Sie füllen eine Lücke, die das Klinikpersonal nicht füllen könnte: die „Grünen Damen und Herren“. Wer sie sind und welche wertvolle Arbeit sie konkret leisten: Wir haben mit ihnen gesprochen.
Seit Februar sind die „Grünen Damen“ und ein „Grüner Herr“ im SRH Krankenhaus aktiv. Im Gespräch mit der munteren Gruppe wird schnell klar, wie wertvoll ihr Einsatz ist – für die Menschen, denen sie im Krankenhaus helfen, aber auch für sie, die diese ehrenamtliche Betreuungsarbeit leisten, selbst.
„Viel positive Rückmeldung“ habe es gegeben, seit die Gruppe ihren Dienst angetreten hat, berichtet Vanessa Greber. An ihrem Schreibtisch im SRH Krankenhaus laufen die Fäden zusammen.
Der Gesellschaft etwas zurückgeben
Die fachliche Begleitung in der Anfangsphase steuerte die Seniorenbeauftragte der Stadt, Gabriele Schneider, bei, die nach wie vor beratend zur Seite steht. Und natürlich habe es auch Schulungen gegeben, berichtet Petra Gaus, die Einsatzleiterin für die „Grünen Damen“ und den „Grünen Herrn“. Arbeitssicherheit und der Umgang mit Menschen seien da etwa Thema gewesen.
Wobei der Umgang mit Menschen Teil des früheren Berufsleben einiger der ehrenamtlich Engagierten war – und mitunter die Motivation ist, das auch weiterhin anzubieten. Schon, weil es einem sonst fehlen würde. Sich einzubringen, im Ruhestand Sinnstiftendes für die Gesellschaft – und zu allermindest für die einzelnen Menschen – beizutragen ist der zentrale Beweggrund.
Der Weg zum Betreuungsteam
Der Weg zum Betreuungsteam mit den maigrünen Schals war freilich unterschiedlich. Da gibt es welche, die waren früher schon in der Pflege aktiv. Sogar im Krankenhaus Oberndorf.
Eine Dame erinnert sich noch an die Zeit, in der sie als 14-jähriges Mädchen hier mitgeholfen hat. Auch samstags und sonntags natürlich. Dafür habe ihr ein Patient dann auch mal ne Mark zugesteckt. Ist verjährt. Kann man jetzt sagen. Auch, dass sie inzwischen in Haigerloch lebt, die Fahrt an ihre alte Wirkungsstätte – zumal als geborene Oberndorferin – aber gerne in Kauf nimmt. Und der Mann zu Hause sei sicher auch froh, wenn er mal seine Ruhe habe, meint sie lachend.
Kontakt zum Menschen würde fehlen
Da ist die Dame, die im Berufsleben die Praxis ihre Mannes mitgemanagt hat, und der ohne eine solche Betätigung einfach der Kontakt zu den Menschen fehlen würde. Und da ist die Dame, deren Mann vor zehn Monaten überraschend verstorben ist: Sie suchte etwas, um sich abzulenken. Einen Sinn sollte es auch haben. Und da ist ihr dieses Angebot untergekommen.
Für alle Aktiven wichtig: Wenn man merkt, es funktioniert aus irgendwelchen Gründen nicht, kann man sein Engagement auch einfach wieder aufkündigen.
Für alle Betreuten wichtig: Ob Hilfe, Ansprache, Begleitung, kreative Freizeitgestaltung, ein Gebet – oder ausdrücklich kein Gebet – die Betreuenden übernehmen ganz unterschiedliche Aufgaben. Vor allem sind sie da. Sie füllen eine Lücke, die das Klinikpersonal nicht füllen könnte, weil es keine Zeit oder keine Ruhe für diese Aufgaben findet.
Schweigepflicht gilt trotzdem
Die Grenze ist klar: Die Damen und der Herr arbeiten weder pflegerisch noch medizinisch. Und, das ist zwar selbstverständlich, muss man aber vielleicht doch immer wieder vor Augen halten: Auch die ehrenamtliche Betreuung unterliegt der Schweigepflicht.
Für Bürgermeister Matthias Winter ist dies ein gelungenes Konzept. Als Stadt könne man zwar den Rahmen bereiten, wenn man aber niemanden finde, der bereit sei, sich zu engagieren, gehe es eben nicht.
Bei Interesse: melden
In Oberndorf ein Krankenhaus zu haben, empfinden viele als Qualität. „So etwas anzubieten, macht es noch qualitätvoller“, so Winter. Die Stadt sei bestrebt, die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu geben: „Wir sind, wenn wir das leisten können, gerne bereit, dazu beizutragen, diese weiter zu verbessern.“
Wer sich für das ehrenamtliche Engagement im Krankenhaus interessiert kann sich unverbindlich per Telefon (07423/81 32 21) oder per Mail an vanessa.greber@srh.de informieren.