Sie sind wahrlich echte Spürnasen: Mit ihrem ausgeprägten Geruchssinn nehmen Hunde beim K-9-Suchhundestützpunkt Schwarzwald-Baar die Fährte auf.
Von Ronny fehlt seit Wochen jede Spur. Seit dem 11. November wird der weiße Pudel vermisst. Der zwölfjährige Rüde ist auf Herzmedikamente angewiesen und war zur Pflege in VS-Mühlhausen untergebracht, als er entlief. Zuletzt wurde er von der Polizei auf einer Bundesstraße gesehen – dann verschwand er im Wald.
Fälle wie dieser sind der Alptraum eines jeden Haustierbesitzers: Der Hund rennt im Wald weg, die Katze kommt nicht wieder nach Hause, oder das Kaninchen büxt im Garten aus.
Eine erste Anlaufstelle für verzweifelte Tierhalter ist der K-9-Suchhundestützpunkt Schwarzwald-Baar. Hier werden Hunde ausgebildet, die vermisste Tiere anhand ihrer Geruchsspur aufspüren können.
Allein in diesem Jahr betreute der Stützpunkt 29 Vermisstenfälle – darunter 14 Hunde, 14 Katzen und sogar ein Kaninchen. In sieben Fällen kam es zu organisierten Sucheinsätzen. Drei Hunde und drei Katzen gelten aktuell noch als vermisst.
Der Kopf hinter dem Stützpunkt
Silke Dürrhammer Kopf hinter dem Stützpunkt ist Silke Dürrhammer. Die 61-Jährige begann das Training mit ihren Vierbeinern im Hundesportverein, merkte aber schnell, dass ihre Irish-Setter-Hündin Lynn zum Arbeiten viel lieber ihre Nase einsetzt. So kam Silke Dürrhammer über ein Seminar zum Mantrailing – doch das reichte ihr nicht. Schließlich stieß sie auf das Ausbildungskonzept von K-9 und absolvierte eine Ausbildung zum Basic-Trail-Trainer, welche sie Anfang Juli 2018 erfolgreich abschloss.
2019 entschied sie sich dazu, einen eigenen Stützpunkt im Schwarzwald-Baar-Kreis zu gründen. „Das hat sich so ergeben – wie vieles im Leben“, sagt Silke Dürrhammer und lacht. 2022 schloss sie ergänzend die Ausbildung zum Advanced-Trail-Trainer erfolgreich ab.
Ihre Hündinnen – neben der zwölfjährigen Lynn ist auch die vierjährige Rosie, eine bayerische Gebirgsschweißhündin, Teil der Familie – sind inzwischen beide geprüfte Tiersucheinsatzhunde, sogenannte Pettrailer.
Hund übernimmt beim Trailing die Führung
Training und Ausbildung Das besondere am Trailing: Der Hund darf – anders als beim Gassigehen – die Führung übernehmen und entscheidet, wo es lang geht. Mit der Nase dicht am Boden, folgt der Vierbeiner einer Geruchsspur. Grundsätzlich sei jeder Hund für das Trailing geeignet, sagt Silke Dürrhammer. Nur für Kurzschnäuzer wie die Französische Bulldogge oder den Mops sei es deutlich schwieriger, weil sie durch die platte Nase schlecht Luft bekämen.
Dem Hund die Führung zu überlassen, sei für Hundehalter ungewohnt und vor allem für jene eine Herausforderung, die gern die Kontrolle haben, weiß Silke Dürrhammer und lacht. Deshalb sei das gemeinsame Training in erster Linie für die Hundebesitzer ein Lernprozess. Dabei gehe es nicht nur darum, die Körpersprache des Hundes richtig zu deuten, sondern auch um ganz praktische Grundlagen – vom richtigen Halten der Leine bis hin zum sicheren Lesen einer Karte.
Der Hund hingegen kann beim Trailing seinem Instinkt folgen und seinen außergewöhnlichen Geruchssinn einsetzen. „Trailing ist die artgerechteste Form der Auslastung“, ist Silke Dürrhammer überzeugt. Vor allem geistig werde der Hund dabei stark gefordert.
Bis ein Hund aktiv in der Tiersuche eingesetzt werden kann, ist in der Regel eine mindestens dreijährige Suchhundeausbildung notwendig, erklärt Silke Dürrhammer.
Beim K-9-Stützpunkt in Pfaffenweiler trainieren inzwischen sechs Trainingsgruppen mit insgesamt 28 Teams – in erster Linie um ihren Hund auszulasten, ambitionierte Hundehalter entscheiden sich dann für die Ausbildung zum Pettrailer. Trail-Trainerin ist neben Silke Dürrhammer auch die 36-jährige Christin Pietsch mit ihrer Hündin Sophie. Inzwischen hat der Stützpunkt fünf geprüfte Einsatzhunde.
Suchhunde rücken nicht sofort aus
Im Ernstfall Und was passiert im Ernstfall? Wird ein Tier vermisst, kommt es nicht sofort zum Sucheinsatz, betont Silke Dürrhammer. Tierhalter können die K-9-Hotline anrufen – von dort wird er an den zuständigen Stützpunkt vermittelt und telefonisch beraten.
Im Beratungsgespräch wird geklärt, warum das Tier weggelaufen ist, welche besonderen Vorsichtsmaßnahmen nötig sind – etwa bei Angsthunden – und was das Tier bei sich trug wie etwa ein Halsband, Leine oder einen Tracker.
Viele Tiere kehren an den Entlaufort zurück
Warum Tiere verschwinden, kann viele Gründe haben: Ein Hund erschrickt, folgt seinem Jagdtrieb, Freigänger-Katzen kehren nicht zurück oder klettern sogar in fremde Autos.
Die Erfahrung habe jedoch gezeigt: Viele Tiere kehren an den Entlaufort zurück, weiß Silke Dürrhammer. Darum sei es wichtig, dass Tierbesitzer zunächst an Ort und Stelle bleiben. „Die ersten Stunden sind entscheidend“, betont die Expertin. Gerade deshalb sei es wichtig, dass Besitzer umgehend Kontakt mit dem Stützpunkt aufnehmen.
Sollte eine organisierte Tiersuche starten, sei ein entscheidender Punkt, dass alle Haushaltsmitglieder bei der Suche anwesend sind. Nur so kann der Suchhund die richtige Geruchsspur eindeutig zuordnen – schließlich könnten Geruchsartikel wie ein Hundebett auch von anderen Tieren im Haushalt genutzt worden sein.
Von Ronny fehlt jede Spur
Pudel Ronny Der Fall von Pudelrüde Ronny ist einer von drei aktuell noch offenen Hundefällen. Der Rüde ist zwar für sein Alter fit, benötigt jedoch Medikamente. In einer großen Suchaktion wurde der Wald rund um Mühlhausen Parzelle für Parzelle abgesucht – jedoch ohne Erfolg, sodass die organisierte Suche eingestellt wurde.
Hoffnung geben Fälle wie beispielsweise der von Angsthündin Bea, die in Bonndorf-Ebnet entlaufen war – sie konnte nach über vier Wochen und über 30 zurückgelegten Kilometern wieder eingefangen werden, erzählt Silke Dürrhammer.
Stützpunkt sucht neuen Trainingsort
Wunsch „Ohne Unterstützung der Öffentlichkeit geht unsere Arbeit nicht“, betont Silke Dürrhammer, hat zugleich aber auch einen Wunsch: Zuletzt trainierten ihre Trainingsgruppen im ehemaligen Einkaufszentrum Rössle in Schwenningen, Mitte Dezember musste sie den Schlüssel allerdings wieder abgeben.
Verlassene Gebäude seien ideal für das Hundetraining, da sie weniger Ablenkung bieten, als übliche Gassi-Runden. Jetzt sucht der Stützpunkt einen neuen Trainingsort – und ist dankbar um jeden Tipp.
Gleichzeitig werde ein Unterstellplatz für zwei Lebendfallen gesucht – auch hier ist Silke Dürrhammer um jedes Angebot dankbar.
K-9-Suchhunde
Gründerinnen
Die K-9-Suchhunde wurden von Alexandra Grunow und Rovena Langkau gegründet. Inzwischen gibt es über 40 Standorte in Deutschland, Österreich, Schweiz, Slowenien und Italien. Die beiden Gründerinnen bilden K-9-Trail-Trainer aus und gehen zudem seit Jahren für verschiedene Polizeipräsidien und Landeskriminalämter in den Bereichen Rettung und Forensik in Realeinsätze. Weitere Infos im Internet unter https://k9-experts.com/