Das Kürzel steht für "All Cops are Bastards" – "Alle Polizisten sind Bastarde". Foto: Eyrich

Die Sprüher-Attacken auf Gebäude und sogar Kirchen haben in jüngster Zeit in Albstadt zugenommen. Die meisten "Tags" sind "ACAB" – eine Beleidigung von Polizisten. Ist auch Letztere ein Vergehen?

Albstadt-Tailfingen - Nachdem das Sandstein-Relief der Heiligen Elisabeth am Nordportal der katholischen Kirche St. Elisabeth mit Farbe besprüht worden war, steht die Frage im Raum, ob das Kunstwerk zu retten ist, denn die Sprühfarbe ist nicht nur an der Oberfläche, sondern auch in den porösen Stein eingedrungen.

 

Pfarrer Hans-Joachim Fogl hat in dieser Sache eine Restauratorin hinzugezogen, die das verschandelte Relief untersucht hat. "Die Farbe an den Türen" – sie sind aus Metall und waren ebenfalls besprüht worden – "lässt sich entfernen", berichtet Fogl nach dem Gespräch auf Anfrage des Schwarzwälder Boten. Beim Relief sei das nach Ansicht der Fachfrau schwerer, aber nicht unmöglich. Die Farbe in den – teilweise sehr engen, teilweise etwas weiteren – Poren müsse mit ganz feinem Werkzeug entfernt werden.

Zu den Sanierungskosten kann Pfarrer Fogl noch nichts sagen und muss zunächst den Kostenvoranschlag der Restauratorin abwarten.

Kürzel steht für "All Cops are Bastards"

Derzeit fallen in Albstadt – vorwiegend, aber nicht nur, in den Talgang-Stadtteilen – viele Gebäude, Stromkästen und Pfosten auf, die mit den Buchstaben "ACAB" besprüht sind, etwa in Truchtelfingen entlang der Konrad-Adenauer-Straße, nördlich der Galluskirche. Das Kürzel steht für "All Cops are Bastards" – "Alle Polizisten sind Bastarde".

Dasselbe Kürzel und seine Entsprechung in Zahlen für die Stellung im Alphabet, "1312", hatten Unbekannte auch an zwei Wände von St. Elisabeth und eine Wand der Treppe von St. Franziskus auf Langenwand gesprüht. Die "Handschrift" der Sprüher am Lammerberg indes deutet darauf hin, dass es sich um mehrere Täter gehandelt hat, denn die Buchstaben, die in beiden Schmiereien vorkommen, sind bei der Aufschrift "Zu laut" auf dem Relief und "Viel zu laut" an den Kirchentüren von anderer Handschrift.

Im Sonntagsgottesdienst hatte Hans-Joachim Fogl deshalb die Gemeindemitglieder aufgerufen, wachsam zu sein und die Augen offen zu halten, wenn sie etwas Verdächtiges beobachteten, aber auf keinen Fall selbst etwas zu unternehmen, sondern die Polizei zu rufen. "Das scheint ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei zu sein", so Fogl mit Blick auf die Sprüher.

Fotos werden archiviert – dennoch ist Beweisführung oft schwierig

Ihrer habaft zu werden, gelinge meist nur auf frischer Tat, berichtet ein Sprecher des Polizeipräsidiums Reutlingen. Zwar führe die Polizei eine Art Archiv der "Tags" – so werden die Buchstaben genannt; das oft verwendete "Graffiti" steht hingegen für gesprühte Grafiken und Bilder. Doch die Beweisführung anhand fotografierter Tags sei schwierig.

Ein Täterprofil für Personen, die solche Schmierereien an Wände sprühen, gebe es nicht, so der Polizeisprecher. "Jugendliche, die in den Abendstunden mit großen Rucksäcken unterwegs sind, kontrollieren wir schon. Aber manche haben auch nur eine Sprühdose in der Jacke stecken." Auch an einer bestimmten Altersgruppe lasse sich nichts festmachen.

Ist "ACAB", ein weit verbreitetes, an vielen Orten verwendetes Kürzel, als Beleidigung einzustufen? "Wenn ein bestimmter Polizeibeamter gemeint ist, dann schon", "so der Sprecher, "und dann erstatten wir auch Anzeige wegen Beleidigung." Die müsse sich aber eben gezielt gegen bestimmte Beamte richten.