Volles Haus in St. Afra: Der Projektchor "Le Consort Nouveau" hat zum Abschluss seiner Probewoche ein sakrales Konzert gegeben. Foto: Hoffmann

Einem sakrales Konzert der Extraklasse lauschten die Besucher in der Kirche St. Afra in Obernheim. Der Projektchor "Le Consort Nouveau" sang zum Abschluss seines Probewochenendes auf der Schwäbischen Alb.

Obernheim - Der Projektchor "Le Consort Nouveau" ist schon Stammgast auf der Schwäbischen Alb. Bei fast schon tropischen Temperaturen probten die Sängerinnen und Sängerinnen mit ihrem Leiter Matthias Listmann in der Tagungsstätte Haus Bittenhalde in Tieringen.

Das Resultat der Probewoche haben die Zuhörer in der Kirche St. Afra in Obernheim zu hören bekommen. Lange gab es dort außer Gottesdienste nichts kulturelles – deswegen sind viele Gäste in das Gotteshaus gekommen, um dem Chor zu lauschen und ein wenig Abkühlung in den kühlen Gemäuern zu suchen. Die würdevolle Atmosphäre und die hervorragende Akustik schufen den perfekten Rahmen für das Konzert mit geistlichen Werken.

Unterstützung von Solistinnen

Unterstützt wurden die rund 35 Sängerinnen und Sänger von der Sopranistin Stephanie Simon und Jiajing Wang an der Orgel.

Begonnen hat die junge Organistin Wang mit dem dreiteiligen glanzvollen Werk "Präludium in D-Dur" von Johann Sebastian Bach. Anschließend stellten sich die Sängerinnen und Sänger am Altar auf und stimmten mit fulminanter Orgelbegleitung das sakrale Orchesterwerk von Edward Elgar "Ave verum in G-Dur". Beim "Denn er hat seinen Engeln befohlen" in G-Dur pausierte die Orgel – der Chor sang a capella und spielte dabei mit der Lautstärke: Sie sangen kraftvoll und laut, dann wieder leise und friedlich, wie Engel.

Von der Empore herab

Mit ihrer glockenklaren Stimme sang die Sopranistin "Hör mein Bitten" von Felix Mendelssohn Bartholdy. Auch bei den Werken "Lauda Sion", die drei Teile "Salvatorem", "Thema Spezialis" und "Caro cibus sanguis potus" intonierte sie perfekt, jeweils in einer anderen Tonart.

Den letzten Teil sang Simon andächtig von der Empore aus herab ins Kirchenschiff. Anschließend stellten sich die Frauen wieder auf und sangen von John Rutter "The Peace of God." Die Organistin Wang fügte an der Orgel mit genauer Dynamik und romantischer Registerwahl in den Chorklang ein.

In der Mitte des Konzerts gab es dann wieder ein Orgelsolo: die Fuge in D-Dur von Johann Sebastian Bach mit sehr schnellen Läufen, perfekt und lebendig geführt durch alle Stimmen manchmal eigenständig nur mit den Pedalen. Von Wolfgang Amadeus Mozart ertönte "Laudate Dominum" mit pastoralem Charakter und der hellen Stimme von Stephanie Simon.

"Bob Ross der geistlichen Vokalmusik"

Abschließend gab es wieder einen Bartholdy: "Verleih uns Frieden gnädiglich". Die sinfonische Dichtung "Be still my soul" aus "Finlandia" des Komponisten Jean Sibelius präsentierten die Frauen des Projektchors. Im wunderbaren letzten Teil des Konzertes zeigte Listmann mit dem Komponisten John Rutter, dem "Bob Ross der geistlichen Vokalmusik", wie wirkungsvoll und konsequent Chorarbeit sein kann. Die religiösen Texte: "Öffne meine Augen", "This is the day" und "A Choral Amen" nahm Rutter für seine Kompositionen zum Vorbild.

Das Konzert war vom ersten bis zum letzten Ton von einer imposanten Energie geprägt, die das Publikum die gesamten eineinhalb Stundenüber fesselte. Es herrschte Stille nach dem letzten Klang, dann folgte langanhaltender Applaus. Alex Moser sagte abschließend zum Publikum: "Sie gehen mit Hochgefühl im Kunstgenuss nach Hause, die Interpreten haben das Rezept gemacht, Dirigent Listmann zubereitet und in Obernheim serviert."