Karla-Maria Schälike kommt in die Bergstadt, und berichtet über ihr Hilfswerk. Archiv-Foto: Fritzsche Foto: Schwarzwälder-Bote

Behindertenhilfe: Förderverein unterstützt Einrichtung in Kirgisistan / Vortrag in "Schwarzwaldseele"

St. Georgen (dvs). Karla-Maria Schälike spricht am Montag, 28. März, in der "Schwarzwaldseele" in St. Georgen, Hauptstraße 25, um 19 Uhr. Sie ist Initiatorin aller waldorfpädagogischen und heilpädagogischen Initiativen in Kirgisistan, Zentralasien.

Die Referentin lebte in der Sowjetzeit als einzige westliche Ausländerin in Kirgisistan. Als ihr Sohn Gert-Michael geboren wurde, war neben ihm ein anderer Junge zur Welt gekommen, dessen Mutter bitterlich weinte und ihren Kopf unter der Bettdecke verbarg. Um ihr Bett standen Ärzte, beschimpften die Wöchnerin und forderten etwas von ihr. Zu ihrem Entsetzen erfuhr Schälike, dass von ihrer Zimmernachbarin ge­fordert wurde, sich mit ihrer Unterschrift von ihrem eben erst geborenem Kind loszusagen, nur weil es behindert war.

Diese Kinder sind bis heute von der Gesellschaft völlig isoliert und ihr Schicksal interessiert kaum jemanden. Denn nach den geltenden Vorschriften und Gesetzen werden sehr viele behinderte Kinder als bildungsunfähig eingestuft, was ihnen den Weg nicht nur in die Kindergärten und Schulen, sondern auch in jede Form von Sonderschulen versperrt.

Als Gert-Michael starb, beschloss seine Mutter, dass sie diesen Kindern helfen wolle. So wurde das Kinderzentrum Nadjeschda (zu deutsch "Hoffnung") gegründet, wo die Erwachsenen den schwer-behinderten Kindern helfen zu singen, zu malen, zu lernen und fröhlich zu sein, so wie es alle Kinder auf der ganzen Welt tun und sind.

Das Kinderzentrum Nadjeschda erhält keinerlei staatliche Zuschüsse. Aber die Hoffnung der Kinder, Eltern und Mitarbeiter wurde nicht enttäuscht. Sie erfahren, dass es Menschen gibt, die diesen Kindern helfen. Dank der Unterstützung vieler Menschen lebt und wächst "Nadjeschda", trotz der großen Not und Armut in Kirgisistan, nun schon seit 22 Jahren.

Und inzwischen haben die behinderten Kinder vielen gesunden Kindern die Waldorfpädagogik geschenkt. Denn Dank der Initiative von Igor und Karla-Maria Schälike wurden und werden im Seminar von Nadjeschda und an der Arabajewa-Universität Waldorferzieher und -lehrer ausgebildet.

Karla-Maria Schälike wurde im Jahr 2005 für den Nobelpreis im Rahmen des Projekts "1000 Frauen für den Frieden" nominiert. Im Jahr 2009 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Es gibt den Förderverein Kinderfond Nadjeschda als eingetragenen Verein. Ansprechpartner ist in St. Georgen Lothar Fritzsche, Goe­thestraße 12, Telefon 07723/29 02.

Weitere Informationen: www.nadjeschda.org oder www.umut.kg