Wenn der Dieselpreis Achterbahn fährt, geraten Unternehmen ins Schwanken. Wie sich Taxifahrer, Speditionen und Zusteller behaupten und ihre Meinung zu den Gegenmaßnahmen.
Schwierige Zeiten für Unternehmen, deren Geschäft mit einem hohen Verbrauch von Kraftstoff einhergeht. Ein Hoffnungsschimmer: Am 1. Mai wurde die Energiesteuer befristet gesenkt.
Für zwei Monate zahlen Verbraucher einen um 17 Cent vergünstigten Preis auf Diesel und Benzin. Doch teurer Kraftstoff ist nicht erst Thema seit dem Ausbruch des Iran-Krieges. Schon zuvor gab es durch geopolitische Konflikte, wie dem Beginn des Ukraine-Krieges und der damit zusammenhängenden Energiekrise, immer wieder Anlass zur Sorge für Unternehmen. Also was bringt die Maßnahme?
Dominic Schilling, Spediteur aus Geisingen, fühlt sich der Lage ausgeliefert: „In den ersten vier Kriegswochen im März hatten wir etwa 15.000 Euro Mehrkosten, die wir zunächst nicht umlegen konnten“, so der Geschäftsführer des Unternehmens. Verhandlungen hätten für ihn ergeben, dass zumindest ab April die Hälfte der Preissteigerungen weitergegeben werden kann, dennoch sieht er den Zustand der Branche weiterhin kritisch.
Dagmar Zimmermann, Pressesprecherin der Fürstenberg Brauerei, kann die Einschätzung bestätigen. „Der steigende Kostendruck stellt die gesamte Braubranche vor große Herausforderungen.“ Üblicherweise gleiche die Logistikbranche schwankende Kraftstoffpreise durch variable Zuschlagsmodelle aus, die sich an der Entwicklung der Dieselpreise orientieren und für Transparenz sowie eine faire Verteilung der Transportkosten sorgen. Dies schaffe aber nur bedingt Abhilfe, letztlich blieben höhere Ausgaben, sagt sie.
Auch bei Zustello, dem neuen Donaueschinger Zustelldienst, spürt man die hohen Preise deutlich. „Wir haben rund 15 Prozent gestiegene Kosten seit März“, sagt Milot Kornell. Eine kurzfristige Preiserhöhung für die Kunden sei für das junge Unternehmen jedoch keine Lösung. „Wir haben zum Glück noch ein paar andere Stellschrauben, an denen wir drehen können, um Kosten zu sparen“, merkt Geschäftspartner Brandon Fernandez an.
Dies seien etwa effizientere Planung der Fahrten oder Lizenzkosten für Software. 400 Kilometer zählen die Tachos der vier Fahrzeuge des Lieferdienstes pro Woche, so Kornell. Das sei vergleichsweise wenig. Dennoch ist der Kraftstoff eines der Hauptkostenpunkte des Unternehmens, gibt er zu bedenken.
7000 Kilometer hingegen fährt die Taxiflotte von Ferdi Akpolat im Schnitt dagegen wöchentlich. Er betreibt sein Unternehmen mit 14 Mitarbeitenden und fünf Fahrzeugen. „Es ist ein Kampf“, gibt er zu. Denn nicht nur die Preise für Kraftstoff seien gestiegen, sondern auch viele weitere Ausgaben für sein Unternehmen wie Krankenkassenbeiträge und Werkstattkosten. „Bisher habe ich noch keinen Antrag auf eine Erhöhung des Tarifes gestellt, wie es an vielen anderen Orten wie zum Beispiel Freiburg schon erfolgt ist“, sagt Akpolat.
Auch er versuche zunächst an anderen Stellen Kosten zu sparen. „Ich fahre jetzt verstärkt selbst Touren“, berichtet der 41-Jährige. Und er vergleiche die Leistungen der Werkstätten und bestelle Ersatzteile selbst. „Wenn ich nicht selbst unterwegs bin, sitze ich am Rechner.“
An Aufträgen mangele es ihm indes nicht. Sein Taxiunternehmen wurde im Jahr 2000 von seinem Onkel gegründet und befördere viele Stammkunden. Akpolat steht einer Erhöhung der Tarife auch deshalb kritisch gegenüber. „Ich habe sehr viele Rentner, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Für die würde es sicher einen großen Unterschied machen, wenn ich die Preise erhöhe.“
Diese Bedenken teilt Milot Kornell von Zustello: „Wir sind noch jung am Markt und dabei, uns das Vertrauen der Kunden zu erarbeiten. Daher wollen wir unsere Preise so lange es geht stabil halten“, sagt Kornell. Deutlich pessimistischer zeichnet Dominic Schelling das Bild für seine Spedition. „Wir lehnen aufgrund der jetzigen Situation Aufträge ab oder geben überhaupt keine Angebote mehr ab“, so Schelling. Für ihn sind nicht nur die hohen Kosten, sondern auch der Mangel an Fahrern in der Branche ein Existenzrisiko.
„Ich denke, das, was Unternehmern in dieser Situation wirklich helfen könnte, sind Steuersenkungen“, sagt Akpolat. Die zwei Monate der Spritpreissenkungen empfindet er zwar als Entlastung, lösen werde es die Überforderungen in der Branche nicht, findet er.
Spritpreiskrise
Maßnahmen
Die Bundesregierung versucht seit dem Anstieg der Spritpreise durch den Iran-Nahostkonflikt Anfang März mit verschiedenen Maßnahmen gegenzusteuern. So verpflichtet sie Tankstellen zur Einhaltung der 12-Uhr-Regel, die eine einmalige tägliche Erhöhung des Spritpreises um die Mittagszeit erlaubt. Auch die Absenkung der Energiesteuer für zwei Monate soll Entlastung bringen. Mit dem Auslaufen der Maßnahme steigen die Preise jedoch wieder an, sodass der Effekt vor allem temporär bleibt, so die vielfach geäußerte Kritik.