Dialekt", sagt er.

Dass die Sprachbarriere für die Flüchtlinge enorm ist, berichten auch Aboubacar Fofana, Sainey Kanyi, Jabesa Aweke und Ali Heidari. Sie alle absolvieren derzeit eine Ausbildung bei der evangelischen Altenhilfe. Hintergrund ist ein im Jahr 2017 gestartetes Verbundprojekt, das zum Ziel hat, Flüchtlinge für die Ausbildung zu Altenpflegehelfern und -fachkräften in diakonischen Einrichtungen zu gewinnen.

In St. Georgen betreut Florije Sula, Geschäftsführerin der evangelischen Altenhilfe, das Projekt. Für sie schlägt es zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen sucht man in der Pflege stets Personal, da immer weniger Menschen Berufe in diesem Sektor ergreifen. Zum anderen werden die Flüchtlinge auf diese Weise integriert.

Dabei betont sie auch, dass es für sie bei dem Flüchtlingsprojekt vor allem um den sozialen Aspekt geht und nicht um die bloße Rekrutierung von Mitarbeitern. "Wir haben uns hierfür bewusst als diakonischer Träger entschieden", sagt sie. Denn klar ist auch: Die fünf Azubis könnten in ihr Heimatland abgeschoben werden, keiner von ihnen hat eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung.

Positive Bilanz

Vor einem Jahr hatte die evangelische Altenhilfe über das Diakonische Werk in Villingen die Heimleitungen von Flüchtlingsunterkünften in der Region kontaktiert. Zwischen 30 und 40 Flüchtlinge gaben eine positive Rückmeldung und bekundeten Interesse an dem Projekt. Sie kamen zu einem Informationstag in die Bergstadt, bei der die evangelische Altenhilfe ihre Arbeit vorstellte. Etwa die Hälfte wurde daraufhin zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. "Um ein Verständnis für die Arbeit zu entwickeln, haben wir manchen Kandidaten dann Hospitationen angeboten", erklärt Sula.

Schlussendlich begannen fünf Flüchtlinge 2017 ihre Ausbildung, drei von ihnen – alle stammen aus Gambia –­ sind nach einem Jahr noch immer bei der evangelischen Altenhilfe angestellt. Zwei weitere Männer, ein Afghane und ein Äthiopier, haben vor wenigen Wochen ebenfalls eine Ausbildung begonnen. Immer wieder gebe es Anfragen, so Sula.

Die Bilanz der Geschäftsführerin fällt nach einem Jahr positiv aus. Ihr Eindruck: Die Flüchtlinge seien dankbar für die Chance, die Rückmeldungen von Bewohnern und Personal durchweg positiv. "Pflege muss man können und wollen", betont Sula in diesem Zusammenhang. "Und sie machen das mit viel Herz."

Für die fünf jungen Männer, so ihre Schilderungen, sei es bislang die richtige Entscheidung gewesen, einen Pflegeberuf zu erlernen. Die Arbeit vor Ort macht Spaß, die Schule ist allerdings aufgrund der vielen Fremdwörter, die es beispielsweise in Anatomie zu lernen gilt, eine Herausforderung. Und so fasst Ali Heidari in drei kurzen Sätzen zusammen, was bislang klappt und wo es hapert: "Die Arbeit ist sehr gut. Die Schule läuft etwas schwierig. Doch es gibt Hoffnung."

Die Flüchtlinge, die bei der evangelischen Altenhilfe in St. Georgen ihre Ausbildung machen, sind alle nicht anerkannt, sondern lediglich geduldet. Das heißt, ihr Aufenthaltsrecht ist an die Vorgabe geknüpft, dass sie eine Ausbildung absolvieren. Mit einem Vertrag für einen staatlich anerkannten oder vergleichbar geregelten Ausbildungsberuf dürfen sie auf bestimmte Zeit in Deutschland bleiben. Da sie alle aus Ländern stammen, die die Bundesregierung als sicher einstuft, hätte ein Ausbildungsabbruch die Abschiebung zur Folge.

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