Nach neuen Rekordwerten über Ostern scheinen die Spritpreise nun wieder zu fallen. Die Avia-Tankstelle verzichtete am Mittwoch auf eine Preiserhöhung. Das erste Signal einer Trendwende?
Punkt 12 Uhr am Mittwochmittag in Freudenstadt und die Tankpreise schnellen in die Höhe: An der Supermarkt Tankstelle gegenüber des Kauflands, die mit „Günstig Tanken“ wirbt, steigt der Preis für einen Liter Diesel von 2,389 auf 2,439 Euro. Auch der Literpreis für Super E10 klettert von 2,119 auf 2,189 Euro.
Ähnlich sieht es an der Shell Tankstelle in der Stuttgarter Straße aus. Hier erhöht sich der Literpreis für Diesel von 2,409 Euro auf 2,429 Euro, für Super E10 von 2,139 auf 2,179 Euro. Grund dafür ist das „Österreich-Modell“, das zum 1. April eingeführt wurde. Nach diesem dürfen Tankstellen nun nur noch einmal täglich ihre Preise erhöhen – um 12 Uhr mittags.
Nur an der Avia Tankstelle in der Stuttgarter Straße scheint sich nichts zu tun. Auch um 12.15 Uhr stehen noch immer dieselben alten Preise an der Anzeigentafel – doch wieso?
An Ostern so teuer wie noch nie
Seit der Einführung der neuen Regelung hatte der Dieselpreis laut ADAC im Tagesdurchschnitt jeweils ein neues Allzeithoch erreicht. Super E10 erreichte indessen am Ostermontag, 6. April, mit 2,192 Euro je Liter den höchsten Stand des Jahres und lag damit nur einen Cent unter dem höchsten E10-Preis aller Zeiten.
„Jetzt sind zum ersten Mal seit fast zwei Wochen sowohl Superbenzin der Sorte E 10 als auch Diesel billiger geworden“, schreibt der Automobilclub auf seiner Website. Grund dafür sind die gesunkenen Ölpreise am Mittwoch, 8. April, nachdem sich die Situation im Nahen Osten entspannt hatte. Könnte das also bedeuten, dass der Kipppunkt nun endlich erreicht ist? Können Autofahrer nun wieder auf günstigeren Sprit hoffen?
Geopolitische Lage bleibt unsicher
„Eine verlässliche Prognose ist derzeit nicht möglich“, erklärt Matthias Pape, Geschäftsführer der Oest Energies, die die Avia-Tankstelle in der Stuttgarter Straße betreibt, auf Anfrage unserer Redaktion. „Die geopolitische Lage bleibt sehr unsicher und wirkt sich leider unmittelbar auf die internationalen Energiemärkte aus“, erklärt er weiter.
Pape wünsche sich – unabhängig von den ganzen Themen um die Preisbildung – vor allem eines: Frieden. „Nur das bringt Stabilität und wäre für alle Beteiligten das Wichtigste.“ Doch wenn der weitere Verlauf des Konflikts im Nahen Osten und der damit einhergehende Öl- und Benzinpreis noch ungewiss sei, warum verzichtete die Avia Tankstelle dann am Mittwoch auf eine Preiserhöhung?
Oest will „Zeichen an Kunden“ geben
„Wir haben bewusst auf eine Preisanpassung verzichtet, trotz weiterhin angespannter Beschaffungslage“, erklärt der Oest-Geschäftsführer. „Wir wollten mit der einmaligen Aussetzung der Preiserhöhung ein Zeichen an unsere Kunden geben, dass wir die positiven geopolitischen Ereignisse auch bei uns sichtbar machen und an den Kunden frühzeitig weitergeben.“
Es bleibt zum Bedauern der Autofahrer also bei einer Ausnahme. Bereits am Donnerstag erhöhte auch die Avia um 12 Uhr wieder ihre Preise – für den Liter Diesel von 2,329 auf 2,399 Euro und für E10 von 2,099 auf 2,159 Euro. Damit liegen die Spritpreise jedoch noch immer deutlich unter den Rekordwerten der Osterfeiertage.