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St. Georgen Corona-Krise fördert Suchtverhalten

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Rückfälle und verstärktes Suchtverhalten sind Folgen der Corona-Krise. Foto: Pixabay

St. Georgen - Rückfälle und verstärktes Suchtverhalten sind Folgen der Corona-Krise. Grund dafür ist auch die fehlende Unterstützung von Selbsthilfegruppen, die ihre Arbeit im Zuge der Pandemie vorübergehend einstellen mussten. So erging es auch einer Gruppe in der Bergstadt.

Die Firma ist insolvent, der Job steht auf der Kippe. Die Arbeit im Homeoffice ist schwierig, die Beziehung zum Partner angespannt. Dazwischen stehen die Kinder, die Hilfe bei den Schulaufgaben brauchen. Der Griff zur Flasche wird wieder zur Gewohnheit.

Veränderungen sind Suchtkranken ein Dorn im Auge. Bedingt durch die Corona-Krise mussten sich viele Erkrankte mit anderen Gewohnheiten auseinandersetzen und sich neuen Herausforderungen stellen, sowohl privat als auch beruflich. Rückfälle und verstärktes Suchtverhalten sind laut Mario Forderung, Initiator der Selbsthilfegruppe Blaues Kreuz, damit vorprogrammiert. Denn die üblichen Anlaufstellen wie genau diese Gruppen mussten ihre Arbeit im Zuge des Lockdowns vorübergehend einstellen. Zum Leidwesen zahlreicher Betroffenen.

Regelmäßigkeit der Treffen gibt Halt und Kraft

Erst seit etwa einem Monat können sich die Suchtkranken in St. Georgen wieder sporadisch treffen. Seit Anfang März war der Gruppe des Blauen Kreuzes die Nutzung der Räumlichkeiten, die ihr normalerweise zur Verfügung stehen, aufgrund von Hygienevorgaben untersagt.

"Gerade die Regelmäßigkeit der Treffen einer Selbsthilfegruppe und der Austausch mit Menschen, die die gleichen Erfahrungen gemacht haben wie man selbst, sind es, die Halt und Kraft geben", erklärt Forderung.

Im Zuge der Krise habe man auch versucht, sich online oder per Telefon auszutauschen, doch das sei "kein wirklicher Ersatz" gewesen. "Wenn man jemanden gegenüber sitzen hat, dann ist das etwas ganz anderes", macht Forderung klar. Im Vordergrund der Treffen stehen die Begegnung und der Austausch untereinander.

In der Regel startet das Treffen mit einer Blitzrunde, erzählt der Initiator im Gespräch mit unserer Zeitung. Jeder Teilnehmer berichtet von dem, was ihn gerade beschäftigt, manche würden auch ihre Angehörigen mitbringen. Meistens bleibe man dann im Laufe des Gesprächs bei einem bestimmten Thema hängen, mit dem auch schon die anderen Betroffenen konfrontiert waren und man tauscht daraufhin Ratschläge aus, erklärt Forderung weiter.

Einschränkungen verstärken Alkohol- und Tabakkonsum

Dennoch betont er: "Wir sind eine Begegnungsgruppe und keine Therapiegruppe." Die Gruppe sei besonders für diejenigen gedacht, die gerade aus der Therapie kommen und nun Unterstützung darin brauchen, mit dem neuen Zustand zurechtzukommen.

Doch genau diese Unterstützung ist in den vergangenen Wochen und Monaten aufgrund der Corona-Krise weggefallen, dies hatte fatale Folgen für die Suchtkranken.

Eine Befragung des Zentralinstituts für seelische Gesundheit Mannheim ergab laut Forderung, dass der Corona-Lockdown das Suchtverhalten fördert. Stress durch massive Einschränkungen sozialer Begegnungen kann riskanten Alkohol- und Tabakkonsum, sowie Suchtverhalten fördern, wie bereits aus früheren Epidemien bekannt ist. Demzufolge trinken 37,4 Prozent der Befragten seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen mehr Alkohol. 42,7 Prozent der Befragten konsumieren mehr Tabak als zuvor.

Erkrankte zu Treffen eingeladen

Bei den Mitgliedern der St. Georgener Selbsthilfegruppe habe man eine Zunahme der Suchtproblematik bedingt durch die Corona-Krise eher weniger feststellen können, erklärt Forderung. Aber auch wenn die Gruppe von Rückfällen verschont blieb, berichtet der Initiator: "Wir haben noch nie so viele Anrufe erhalten, wie in der letzten Zeit, sowohl von Kranken, als auch von Angehörigen, die während der Krise gemerkt haben, dass ihre Partnerin oder ihr Partner ein Suchtproblem hat." Generell seien es eher die Angehörigen, die das Blaue Kreuz kontaktieren würden, als die Betroffenen selbst.

Forderung lädt Erkrankte ein, an den Treffen der Begegnungsgruppe teilzunehmen. Bisher umfasse die Gruppe in der Regel sechs bis sieben Teilnehmer. "Das könnte ruhig mehr sein", betont Forderung. Die Altersstruktur sei relativ hoch, was Forderung damit begründet, dass viele erst nach mehreren Therapien eine solche Gruppe aufsuchen. Doch er hebt hervor: "Wir sind offen für alle."

Die Begegnungsgruppe Blaues Kreuz trifft sich dienstags in den geraden Wochen um 18.30 Uhr im Gemeindesaal der Taborkirche in der Friedrichstraße in St. Georgen. Die Treffen dauern in der Regel bis 20 Uhr.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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