Personelle Wechsel, Fachkräftemangel, Krankenhausreform und jetzt die Schließung der Notfallpraxis – mitten in turbulenten Zeiten wurde Blerta Muqaku die neue Geschäftsführerin des SRH Krankenhauses in Oberndorf. Uns erzählt sie, was ihr Sorgen bereitet und was sie sich für die Oberndorfer Einrichtung erhofft.
Eine der wichtigsten Aufgaben in Zeiten wie diesen: „Dafür sorgen, dass die Stimmung nicht kippt“, sagt Blerta Muqaku ganz klar.
Das Thema Notfallpraxis Kürzlich wurde bekannt, dass die Notfallpraxis am SRH Krankenhaus geschlossen werden soll. Das hat für einen Aufschrei und mächtig Kritik an der Kassenärztlichen Vereinigung gesorgt. Und nicht nur die Kommunalpolitik befürchtet eine massive Verschlechterung der Versorgungssituation.
Das sagt Blerta Muqaku zur Notfallpraxis
Was sagt Geschäftsführerin Blerta Muqaku dazu? Ihr ist zunächst eine Klarstellung wichtig. „Die KV-Praxis gehört nicht zu unserem SRH Krankenhaus in Oberndorf, wir stellen aber die Räumlichkeiten in unserem Haus zur Verfügung.“ Davon unbenommen halte sie es im Interesse einer bestmöglichen Versorgung der Menschen in Oberndorf und Umgebung für wichtig, die KV-Praxis in der Stadt zu erhalten, teilt sie auf unsere Nachfrage mit.
Die Krankenhausreform Während die Schließung der Notfallpraxis bei den Patienten für Anspannung sorgt, sind es beim Krankenhauspersonal Themen wie mehrere personelle Wechsel im Haus und die Krankenhausreform. So kommen laut Muqaku immer wieder Gerüchte zur Zukunft des SRH Krankenhauses in Oberndorf auf und sorgen für Unruhe beim Personal.
Offen kommunizieren
Ihre Strategie: den rund 305 Mitarbeitern Sicherheit vermitteln und offen kommunizieren, was im Haus passiert. Dass es eine Krankenhausreform braucht, sei ganz klar, sagt Blerta Muqaku. Das aktuelle Finanzierungssystem funktioniere schlichtweg nicht. 70 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland seien defizitär, auch das SRH Krankenhaus in Oberndorf.
Die angestrebte Lösung von Regierungsseite: eine Reduzierung der fallabhängigen Vergütung und dafür Vorhalteleistungen für Personal und Technik, um wirtschaftlichen Druck von den Krankenhäusern zu nehmen. Noch sei aber unklar, wie ein solcher Umstieg vollzogen werden soll, sagt Muqaku.
Und die geplante Reform sorge eben auch für Verunsicherung und Sorge vor Klinikschließungen. Das Thema liege schon lange auf dem Tisch, aber man wisse immer noch nicht genau, in welche Richtung es gehe. „Die Krankenhäuser hängen in der Luft“, fasst es Muqaku zusammen.
Die Zukunft Ihre Botschaft, den Standort Oberndorf betreffend, ist dennoch eine positive: „Wir sind ein guter Player und werden bestehen“, ist sie sich sicher. Die Träger SRH (75 Prozent der Anteile) und die Stadt Oberndorf (mit 25 Prozent beteiligt) stünden hinter dem Krankenhaus.
„Häuser wie das unsere dürfen nicht weggedacht werden“, stellt die 39-Jährige klar. Ist eine zunehmende Spezialisierung in immer schwieriger werdenden Zeiten das Mittel der Wahl? Das SRH Krankenhaus in Oberndorf biete die Basisversorgung für die Region mit Kompetenzen in den Bereichen Innere Medizin und Chirurgie, sagt Muqaku dazu. An andere Spezialisierungen werde nicht gedacht.
Kooperationen geplant
Seit die 39-Jährige, die am Bodensee groß geworden ist, in Oberndorf arbeitet, hat sie vor allem Kontakte zur Stadt, der Polizei, der Feuerwehr, dem DRK, der Helios Klinik Rottweil und dem Vinzenz von Paul Hospital in Rottweil geknüpft. Mit Letzteren sei man auch bezüglich möglicher Kooperationen im Gespräch bezüglich ärztlicher Konsile, aber auch bezüglich der Verteilung von Patientenströmen entsprechend der Kompetenz der Häuser.
Geplante Veränderungen Beim SRH Krankenhaus Oberndorf handle es sich um ein kleines, familiäres Haus. „Viele Mitarbeiter sind schon 15 Jahre oder länger da, manche sogar mehr als 40 Jahre. Und sie stehen hinter dem Haus, das merkt man.“ Dadurch lande vieles auch direkt bei ihr. Zwar gibt es für jeden Bereich eine eigene Führungskraft, bei Muqaku als Geschäftsführerin und Pflegedienstleitung laufen aber alle Fäden zusammen.
Die 39-Jährige hat allerhand zu tun, denn sie möchte einige Veränderungen herbeiführen. Dazu zählt beispielsweise die Arbeit an den Strukturen der Notaufnahme. So sollen Aufgabenfelder besser definiert werden, damit unterm Strich mehr Zeit für den Patienten bleibt.
Der Fachkräftemangel Eine riesige Herausforderung: der Fachkräftemangel. „Es fehlt an allem – von der Pflegekraft bis zum Assistenzarzt“, sagt Muqaku. Um dem Personalmangel entgegenzuwirken, generiere man nun selbst Nachwuchs. So habe man dieses Jahr begonnen, selbst Operationstechnische Assistenten auszubilden. 2025 soll es mit Anästhesietechnischen Assistenten weitergehen.
Strategien gegen den Personalmangel
An der Krankenpflegeschule befinden sich 45 Schüler in drei Jahrgängen in Ausbildung. Zuletzt sei der gesamte Oberkurs – mit noch sieben übrig gebliebenen Schülern – vom SRH Krankenhaus übernommen worden, sagt Muqaku. „Wir versuchen, unsere Auszubildenden so gut es geht an uns zu binden.“
Bei den Assistenzärzten sei die Problematik, dass man am Standort Oberndorf nicht alle für die ärztliche Ausbildung nötigen Fachbereiche abdecke. Man kooperiere dafür jedoch mit anderen SRH-Krankenhäusern und tausche Ärzte gegenseitig aus. Außerdem stehe man mit einem Unternehmen in Kontakt, um Arbeitskräfte aus Rumänien für den Standort Oberndorf zu rekrutieren.
120 Betten stehen für Patienten in Oberndorf zur Verfügung, davon 50 in der Chirurgie und 70 im Bereich Innere Medizin, zuzüglich eingestreuter Kurzzeitpflegebetten. Bei so vielen Patienten bleibt auch Kritik nicht aus. Darauf angesprochen, sagt Muqaku, meist handle es sich um Angelegenheiten, die im persönlichen Kontakt schnell geklärt seien. Sie betont: „Die Menschen können mit jedem Problem herkommen.“
Zur Person
Blerta Muqaku
ist 39 Jahre alt und seit 1. Mai 2024 Geschäftsführerin des SRH Krankenhauses Oberndorf. Sie hat Pflegemanagement und Pflegewissenschaften sowie Personalentwicklung studiert. Außerdem ist sie ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin. Zuletzt war sie kaufmännische Direktorin bei „ANregiomed“ in Ansbach und leitete dort auch das Dienstleistungszentrum Bildung. Zuvor war sie unter anderem Pflegedirektorin und Mitglied des Klinikdirektoriums des Zollernalb Klinikums Balingen und Pflegedienstleitung in den Sanahäusern Bad Wildbad und im Krankenhaus des Roten Kreuzes in Bad Cannstatt.