Horst Hunsalz ist einer der beiden Ehrenamtlichen, die im wöchentlichen Wechsel einmal täglich die Eimer am Krötenzaun in Peterzell kontrollieren. Foto: Klossek

Amphibien sind derzeit in Peterzell unterwegs. Ehrenamtliche helfen beim Überqueren der Landstraße.

St. Georgen-Peterzell - Aufbruchstimmung herrscht Nahe des Gewerbegebiets Hagenmoos in Peterzell: Amphibien machen sich derzeit auf den Weg zu ihren Laichplätzen. Ehrenamtliche wie Horst Hunsalz helfen den Tierchen, damit sie ihre Reise unbeschadet überstehen.

Es ist ein trüber Montagmorgen, eine dicke Wolkendecke hängt am Himmel. Horst Hunsalz öffnet den Kofferraum seines Autos, nimmt zwei Eimer heraus und blickt die Straße entlang.

Hier, an der L177 in Peterzell, steht einer der Zäune, die jedes Jahr Ende Februar, Anfang März aufgebaut werden, um Amphibien auf ihrem Weg zu den Laichplätzen vor dem Tod zu bewahren. "Sobald es warm wird, kommen die Amphibien aus ihren Erdlöchern und überqueren die Straße, um zum Teich zu kommen", erklärt Hunsalz und zeigt vom Wald in Richtung Felder.

Im Idealfall stoppt der Zaun die Reise der Tiere und sie landen in einem der Eimer, die in 50 Meter Abständen in der Erde eingelassen sind.

Im wöchentlichen Wechsel mit einer weiteren Ehrenamtlichen kontrolliert der 77-Jährige täglich die gesamte Strecke – bei Regen, Schnee oder Sonnenschein. "Keine optimalen Bedingungen heute", meint er angesichts der leichten Minusgrade. Die Wahrscheinlichkeit, heute einige Amphibien zu retten, sei gering. "So fünf Grad und Regen. Das braucht’s", sagt Hunsalz. Doch so gering die Wahrscheinlichkeit: Die Eimer müssen täglich kontrolliert werden.

"Ich finde das einen guten Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung", sagt der Ehrenamtliche, während er den 600 Meter langen Plastikzaun entlangläuft – erst in Richtung Königsfeld, dann auf der anderen Seite wieder zurück.

Vor einigen Jahren habe die Stadt nach Ehrenamtlichen gesucht, die sich um die Amphibienrettung kümmern. Hunsalz, der zu dieser Zeit bereits Rentner war, kann sich für die Arbeit an der frischen Luft begeistern und kümmert sich seither um Erdkröte, Grasfrosch, Molch und Co.

Müll entlang der Strecke ist für Hunsalz ein großes Ärgernis

Immer wieder bleibt der 77-Jährige entlang des Zauns stehen, zurrt die Plastikplane wieder fest. Regen und Schnee machen dem Konstrukt zu schaffen. Nach und nach füllt sich der Eimer – allerdings nicht mit Amphibien, sondern mit jede Menge Müll.

"Das ist schon eine Schande", sagt Hunsalz angesichts der Zigarettenschachteln und Trinkbehälter, die achtlos von Autofahrern aus dem Fenster geworfen wurden. Wenn er schon keine Tiere retten könne, wolle er wenigstens die Natur sauber halten – den Weg ablaufen müsse er ja so oder so.

Der viele Müll ist für den Ehrenamtlichen nicht das einzige Ärgernis, wie sich auf dem Rückweg an der Strecke zeigt: Vor einem Feldweg macht der Zaun einen kleinen Knick und endet. Hier führt ein Privatweg entlang, ein Anlieger mit Wegerecht hat sich dagegen ausgesprochen, den Zaun hier weiterlaufen zu lassen.

Bis zu 30 tote Tiere habe er an dieser Stelle der Straße schon gefunden, erzählt Hunsalz sichtlich verärgert. "Der Zaun müsste viel weiter gehen", sagt er und verweist auf die gegenüberliegende Seite, wo das Konstrukt bis weit hinter einer Kurve reicht.

Der Stadt seien allerdings angesichts der Besitzverhältnisse die Hände gebunden. Eine Alternative, so das Landratsamt auf Nachfrage, das sich für den Artenschutz verantwortlich zeichnet, wäre der Einbau einer Amphibienstopprinne.

Als Hunsalz seinen rund einstündigen Kontrollgang beendet hat, bewahrheitet sich seine erste Vermutung: Keine Amphibie hat sich bei den kalten Temperaturen auf den Weg gen Weiher gemacht. Vor zwei Wochen habe er bereits neun Tiere gefunden, die er beim Freilassen am Teichrand gewissenhaft gezählt hat.

Heute gibt es nichts zu zählen. "Solche Tage gibt es eben auch", meint er und zuckt mit den Schultern. Er packt seine Eimer ein. Morgen geht es wieder auf Kontrolle. Vielleicht gibt es dann wieder einige Kröten und Frösche zu retten.