Landschaftsökologe Holger Loritz referiert bei Jahreshauptversammlung des Imkervereins. Foto: Mittel­staedt Foto: Schwarzwälder-Bote

Landschaftsökologe wirbt bei den Imker für blühende Landschaften

Von Harald Mittelstaedt

St. Georgen. Mehr oder weniger positive Berichte aus dem Geschäftsjahr 2012 haben die Vorstandsmitglieder des Imkervereins bei der Jahreshauptversammlung präsentiert. Absoluter Höhepunkt des Abends war allerdings der Vortrag des Landschaftsökologen Holger Loritz aus Freiburg über Veränderungen in der Kulturlandschaft und Vorschlägen, wie man mit blühender Landschaft Grundlagen für Bienen und Insekten schaffen kann.

Mit welcher Begeisterung Imker ihrem Hobby nachgehen, demonstrierte eindrucksvoll Bernhard Müller zu Beginn der Versammlung. Der langjährige Vorsitzende und jetzige Stellvertreter der Vorsitzenden Barbara Hanke kam förmlich ins Schwärmen, als er den Versammelten selbst ihm bisher unbekannte Fakten über seine Lieblinge bekannt gab. So habe er aus sicherer Quelle erfahren, dass rund 85 Prozent der Erträge im Pflanzen- und Obstanbau in Deutschland ausschließlich von der Bestäubung der Honigbiene abhänge. Noch faszinierender findet er die Kilometer-Leistung, die eine Biene erbringen muss, um ein 500-Gramm-Glas Honig zu füllen. Sie entspreche in etwa einer zweifachen Erdumrundung.

Tausende verenden vor dem Stand

Im Berichtsjahr gab es allerdings auch Unerfreuliches zu berichten. So habe man in Langenschiltach beim Besuch eines Imkers miterleben müssen, wie Tausende kranke Bienen vor ihrem Stand verendeten. Auch die Honigernte im Jahr 2012 ist laut Schriftführer Josef Dorer nicht zufriedenstellend ausgefallen. Der Ertrag in den Monaten Juli und August habe gerade mal zur Selbstversorgung ausgereicht. Erfreulich sei indes der Verkauf von Honig und Bienenwachskerzen beim Weihnachtsmarkt verlaufen. Dies offenbar auch zur Freude von Kassierer Lothar Lehmann, der humorvoll anmerkte, dass sich in seinem Bericht nur die Zahlen, aber nicht der Text ändere. Stabil sei die Mitgliederzahl mit 30 Aktiven und einem passiven Mitglied, erfreulich der Anstieg um zehn auf jetzt 180 Bienenvölker.

Dass Bürgermeister Michael Rieger trotz derzeit vieler Vereinsversammlungen gerade die der Imker vorgezogen habe, begründete er mit der sehr persönlichen Einladung durch die Vorsitzende Barbara Hanke. "Meistens bekomme ich ja eine schriftliche Einladung. Dass Sie mich im Rahmen einer Bürgersprechstunde persönlich eingeladen und den Termin gleich mit mir abgestimmt haben, hat mir sehr imponiert", äußerte das Stadtoberhaupt. Gespannt sei er auch auf den Vortrag von Holger Loritz vom "Netzwerk für Blühende Landschaft". Das Bemühen des Netzwerkes, Siedlungen verstärkt zum Blühen zu bringen und somit Lebensräume für Bienen und wichtige Insekten zu schaffen, werde von ihm ausdrücklich begrüßt. Passend zum Vortrag konnte er verkünden, dass Stadtverwaltung und Gemeinderat bereits beschlossen haben, ausgesuchte Flächen in der Bergstadt mit Blumenschmuck zu versehen. Das sei auch sicher im Sinne der Imker. Diese verwiesen zum Schluss darauf, dass es auch dieses Jahr öffentlich zugängliche "Imkerecken" mit unterschiedlichen Themen gibt. Der erste Termin ist am 18.April im Gasthaus Stadt Frankfurt.