Ein unangenehmer Geruch ist unter den Anwohnern in Wellendingen-Wilflingen ein wiederkehrendes Ärgernis. Ausgehen soll es von einer ansässigen Firma. Was steckt dahinter?
Ein beschauliches Örtchen zwischen Wiesen und Wäldern. Wanderwege laden zum Spazierengehen in Wilflingen ein. Doch eine Sache stinkt den Anwohnern gewaltig. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.
Denn: Seit einigen Jahren zieht immer wieder ein unangenehmer Duft durch den Ort. Je nach Windrichtung ist er auch über den Wellendinger Ortsteil Wilflingen hinweg noch zu riechen. Bei windstillem Wetter sammelt sich der Geruch an einem ganz bestimmten Ort: bei der Firma Leibold & Amann, wie Anwohner unserer Redaktion berichten.
Problem erst vor einigen Jahren aufgetreten
Zustand heute Diese ärgern sich nun seit mehreren Jahren über diesen Zustand. Lüften sei schwer, im Sommer im Garten essen fast nicht möglich und auch gemütlich auf dem Balkon sitzen sei meist nicht mehr angenehm. Durch den durchgängigen Schichtbetrieb sei es fast unmöglich, Zeiten ausfindig zu machen, in denen davon ausgegangen werden könne, dass es nicht stinke, wird unserer Redaktion in einem Gespräch berichtet. Inzwischen könne kaum unbefangen aus dem Haus gegangen werden, jedes Mal werde zunächst einmal die Nase in den Wind gehalten.
Zustand früher Doch das sei nicht immer so gewesen, berichten die Anwohner und denken an unbeschwerte Zeiten zurück. Denn erst vor drei bis vier Jahren sei das Problem aufgetreten. Zunächst nur gelegentlich und so kurz, dass es kaum wahrnehmbar gewesen sei. Doch dann sei es immer schlimmer geworden und inzwischen stinke es eigentlich dauerhaft nach Öl, wird unserer Redaktion berichtet. Dabei stellen sich auch einige die Frage, ob das nicht gesundheitsschädlich sei.
Betroffene fühlen sich alleine gelassen
Versuche der Anwohner Die Anwohner hätten daraufhin die Firma kontaktiert. Auch einige Treffen mit dem Gewerbeaufsichtsamt und der Firma hätten das Problem noch nicht gelöst, bemängeln die betroffenen Wilflinger, die sich mit der Situation etwas alleine gelassen fühlen. Auch eine Unterschriftenliste und das Protokollieren der Geruchsbelästigungen hätten bislang zu keinem Ergebnis geführt, berichten sie. Eine geplante Untersuchung durch einen Sachverständigen sei verschoben und bislang noch nicht durchgeführt worden.
Geplantes Gutachten Das Gewerbeaufsichtsamt bestätigt auf Nachfrage unserer Redaktion, dass die Firma einem solchen Gutachten zugestimmt und einen Sachverständiger beauftragt habe. Dabei würden die Abluftquellen erfasst und Proben genommen. Mit den Ergebnissen soll eine Ausbreitungsrechnung erstellt werden, mit der die statistische Häufigkeit des Auftretens von Gerüchen innerhalb eines Jahres bestimmt werden soll, berichtet die Pressesprecherin des Landratsamts, Andrea Schmider.
Gutachten soll Klarheit bringen
Mögliche Ursache Derzeit werde von einer Geruchsbildung durch die Maschinen- und Hallenabluft und die Nutzung von Kühlschmierstoffen in der spanabhebenden Fertigung ausgegangen. Nach aktuellem Kenntnisstand gehe aber keine Gesundheitsgefährdung durch den Geruch aus, so die Sprecherin.
Ob es sich um eine erhebliche Geruchsbelastung handelt, könne erst durch das Gutachten geprüft werden. Die Grundlage sei hierbei das Bundes-Immissionsschutzgesetz und die Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft. Erst ab einer Jahresstundenzahl von zehn Prozent, in der die Gerüche auftreten, würde rechtlich von einer „erheblichen Belästigung“ gesprochen werden. „Auch mögliche weitere Maßnahmen würden Gerüche nicht vollständig verhindern, könnten aber Häufigkeit und Intensität spürbar reduzieren“, heißt es von Seiten des Landratsamts.
Firma nimmt Beschwerden ernst
Lösungsversuche der Firma Geschäftsführer Philipp Leibold von der Firma Leibold & Amann erklärt auf Nachfrage unserer Redaktion, dass die Hinweise und Beschwerden der Anwohner sehr ernst genommen werden würden und dass es das Ziel sei, Beeinträchtigungen zu vermeiden, oder wo es technisch nicht möglich ist, zu reduzieren. Deshalb sei nach dem Aufkommen der Beschwerden eine Telefonnummer eingerichtet worden, bei der Anwohner anrufen können, um Geruchsbelästigungen zu melden. Diesen Meldungen sei dann mit Kontrollen nachgegangen worden.
Herausforderungen Allerdings hätte die Geruchsbildung nach der Prüfung oft verneint werden müssen, so Leibold. Daher sei es kein einfach zu identifizierender Geruch, der sofort erkenntlich zu sein scheint, sagt er weiter. „Leider“ seien die gemeldeten Hinweise „nicht aussagekräftig“. Die Firma vermutet, dass der Geruch subjektiv und nicht objektiv wahrgenommen werde.
Meldungen an produktionsfreien Tagen
Teilweise seien auch an Tagen, an welchen überhaupt keine Produktion stattgefunden habe, Gerüche gemeldet worden. „Der Fokus auf den vermeintlichen Ölgeruch würde auch erklären, weshalb der insbesondere in der kalten Jahreszeit vorherrschende beißende Holzofengeruch aus Kachel- und Pelletöfen im gleichen Zuge kommentarlos hingenommen wird.“
Lüftungs- und Abluftanlage Außerdem kann sich die Firma nicht erklären, warum die Geruchsbildung wohl erst seit drei bis vier Jahren bei den Bürgern zunehmend wahrnehmbar sei. Es gebe im Bereich der Lüftungs- und Abluftanlagen keine Änderungen. Außerdem seien die Anlagen nach Eingang der Beschwerden vom Anlagenbauer überprüft und gewartet worden. Sicherheitshalber seien auch alle Filterelemente ausgetauscht worden, berichtet der Geschäftsführer.
Die anhaltende Situation schlägt den Bewohnern allerdings langsam „auf das Gemüt“, wie sie berichten. „Es kann so nicht weitergehen. Das ist so nicht mehr schön“, sagt einer. Doch jetzt heißt es zunächst: Abwarten, was das Gutachten ergibt.