Dietmar Will präsentiert den Blick vom Restaurant-Balkon. An warmen Sommerabenden könne man auch hier ein Gläschen Wein trinken, meint er. Foto: Klossek

Neue Anlaufstelle für Weinliebhaber. Wirtschaftskrise macht sich bei Übernachtungen bemerkbar.  

St. Georgen - In der Bergstadt ist derzeit einiges in Bewegung: Handel, Gewerbe und Industrie versuchen, die Corona-Krise zu überstehen. Auch im Hotel Kammerer beschreitet man nun neue Wege, um sich ein zweites Standbein aufzubauen.

Newsblog zur Ausbreitung des Coronavirus in der Region

Corona hat vielerorts die Menschen zum Umdenken gezwungen. Unternehmen lassen ihre Angestellten von zu Hause aus arbeiten, Gastronomen stellen auf Lieferservice um und Kirchengemeinden bieten digitale Gottesdienste an. Schwieriger haben es in dieser Beziehung die Hotels der Region: Was tun, wenn schlichtweg keine Gäste kommen?

Umsätze brechen weg

Vor ebendieser Herausforderung stand in den vergangenen Wochen auch das Hotel Kammerer. "Uns brechen die Umsätze weg", erklärt Inhaber Dietmar Will im Gespräch mit unserer Zeitung. Während die Buchungszahlen Mitte April nahezu gen Null liefen, sind touristische Übernachtungen mittlerweile zwar wieder erlaubt – doch dem Hotel hilft das relativ wenig. "Wir merken das fast überhaupt nicht", sagt er. "Die Mehrzahl unserer Gäste kommt aus dem Softwarebereich und der Industrie."

Die Familie Will profitiert also eigentlich von der heimischen Wirtschaft, die immer wieder für verschiedene Aufträge Reisende in die Stadt zieht. Angesichts der derzeitigen Krise bleiben viele dieser Besuche allerdings aus. "Ich bin ein Freund der Verhältnismäßigkeit", sagt Will über sich. Die Corona-Maßnahmen seien bis zu einem gewissen Grad für ihn nachvollziehbar. "Doch wenn wir mit den Maßnahmen eine Weltwirtschaft kaputt machen, ist keinem gedient."

Überangebot in der Stadt

Darüber hinaus merkt Will an, dass selbst in coronafreien Zeiten die Hotellerie ein heiß umkämpfter Markt ist. "Wir haben generell ein Überangebot", sagt er über die Szene in St. Georgen. Denn neben diversen Hotels gebe es auch mehrere Ferienwohnungen als Übernachtungsmöglichkeit. In der Spitzenzeit – mittlerweile sind bekanntermaßen das "Kailash Guest House" und der "Rosengarten" geschlossen – habe es 170 Betten mehr gegeben als zu seinen Anfangszeiten 2017.

Für Will ist daher klar: Investitionen sind das A und O, um auf dem Markt wettbewerbsfähig zu bleiben. In den vergangenen drei Jahren habe er daher drei Renovierungsphasen hinter sich gebracht, sowie mehrere Neugestaltungen. Die jüngste dieser Art soll nun dazu beitragen, dass sich das Hotel Kammerer ein zweites Standbein aufbauen kann: eine Vinothek, die das abendliche Gastronomieangebot in St. Georgen erweitern soll.

Dort, wo sich früher das Bistro für Hotelgäste befand, hat Will nun Platz für externe Gäste geschaffen. "Wenn es vorne nicht mehr ausreicht, haben wir auf der Terrasse und im hinteren Restaurantbereich noch Platz", erzählt er. Das Konzept ist simpel: Es gibt regionale, deutsche Küche und verschiedene Weine – vom Kaiserstuhl über ganz Deutschland bis hinaus in die Welt. Will steht dabei als Küchenmeister selbst hinter dem Herd.

Der erste Tag – seit dieser Woche hat das Hotel seine Vinothek geöffnet –­ blieb noch ohne erwähnenswerte Resonanz. Doch Will ist zuversichtlich: Sobald es sich erst einmal herumspricht, werden die St. Georgener das Angebot wahrnehmen.

Es sei angesichts der Krise nun wichtig, die lokalen Händler und Gewerbetreibenden zu unterstützen, damit es nach Corona auch noch das Angebot gebe, das derzeit vorherrsche. Und so endet er mit einem eindringlichen Appell: "Wir müssen einfach mehr darauf hinweisen: Leute, bleibt vor Ort."