Die Spritpreise steigen – und so steigen auch die Sorgen mancher Busunternehmen im Kreis Freudenstadt. Wie extrem die Auswirkungen sein könnten, erzählen zwei Unternehmer.
Egal, ob Diesel oder Benzin – kaum ein Tankpreis liegt derzeit unter zwei Euro je Liter. Seit Mitte der laufenden Woche schießen die Preise an den Tankstellen nur so in die Höhe – nicht nur für Autofahrer ein echter Schock, sondern auch für Busunternehmen eine große Herausforderung.
Unsere Redaktion hat mit Stefan Gressing, Inhaber vom Busunternehmen Vögele in Horb, und mit Ludwig Blum, Geschäftsführer vom Busunternehmen Katz in Freudenstadt, über die aktuelle Situation und ihre Sorgen gesprochen.
Zustand könnte Existenz gefährden
Wie Gressing erklärt, fährt „Vögele“ im Auftrag der Deutschen Bahn. Je gefahrenen Kilometer gebe es eine Vergütung – diese würde derzeit aber nicht angepasst, so dass die Spritkosten nicht ausgeglichen würden. „Wir bekommen nicht ad hoc mehr Geld“, sagt er.
Wie könnte es aber weitergehen, wenn die Spritpreise weiterhin hoch bleiben? Eine Einstellung mancher Buslinien, um Fahrtkosten einzusparen, hält Gessing für sehr unwahrscheinlich. Schließlich gebe es eine Versorgungspflicht, erklärt er, an die sich immer gehalten werden müsste. „Es ist schlimmer, wenn der Bus nicht kommt, als wenn die Schule ausfällt“, sagt der Inhaber.
„Gerade kann man es noch aushalten, aber irgendwann wird der Zustand existenzgefährdend. Etwa wenn der Kostendruck zu hoch ist, weil man die Dieselrechnung nicht mehr bezahlen kann“, erklärt er weiter.
Verlustbereich wächst
Wie sieht es in Freudenstadt selbst aus? Ludwig Blum erzählt, die Lage sei vor allem „beängstigend“. Seitdem die Spritpreise in die Höhe geschossen sind, habe er seine Busse einmal tanken müssen – das seien 30 000 Liter gewesen, sagt Blum. Insgesamt habe sein Unternehmen 33 Busse. „Wenn das so mit den Spritpreisen weitergeht, kommen wir immer tiefer in einen Verlustbereich“, legt er offen. „Das ist eine verheerende Katastrophe.“
Nutzen künftig mehr Autofahrer auf den ÖPNV?
Dass vermehrt Autofahrer auf den ÖPNV umsteigen, hält Blum für realistisch – im Gegensatz zu Gressing aus Horb. Blum berichtet, dass erst vor wenigen Tagen ein Kunde eine Omnibus-Card, also eine Karte, mit der man vergünstigt den ÖPNV des „vgf“-Verkehrsbundes nutzen kann, in seiner Geschäftsstelle gekauft habe. „Vielleicht werden das in den nächsten Tagen noch mehr“, meint er.
In Horb schätzt Gressing die Lage anders ein: „Das ist ein Autofahrer-Land. So sehr ich es mir auch wünschen würde, dass mehr Menschen mit dem Bus fahren, halte ich es für unwahrscheinlich.“ Auch sei oft das Problem, dass beispielsweise die Strecke zur Arbeit zu weit sei, um diese mit dem Bus zurückzulegen. „Diejenigen, die das können, machen es vermutlich auch schon jetzt“, sagt der Unternehmer.
Worauf sowohl Stefan Gressing als auch Ludwig Blum hoffen, sei ein baldiger Lösungsvorschlag der Regierung, sagen sie. Bis dahin lautet die Devise beider: „Wir müssen abwarten.“