Die Energiepreise explodieren. Der Bund senkt die Steuer auf Kraftstoff. Geht der Sprit zum 1. Juni aus? Tankstellenbetreiber bereiten sich vor.
Zollernalbkreis - Von diesem Mittwoch, 1. Juni, an soll Tanken günstiger werden – zumindest theoretisch. In Zahlen: Die Steuerlast sinkt – wenn man auch die Auswirkungen auf die Mehrwertsteuer berücksichtigt – um 35,2 Cent pro Liter bei Superbenzin und um 16,7 Cent pro Liter bei Diesel. Beide Werte sind inklusive der Mehrwertsteuer.
Ob die Preissenkung am Mittwochmorgen flächendeckend kommt, ist allerdings unklar. Die Steuersenkung gilt für den Kauf von Kraftstoff bei Raffinerien und Tanklagern. Das bedeutet: Erst der Sprit, der am Mittwoch ausgeliefert wird, wird niedriger besteuert. Die aktuellen Preise jedenfalls kann man vor dem Tanken online abrufen.
Ansturm wie beim Klopapier?
Rainer Grimm von der Agip-Tankstelle in der Hechinger Hofgartenstraße sagt: "Wenn es läuft wie beim Klopapier, dann geht das Benzin aus." Er selbst habe vorsorglich nochmals vollgetankt. Sollte der Preis tatsächlich auf einen Schlag um 30 Cent sinken, "dann sind die Tanks leer". Und wann kommt Nachschub? Üblicherweise wird die Agip alle eineinhalb Tage beliefert. Fraglich sei aber, ob es genügend Fahrer und Kapazitäten gibt, sollte das Benzin ausgehen. Grimm nimmt es mit Humor, sagt: "Ich bleibe ganz cool – ich habe schließlich schon 26 Jahre Erfahrung."
Zweite Baustelle: Kartenzahlung
Frank Francois, Inhaber der Esso-Tankstelle in Bisingen, ist gespannt, wie stark der Benzinpreis tatsächlich sinkt: "Ich lasse mich überraschen, wenn ich morgens auf den Preisturm schaue", sagt er unserer Redaktion. Vielmehr hofft er, dass an den Kassen alles rundläuft: Auch bei der Esso war Kartenzahlung zuletzt tagelang nicht möglich, Sprit gab es nur gegen Bares.
Probleme mit den Lesegeräten für die Kartenzahlung hat auch Abdullah Koteiche (Esso Burladingen). Weil das die Spritkäufer ansonsten verprelle, habe er seine Preise schon seit einiger Zeit deutlich gesenkt. Den Ansturm auf seine Tankstelle spüre es deshalb schon länger. Ruhe vor dem Sturm am 1. Juni? Fehlanzeige. Zusätzlich "motiviert und gerüstet" gehen Koteiche und sein Team in die Herausforderungen, die sich ab 1. Juni noch verschärfen könnten.
Eine weitere Tankstelle in Burladingen ist die Trigema-Tankstelle, auch in Rangendingen gibt es eine. Wolfgang Grupp, Chef der gleichnamigen Textilfirma, äußert sich sich nur knapp: Am 1. Juni werde es vermutlich noch keine Preisänderungen geben. "Frühestens am Donnerstag bekommen wir neuen Sprit, und dann muss man sehen, wie die Preise wirklich sind". Eventuell würden die Senkungen ja gar nicht von den Einkäufern weitergegeben. Das höre man jedenfalls.
Volle Regale im Shop
Bei der Esso-Tankstelle in der Tübinger Straße in Balingen sieht man dem vermeintlich anstehenden Andrang gelassen entgegen. So wird das Personal am Mittwoch ganz normal in Zweier-Schichten arbeiten. Auch Benzin wird nicht zusätzlich geordert, denn das erfolgt automatisch durch die zentrale Erfassung in Hamburg. Lediglich beim sonstigen "Reisebedarf", etwa Getränken und Naschwerk, achtet das Team darauf, dass die Regale am Mittwoch auch garantiert gefüllt sind.
Blaier: zusätzliche Nachfrage an Pfingsten
Stefan Blaier, der die Tankstelle Rominger und Blaier in der Ebinger Kientenstraße betreibt, sieht dem Juni gelassen entgegen. "Wir bereiten uns insofern darauf vor, dass wir unsere Tanks jetzt leermachen", so Blaier. Denn alles, was noch im großen Tank ist, hat die unabhängige Tankstelle für teuer Geld eingekauft; ab Mittwoch gelten für Tankstellen dank der Steuererleichterung günstigere Einkaufspreise. Mittwochnacht kommt Nachschub.
Bedenken, dass der Andrang in den ersten Juni-Tagen so groß sein wird, dass der Sprit ausgeht, hat Blaier nicht. Er könne innerhalb von drei Stunden nachordern. Hinsichtlich des Pfingstwochenendes sieht er aber eine zusätzliche Nachfrage. Das gute Wetter an den Wochenenden und die Urlaubs- und Ausflugslust der Menschen spüre man – und das unabhängig davon, was an der Zapfsäule steht. Gespannt ist er, wie lange sich die Steuersenkung bemerkbar machen wird. Er rechnet damit, dass die großen Konzerne die Differenz über kurz oder lang wieder drauflegen werden.