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St. Georgen Badesee unter die Lupe genommen

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Die Wasserproben aus dem Klosterweiher werden auf unterschiedliche Stoffe untersucht.Foto: Pixabay Foto: Schwarzwälder Bote

Der Klosterweiher wird aufgrund der vorübergehenden Schließung genauer unter die Lupe genommen. Die Stadt hat hierfür einen Limnologen beauftragt, der zurzeit Untersuchungen an dem Gewässer vornimmt. Doch wie genau muss man sich das vorstellen?

St. Georgen. "Ich bin der, der für Süßgewässer zuständig ist", erzählt Karl Wurm im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten und lacht. Bereits seit über 30 Jahren ist Wurm freiberuflich als Limnologe tätig und untersucht derzeit gemeinsam mit einem weiteren Mitarbeiter das Wasser des Klosterweihers.

Die Schließung des Badesees hatte im Sommer mächtig die Stimmung getrübt und nun soll der Experte den Ursachen auf den Grund gehen. Dafür entnimmt er bereits seit dem Frühjahr alle zwei bis vier Wochen unter der Berücksichtigung verschiedener Witterungen Wasser aus dem See.

Phosphor und Stickstoff entscheidend

Im Wesentlichen gehe es in stehenden Gewässern darum, wie hoch die Eutrophierung ist, erklärt Wurm. Die Eutrophierung bezeichnet die Anreicherung von Nährstoffen in einem Ökosystem. Dabei werden vor allem die Stoffe Phosphor und Stickstoff betrachtet, die sich in einer erhöhten Konzentration nachteilig auf den See auswirken können und gleichzeitig das Algenwachstum beschleunigen. Gemessen wird auch der Gehalt an gelöstem Sauerstoff, sowie die Menge an Chlorophyll – das Blattgrün – mit der auf die Menge an Algen geschlossen werden kann.

Weiß man, wie hoch die Eutrophierung ist, müssen die Ursachen herausgefunden werden. Dabei unterscheidet man zwischen internen und externen Ursachen. Für äußere Ursachen werden unter anderem die Zuflüsse untersucht. Im Fall des Klosterweihers sind das die Brigach und der Sommerauer Bach. Dadurch kann man feststellen, aus welcher Quelle die Nährstoffe kommen. Ein erhöhter Nährstoffgehalt kann aber auch durch Abwässer und landwirtschaftliche Düngung entstehen oder durch den Niederschlag aus der Luft verursacht werden.

Um interne Ursachen auszumachen, wird das Wasser in verschiedenen Tiefen auf Nährstoffe untersucht. Wird hierbei ein starker Unterschied festgestellt, ist das ein Zeichen dafür, dass organisches Material, das sich am Grund angesammelt hat, nicht vollständig abgebaut werden kann.

Wurm betont, dass es bei Badeseen auf zwei Dinge ankommt: Zum einen gilt es, die Vermehrung der toxischen Blaualgen zu verhindern und zum anderen muss eine ausreichende Sichttiefe gewährleistet sein.

Optimal ist eine Sichttiefe von zwei Metern, mindestens erforderlich ist eine Sichttiefe von einem Meter, erklärt der Experte. Ist die Sicht nicht ausreichend, können Menschen nicht vor dem Ertrinken gerettet werden. Da in diesem Sommer die Sichttiefe des Klosterweihers sogar unter 30 Zentimetern lag, hatte die Stadt den See gesperrt.

Für Erwachsene besteht in der Regel keine Gefahr

Im Klosterweiher sei aufgrund der zu hohen Eutrophierung die Gefahr durch die toxischen Blaualgen im Sommer "latent vorhanden" gewesen. Doch welche Auswirkungen kann die Blaualge auf den Menschen haben?

"Es gibt zwei Giftarten", informiert Wurm. Zum einen könne sich die Alge auf die Leber auswirken und zu langfristigen Leberschäden führen. Zum anderen kann sie auch neurotoxisch wirken und die Atemmuskeln lähmen. Eine unmittelbare Lebensgefahr trete durch das Wasser nicht ein, dennoch betont Wurm: "Die Dosis macht das Gift." Für Erwachsene bestehe in der Regel keine Gefahr, Kinder hingegen sollten aufpassen.

Die Untersuchungen am Klosterweiher seien umfangreicher als üblich, so der Limnologe. Grund dafür sei der Biber. "Die Biberstaus spielen auch eine Rolle im Geschehen und müssen entsprechend bewertet werden", erklärt Wurm. Deshalb müssen Proben vor und nach dem Stau entnommen werden. Bei zu wenig Zufluss "kocht der See in seiner eigenen Suppe" und das sei gravierend und habe auch einen Einfluss auf die Wasserqualität.

Am Ende der Untersuchungen werden alle Ergebnisse gegenüber gestellt und man überlegt, welchen Schritt man bei der Sanierung gehen muss. "Die Ursachen sind entscheidend, um herauszufinden, was wichtig für die Sanierung des Badesees ist", erklärt der Limnologe. Es gebe verschiedene Möglichkeiten mit unterschiedlichem Zeit- und Kostenaufwand.

Bereits 2004 wurde das Wasser des St. Georgener Badesees untersucht. "Man guckt natürlich schon, ob sich da jetzt etwas verschlechtert hat", erklärt der Experte. In der Regel werden solche Untersuchungen aber nicht regelmäßig durchgeführt. Vor allem bei kleineren Seen müsse es "schon einen Anlass geben".

Im Oktober sollen die Untersuchungen abgeschlossen sein und die Ergebnisse im Anschluss im Gemeinderat vorgestellt werden.

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