Hier im Denitrifikationsbecken der Peterzeller Kläranlage geschah das Unglück. Hier wandeln Bakterien das für Fische schädliche Nitrit in Nitrat um. Durch eine bislang unbekannte Substanz, eingeleitet von einem Betrieb aus St. Georgen, wurden die hilfreichen Bakterien zum Großteil getötet, die biologische Reinigungsstufe also zeitweilig lahmgelegt. Foto: Archiv

Behörde verhängt Einleitungsverbot für Abwasser. Hintergründe sind allerdings immer noch rätselhaft.

St. Georgen/Villingen -  Nach dem Fischsterben in der Brigach haben die Behörden intensiv nach dem Verursacher gesucht. Nun ist den Fahndern offensichtlich der gesuchte Fisch ins Netz gegangen.

Pressesprecherin Julia Weiss bestätigte gestern Informationen unserer Zeitung, dass gestern in St. Georgen ein großer Behördentermin stattfand. Sowohl das Landratsamt als auch die Stadtverwaltung St. Georgen, die Polizei und Vertreter der Anglergesellschaft Villingen trafen sich, um die Ergebnisse der Untersuchung und das weitere Vorgehen zu beraten.

Die wichtigste Nachricht war, dass der Verursacher, ein gewerblicher Betrieb, gefunden werden konnte. Aus dem Betrieb heraus gelangte das giftige Abwasser über das Kanalnetz in die Kläranlage nach Peterzell. Dort wurden die Bakterien, die von den Klärwerkern zur Abwasserreinigung genutzt werden, so stark geschädigt oder gar getötet, dass Stickstoff nicht wie gewünscht in Nitrat umgewandelt werden konnte, sondern als giftiges Nitrit die Kläranlage in die Brigach verließ. Die Fische nahmen das Nitrit über die Kiemen auf, viele davon starben (wir berichteten).

Welche Substanz aber nun den hilfreichen Bakterien und damit der biologischen Reinigungsstufe der Kläranlage den Garaus gemacht hat, steht noch nicht abschließend fest, sagt Juli Weiss vom Landratsamt: "Die Tatsache, dass betriebliches Abwasser wohl der Auslöser des ›Teil-Versagens‹ der Kläranlage war, sagt noch überhaupt nichts über den Vorgang an sich aus – welcher Stoff genau dazu geführt hat, dass die Biologie der Kläranlage nicht mehr richtig funktionieren konnte, ist noch unbekannt", erläutert sie.

Auch rätseln die Experten darüber, wie das Gift in das Kanalnetz gelangen konnte. Reine Absicht unterstellen sie dem Betrieb nicht, vielmehr geht man von einem Versehen aus. "Denkbar sind hier mehrere Szenarien, zum Beispiel veränderte betriebliche Abläufe, ein Versehen oder technisches Versagen", so Julia Weiss.

Die Wasserbehörde sucht nun mit der betroffenen Firma weiter nach den Ursachen. Vorsorglich wurde ein Einleitungsverbot ausgesprochen, der Betrieb darf also sein Abwasser so lange nicht mehr ins Kanalnetz einspeisen, bis der Fall geklärt ist.

"Für uns als Wasserbehörde ist an dieser Stelle wichtig zu betonen, dass der Vorgang noch längst nicht aufgeklärt ist – für eine allgemeine Bewertung des Vorgangs ist es heute definitiv zu früh", stellt Weiss abschließend fest.

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