Martin Keppler aus Würzbach findet zufällig die Original-Einladung zur Eröffnung der alten Sternwarte in Bad Wildbad – eine Spurensuche rund um das Observatorium.
Die Anregung von Martin Keppler aus Würzbach, über die Kepler-Sternwarte auf dem Sommerberg nachzuforschen, kommt nicht von ungefähr.
Er hat interessantes Material zu ihm vorliegenden Bildern zur Geschichte des 1932 erbauten und bis 1961 betriebenen Observatoriums auf dem Sommerberg gefunden.
Außerdem zählt zu seiner ganz frühen Verwandtschaft – sowie der seines Namensvetters in der Bäderstadt, des ehemaligen IHK-Geschäftsführers Martin Keppler, und auch des einstigen Rektors der Wilhelmschule, Erwin Keppler – der berühmte Astronom, Mathematiker und Philosoph Johannes Kepler. Nach ihm wurde das 1932 eingeweihte Observatorium benannt.
Betrieben wurde es vom „Kepler-Verein e.V.“ bis Kriegsende. Treibende Kraft war der geschäftsführende Vorsitzende, Mathematiker und Astronom Paul Roßnagel (1900-1975), der bis zum Wegzug in dem Haus wohnte und die Sternwarte bis zur Auflösung 1961 betreute.
Selbst Einheimische, die an der Bergstation aussteigen, wissen oft nichts mehr über die alte Einrichtung zur Beobachtung und Erforschung der Sterne. Sie sehen schräg gegenüber ein Wohnhaus mit dem Namen „Teresa“, das einen kompakten Mittelbau hat. Auf diesem stand erhöht der „Ausguck“.
Forscher hat Glück
Dass auch Glück zum Forschen gehört, dies zeigte sich bei dem Würzbacher Mitglied des Kreisgeschichtsvereins Calw. Martin Keppler wollte nur seine reichhaltige, 200 Werke umfassende heimatgeschichtliche Sammlung mit dem Bildband „Wildbad“ von 1884 ergänzen. In dem Buch fand er am Ende eingeklebt die Original-Einladung zur Eröffnung der Sternwarte und dazu handschriftliche Notizen. Sie belegen als Einweihungszeitpunkt den Sonntag, „10. Juli 1932, vorm. 10.30 Uhr“. Erkennbar wird in der abgedruckten Zeichnung des Wildbader Architekten Weischedel, dass das ab 1937 mit dem linken Anbau an den Turm versehene Gebäude von Anfang an durch diesen Planer mit beidseitiger Ergänzung vorgesehen war.
Bescheidenes Denkmal
Im „Enztäler“ war nach der Einweihung mit „einem halben Tausend Besuchern“ zu lesen: „Die Drehkuppel der Sternwarte krönt das Ganze. An seine Westseite ist ein Wohnflügel im Schwarzwaldstil angebaut, dem in Bälde, um die Symmetrie herzustellen, ein zweiter Flügel gen Osten folgen soll. […] Das ganze Gebäude ist astronomisch genau orientiert. Die Querachse liegt genau ost-westlich. Und der Turm springt genau nach Süden auf den freien Sommerbergplatz vor. Die Warte soll als bescheidenes Denkmal Keplers Namen tragen…“ Wie die auch als Aussichtsturm angebotene Sternwarte angenommen wurde, ist einem Bericht des Nagolder „Gesellschafter“ im August 1932 zu entnehmen, als berichtet wird, dass der 2000. Besucher erwartet wird. Einen Monat später berichten die Zeitungen vom 3000. Besucher.
Errichtung eines Gedenksteins
Im November 1930 war im „Enztäler“ von der Errichtung eines Gedenksteins durch den Keplerverein zu lesen, der bis heute mit der Inschrift „Joh. Kepler 1630-1930“ rechts am Rand des Heermannwegs steht, der von der Bergbahn zur Hängebrücke führt.
Der Arzt und Heimatforscher Obermedizinalrat Schober führte damals aus, dieser sei dem Andenken an Keplers 300. Todestag gewidmet. Er unterstrich, dass das Schwabenland ihn und einen weiteren Großen hervorgebracht habe: Dem „Dichterfürsten“ Friedrich von Schiller sei die Schillereiche am Meisternhang gewidmet.
Wörtlich heißt es in dem Artikel: „Stadtschultheiß Baetzner dankte dem Keplerverein für die Errichtung des Gedenksteins, dem hoffentlich bald die geplante Sternwarte folgen werde, und übernahm den Stein in treue Obhut der Stadtverwaltung.“ Das gemeinsame Lied „Preisend mit viel schönen Reden“ beschloss die Feier.