Pflegekräfte werden landauf landab händeringend gesucht. An der Pflegeschule des SRH Krankenhauses gibt es derweil Wartelisten für die Ausbildung. Wie kommt das?
Mehr als 300 Personen sorgen beim SRH Krankenhaus am Standort Oberndorf für einen reibungslosen Betrieb. Der größte Teil der Belegschaft sind Pflegekräfte. Gerade die sind aber landauf landab Mangelware und werden händeringend gesucht. Dass es in Oberndorf für die Pflegeausbildung sogar eine Warteliste gibt, wirft Fragen auf.
Zehn bis 20 Absolventen bringt die Berufsfachschule für Pflege, die im Mai 1951 damals noch im städtischen Krankenhaus durch die Schönstätter Marienschwestern gegründet wurde, jährlich hervor.
„Bis 2018 wurden immer zwei Jahre in Folge ausgebildet und danach ein Jahr Pause eingelegt mit neuen Schülern. Seit 2020 starten wir jedes Jahr mit neuen Auszubildenden“, berichtet Vanessa Greber, Assistenz der Geschäftsführung, auf Anfrage unserer Redaktion.
Kompletten Kurs übernommen
Die Strategie der eigenen Nachwuchsförderung geht offensichtlich auf. „Das letzte Jahr haben wir den kompletten Oberkurs übernommen, und auch in diesem Jahr sieht es so aus, als werden uns alle erhalten bleiben“, erzählt Greber bezüglich der Übernahme nach der Ausbildung.
Derzeit denke man darüber nach, die Anzahl der Ausbildungsplätze zu erhöhen. Dass es so viele Interessenten für die Ausbildung gibt, liegt aus Sicht des SRH Krankenhauses am Engagement. Man sei aktiv in Kontakt mit den weiterführenden Schulen und den Gymnasien in der Gegend.
Die neue Reihe „Tag der offenen Türe“ für junge Menschen, die man im vergangenen Jahr begonnen habe, komme zudem sehr gut an. „Unsere Azubis erzählen den Interessenten etwas über ihren Beruf“, berichtet Greber.
Ebenso werde nach dem von der SRH entwickelten „CORE“-Prinzip (Competence Oriented Research and Education) unterrichtet, das eine Mischung aus Frontalunterricht und Gruppenarbeit mit vielen praktischen Einheiten vorsieht.
Das sind die Voraussetzungen
Mit der Ausbildung im eigenen Haus wolle man dem Fachkräftemangel entgegenwirken, erklärt Vanessa Greber. Außerdem sind Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten Teil der Strategie, um die Kräfte langfristig ans Haus zu binden.
Wer die Berufsfachschule für Pflege besuchen will, der muss einen mittleren oder gleichwertigen Bildungsabschluss vorweisen. „Möglich ist auch ein Hauptschulabschluss zusammen mit einer einjährigen Ausbildung zur Altenpflege- oder Krankenpflegehelferin oder zusammen mit einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung“, erklärt Greber dazu.
Fachkräfte aus dem Ausland
Im Kampf gegen den Fachkräftemangel ist aber auch die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland eine Maßnahme. „Es wird derzeit ein Konzept in der SRH erstellt, an dem sich einige Klinken beteiligen. Ziel soll es sein, eine bestmögliche Integration zu gewährleisten, damit die Kollegen aus dem Ausland gut ankommen“, erklärt Vanessa Greber.
Man sei zudem vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels über jede Hilfskraft froh, die man im Haus habe. Sowohl Pflegehelfer – sie assistieren den Pflegekräften etwa bei der Körperpflege oder beim Mobilisieren der Patienten – als auch Medizinische Fachangestellte ergänzen daher das Personal und werden auf den Stationen eingesetzt, erfahren wir.
Klar ist, dass der Fachkräftemangel auch vor Oberndorf nicht Halt macht, man hier aber offenbar einen Weg gefunden hat, ihm etwas entgegenzusetzen.