Reinhard Schlau richtet Schränke und Kommoden / Früherer Beamter hat seine Werkstatt auf der Tenne
Von Dieter Vaas
St. Georgen-Peterzell. Alte Möbel haben es Reinhard Schlau angetan. Deshalb ist er als Beamter auf dem Fernmeldeamt ausgestiegen, hat sich selbstständig gemacht und sagt seither dem "Holzwurm den Kampf an".
Vor sieben Jahren hat der heute 58-Jährige den Brunnendobelhof gekauft und zog mit Frau, Sohn und Pferden (drei Isländer und ein Shetland-Pony) nach Peterzell. In diesem Haus kam noch ein weiterer Sohn "auf dem Sofa zur Welt", wie er schmunzelnd unterstreicht. Vier Jahre lang brachte er selbst das große Hofgebäude auf Vordermann.
Schon in Aasen betrieb die Ehefrau eine Ablaugerei. Dies ist die dreckigste und wichtigste Arbeit bei alten Möbeln aus Weichholz (Fichte, Tanne). Mittlerweile vergibt er das Ablaugen an eine Firma in Freiburg. Dort erfolgt die Behandlung in einer Duschkabine. Die Lauge wird auf 80 Grad erhitzt und dadurch viel aggressiver. Nach einer viertel Stunde ist das Schlimmste bereits erledigt. Die Endreinigung erfolgt mit einem Dampfstrahler. Bei einem Holzwurmbefall erfolgt ebenfalls in Freiburg eine thermische Bekämpfung. Der Wurm überlebt 45 Grad nicht.
Die komplett verbleibende Arbeit bis zum schmucken, restaurierten Möbelstück übernimmt Reinhard Schlau selbst. Dazu gehört, fehlende Teile zu ersetzen, Schadstellen zu flicken und vieles andere mehr. Gerade solche Reparaturen sind seine Spezialität. Bei Bedarf besorgt er auch altes, passendes Holz. Bei den Schlössern und Beschlägen hat er eine ganze Sammlung zusammengetragen.
Sehr bescheidener Maschinenpark
Sein Maschinenpark in der Werkstatt auf der Tenne wirkt recht bescheiden. Die Schreiner hatten früher weit weniger Hilfsmittel. Aber das Werkzeug muss immer sehr scharf sein. Lediglich der Verschleiß an Sägeblättern ist recht groß, weil immer wieder Nägel durchgesägt werden.
Das bisher älteste Stück war ein mindestens 300 Jahre alter Schrank mit geschmiedeten Bändern eines Waffenschmieds und Holznägeln. Er war nie angemalt. Deshalb wurde das Holz nur geschliffen und wurmstichiges Holz ersetzt. Heute erfreut er die Besitzer in einem Privathaushalt.
Die wohl schwierigste Arbeit war bislang, einen aus dem Jahr 1780 stammenden Tabernakel-Sekretär nach einem Brachial-Aufbruch wieder herzurichten. Das größte restaurierte Exemplar war ein fünftüriger Schrank für ein Kloster.
Für einen normalen Schrank braucht Reinhard Schlau zwei bis vier Tage, bis dieser wieder wirklich alltagstauglich ist. Besonders knifflige Aufgaben dauern auch schon mal sechs Wochen.
Die aufbereiteten Möbel verkauft Reinhard Schlau in Kooperation mit dem "Anderen Möbelladen" in der Bahnhofstraße. Beim Preis rechnet er vor: "Neue Massivmöbel sind teurer als so ein gutes altes Stück. Es ist aber nicht nur billiger, sondern behält seinen Wert."
Weitere Informationen: www.antikhof-im-brunnendobel.de