Der Bedarf unter den Niedereschacher Bürgern nach dem "Spurwechsel"-Fahrzeug ist trotz Pandemie da. (Archivfoto) Foto: Bantle

Das interkommunale Projekt "Spurwechsel" wurde von der Corona-Pandemie jäh ausgebremst. Darüber beklagen sich vor allem ältere Bürger, die das E-Fahrzeug gerne für ihre Zwecke gemietet hatten.

Aktuelle Informationen zur Corona-Lage in unserem Newsblog

Niedereschach - Darüber, dass die Pandemie und die damit verbundenen Hygienevorschriften das Projekt "Spurwechsel", das von den Gemeinden Niedereschach, Deißlingen und Dauchingen zusammen ins Leben gerufen wurde, momentan ausbremsen, informierte Bürgermeister Martin Ragg in der jüngsten Gemeinderatsitzung.

Gemeinderätin Manuela Fauler hatte auf Anregung mehrerer Bürger gefragt, weshalb das "Spurwechsel-E-Fahrzeug" nun seit fast einem Jahr nicht mehr fahre. Dass das Projekt derzeit ruht, habe damit zu tun, dass man nicht nur die Nutzer des Fahrzeuges, sondern auch die Fahrer, die oft selbst zur Risikogruppe gehören, schützen wolle, erklärte der Bürgermeister.

Auch ihm falle es schwer, das Projekt weiterhin "auf Eis" zu belassen. Über die Sozialgenossenschaft "Bürger für Bürger" werde das Niedereschacher Fahrzeug derzeit hin- und wieder für Impf-Fahrten genutzt. Fauler erklärte, dass es immer das Einfachste sei, zu sagen "man lässt es". Dann könne man auch nichts falsch machen. Schwieriger sei es, etwas zu versuchen und etwas zu machen, kritisierte sie.

Beispielsweise könnte sie sich vorstellen, dass sowohl Fahrer als auch Nutzer vor jeder Fahrt einen Schnelltest machen, die ja nun in Niedereschach über die Apotheke möglich seien. Wenn das Fahrzeug für Fahrten zum Impftermin genutzt werden kann, müsste dies auch für Fahrten zum Arzt möglich sein, ist sie überzeugt. Sie bat die Verwaltung eindringlich darum, eine Lösung zu finden. Schließlich sei das Projekt vom Land gefördert und man habe hierfür sogar Zuschüsse erhalten.

Keine Alleingänge

Vor diesem Hintergrund sei sie der Meinung, dass etwas getan werden müsse, damit das Projekt fortgeführt und das E-Fahrzeug wieder fahren kann. In seiner Antwort deutete Ragg an, ohne konkret zu werden, dass es mit Blick auf die Wiedereinführung des Projektes vielleicht bald wieder bestimmte Möglichkeiten gebe. Man dürfe die Pandemie jedoch nicht unterschätzen. Mit seinen Bürgermeisterkollegen aus Dauchingen und Deißlingen sei er mit Blick auf das Spurwechsel-Projekt im intensiven Kontakt. Man habe bislang gemeinsam jedoch entschieden, das Projekt weiterhin ruhen zu lassen.

Auf Nachfrage von Fauler, ob die Gemeinde Niedereschach nicht selbst entscheiden könne, ob sie das Spurwechselauto fahren lässt, erklärt Ragg, dass es ein Gemeinschaftsprojekt sei. Es gehe deshalb nur gemeinsam. Nur wenn alle Beteiligten mit im Boot sind, gelinge es, die verschiedenen Bedürfnisse zu befriedigen. "Wir sind drei Partner und wir machen das gemeinsam", so Ragg.

Rüdiger Krachenfels sprang Manuela Fauler zur Seite und erklärte, dass er deren Ausführungen voll und ganz unterstütze. Man müsse sehen, dass die Bedürfnisse der älteren Menschen, die das Spurwechsel-Fahrzeug nutzen wollen, definitiv vorhanden seien.

Gemeinderat und Ortsvorsteher Peter Engesser wies darauf hin, dass die betroffenen Bürger auch den Fahrdienst des DRK Fischbach und Niedereschach in Anspruch nehmen könnten. Als langfristigen Ersatz diene der DRK-Fahrdienst laut Ragg aber nicht. Über das DRK würden lediglich Fahrten zum Impftermin organisiert.

Konzept wird gefordert

Für Martin Ragg ist klar, dass das Projekt möglichst zeitnah, sobald es wieder irgendwie geht, reaktiviert wird. Gemeinderat Markus Dietrich wies darauf hin, dass man zwischenzeitlich mit Blick auf die Corona-Pandemie einjährige Erfahrung habe. Man wisse, "dass das Virus nicht so dramatisch schlimm ist, wie man dies noch vor einem Jahr gedacht hat", und habe auch Erfahrung mit Hygiene, Abstandsregelungen und Schutzmaßnahmen, sodass er es sich durchaus vorstellen könnte, dass man nun ein Konzept entwickelt, dass die Wiederaufnahme der Spurwechselfahrten möglichst schnell wieder möglich macht. Ohnehin sei die Nutzung dieses Angebotes freiwillig. Das gelte sowohl für mögliche Fahrgäste aus auch für die Fahrer.

Die Verwaltung solle prüfen, ob es nicht ein entsprechendes Konzept gibt. Klar sei, dass man eine gewisse Verantwortung für die Fahrer und die Nutzer habe. "Wenigstens im Kleinen sollte man versuchen zu regeln, was zu regeln ist, wenn Deutschland schon keinen Flugplatz bauen oder auch keinen Impfstoff bestellen kann", so Dietrich.

Ragg entgegnete: "Wenn man jetzt startet und muss in zwei bis drei Wochen wieder alles einstellen, wäre das sicher noch schlechter."

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: