Oberbürgermeister Erik Pauly lädt zur Sprechstunde ein. Blitzer und Beleuchtung sind häufige Anliegen der Donaueschinger Bürger.
Eine Handvoll Menschen sind gekommen und warten am frühen Abend des Mittwoch, 3. Dezember, im Eingangsbereich des zweiten Stocks im Blauen Rathaus. Regina Wenzler, Assistentin des Oberbürgermeisters Erik Pauly, empfängt sie. „Anliegen gibt es immer und die Sprechstunde wird gut angenommen,“ sagt sie. Regina Wenzler muss es wissen, denn seit 1998 steht sie im Dienst des Rathauses.
Eingeführt habe die regelmäßige Sprechstunde der vorherige Oberbürgermeister Thorsten Frei. Im Rathaus findet sie immer am ersten Mittwoch des Monats statt. Dabei gibt es auch für Kinder und Jugendliche ein Zeitfenster.
Für Oberbürgermeister Erik Pauly sind es sinnvoll investierte Minuten. „Ich lerne viel, bekomme gute Rückmeldungen und sinnvolle Verbesserungsvorschläge. Das Schöne ist, wir sind für alles zuständig – vom Standesamt bis zum Friedhof. Entsprechend vielfältig sind auch die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger“, so der Chef der Stadtverwaltung.
An diesem Mittwoch, 3. Dezember, war es vor allem eine Jugendliche gewesen, die ein besonderes Anliegen mitgebracht hatte, wie Pauly erzählt – und welches schon in der Vergangenheit zu Fragen von Bürgern führte: Nämlich dass die Straßenbeleuchtung um 1 Uhr abgestellt werde. Der Hintergrund: Derzeit leuchten die Laternen nur bis um 1 Uhr in der Nacht und werden bis 5 Uhr am Morgen abgestellt. Diese Entscheidung wurde aufgrund des Ukrainekriegs und der damit verbundenen Energiekrise getroffen.
„Die Dauer der Straßenbeleuchtung ist etwas, das immer wieder angesprochen wird“, sagt Pauly. Offensichtlich sei es auch der Schülerin nachts zu dunkel in der Quellstadt. „Wir haben gemerkt, dass die Stadt mit ein paar Stunden ohne Licht sehr viel Geld spart, daher haben wir die nächtliche Abschaltung beibehalten“, so der OB. Dabei sei es nicht so einfach, die Abschaltungen vorübergehend zu ändern. Für Feste in den Abendstunden werde jedoch versucht, Ausnahmen zu ermöglichen.
Teilweise kämen die Menschen, um sich über ein Ärgernis Luft zu machen. Auch an diesem Tag ging es bei einem anderen Bürger um den falschen Ton in einem Anschreiben durch die Stadt. „Der Bürger hat es mir gezeigt und es war in der Tat keine sehr höfliche Ansprache. Jetzt geht es darum, mit den Fachämtern zu sprechen und das in Zukunft zu verbessern“, so Pauly.
Radarfallen sorgen für Gesprächsstoff
Auch Radarfallen würden regelmäßig für Gesprächsstoff in der Sprechstunde sorgen, wie Pauly erzählt. „Besonders ein Termin hat mich amüsiert. Ein Bürger beklagte sich aufgebracht über die Blitzer-Situation in der Stadt. Das sei Geldmacherei, so sein Vorwurf. Direkt im Anschluss kam jemand und wünschte sich mehr Blitzer, denn es werde zu schnell gefahren. Das ist ein gutes Beispiel für die Widersprüche, die uns manchmal in unserer Arbeit begegnen“, sagt Pauly und lacht.
Aber es gebe auch Lob. Für manche Anlässe wie Vermählungen schreibe der OB eine persönliche Karte. „Manche erscheinen hier nur, um sich zu bedanken, das ist auch mal schön“.
Manchmal komme es auch vor, dass Pauly alleine in der Sprechstunde sitzt, da keine Bürger kommen. Gerade in den Sprechstunden der Ortsteilen passiere das häufiger. „Wenn niemand kommt, dann sind wohl alle zufrieden“, schließt Pauly.
Monatliche Bürgersprechstunde
Mit dem OB im Gespräch
Regelmäßig, meist am ersten Mittwoch des Monats, findet die offene Bürgersprechstunde im Rathaus I statt. Teilnehmende können im Vorhinein einen Termin buchen. Aber man kann auch spontan ohne Anmeldung kommen. Einen etwas unverbindlicheren Rahmen gibt es mit dem jährlichen Besuch des Wochenmarkts, wo der OB mit Bürgern ins Gespräch kommt. Alle drei Monate geht Pauly in einen der Ortsteile zur Sprechstunde.